5 8erl in Ehr´n
© Rania Moslam
Das Wienerliedfestival „Wien im Rosenstolz“ präsentiert ab 2. Oktober wieder die wunderbare Vielfalt dieser herrlich kauzigen Kunst.
Das Wienerlied wäre nicht das Wienerlied, wenn der Wiener es nicht schon oft zu Tode geraunzt hätte. Doch nicht zuletzt diese voreiligen Kondolenzbezeugungen sind eines der Nähr- und Zehrgebiete dieses regionalen Phänomens. Außerdem gilt: So vertraut einem das Wienerlied erscheint, so fremd kommt es einem oft vor. Es ist so morbid wie lebensfroh, so besoffen wie nüchtern, so lieblich wie gemein. Dementsprechend haben sich verschiedenste Charaktere des Wienerlieds bemächtigt. Die Erbschleicher wie die Zyniker, die Brautwerber wie die Totengräber. Von Hans Moser bis zu Helmut Qualtinger, vom Hörbiger zu „5/8erl in Ehr’n“.
5 wer?
Ja, „5/8erl in Ehr’n“ zählen zu den herausragenden Vertretern einer neuen Generation des Wienerlieds. Schon der Name lässt tief in die Psychologie dieser Kunst blicken – so tief, wie es das Weinglas zulässt. Die „5/8erl in Ehr’n“ sind eine jener Formationen, die beim Wienerliedfestival „Wien im Rosenstolz“ auftreten werden. Austragungsort der vom 3. bis 31. Oktober stattfindenden musikalischen Zusammenkünfte ist das Theater am Spittelberg. Dort wird die Gruppe mit prächtigen Liedern wie „Gengan zwa Worme auf a Hasse“ für Bäuche sorgen, die man sich wird halten müssen.
„Wien im Rosenstolz“ präsentiert ein erlesenes Programm zum Thema. Es denkt die alten Hasen und Häsinnen mit den Neuen zusammen, überrascht mit Ungewöhnlichem, erfreut mit Überraschendem. Hauptsache, es wird nicht berechenbar. Denn das ist der Anfang vom Ende jeder Kunst. Aber das Wienerlied ist ja zum Glück kein Museumsstück. Es ist eine lebendige Spielwiese menschlicher Zustände und Abgründe. Es berichtet von den Sehnsüchten und Wünschen wie von den Ängsten und Sorgen der viel strapazierten kleinen Leute. Doch anders als die Politik, die sich ihrer vermeintlich annimmt, formulieren die Künstlerinnen und Künstler des Wienerlieds ihre Gedanken auf Augenhöhe mit den Sujets ihrer Betrachtung, kommunizieren in deren Sprache. Das schlägt Brücken. In die Ohren wie in die Herzen.
Moderner Stadtstreicher
Zu den Brückenbauern, die „Wien im Rosenstolz“ für seine herbstliche Austragung eingeladen hat, zählen Erika Pluhar & Klaus Trabitsch, Bohatsch & Skrepek, Birgit Denk & die Novaks, Karl Hodina & Roland Neuwirth, das Trio Lepschi, Ernst Molden & Walther Soyka und viele andere mehr. Gerade anhand eines umtriebigen Charakters, wie Ernst Molden einer ist, lässt sich die Ausrichtung von „Wien im Rosenstolz“ gut beschreiben. Molden ist so eine Art moderner Stadtstreicher. Ein Grätzelmensch, dessen Beobachtungen im Kleinen einen Blick auf das Große freigeben. Molden, der sich mit geradem Rückgrat als Liedermacher bezeichnet, ist als solcher auch ein Wienerliedmacher. Er bereichert das Fach wie viele andere um aktuelle Themen. Er entreißt diese Musik den Kitschheurigen des Massentourismus und führt sie zurück an ihren Ursprung. In die kleinen unscheinbaren Lokale, die Espressos, die Branntweiner. Jene Orte, vor denen nicht Hundertschaften mit Handys bewaffnet aus den Bussen fallen.
Dort erzählt ein Ferdl im Laufe des Tages seinem Haberer, dem Kevin, sicher eine Geschichte, die den Stoff für einschlägiges Liedgut bietet. Die Zeit muss man sich halt nehmen. Die Musikerinnen und Musiker, die bei „Wien im Rosenstolz“ auftreten, haben sich diese Zeit allesamt genommen und berichten auf vielfältige Weise von ihren Beobachtungen. Nehmen Sie sich doch auch die Zeit, und hören Sie zu. Es müssen ja nicht jedes Mal gleich fünf Achterln werden.
Karl Fluch









