Wien | Festivals | Musik

Feuer und Flammen

» English

Feuer und Flammen

So einsam und so gut: Avishai Cohen
© Lucille Reyboz

« 1/2

Feuer und Flammen

Maria Schneider
© Dena und Jimmy Katz

« 2/2

Kurzweile. Die Jazz-Reihe im Wiener Konzerthaus lockt in der neuen Saison nicht nur mit Granden: Neben Chick Corea und Chucho Valdés entern Innovatoren wie Miguel Zenón und Avishai Cohen die Bühne. 

T radition – das ist laut Gustav Mahler bekanntlich nicht die Anbetung der Asche, sondern die Bewahrung des Feuers. Oder, auf Jazz-Verhältnisse umgelegt: Die Suche nach denjenigen Jungspunden, in denen die Flamme frisch lodert. Siehe etwa Avishai Cohen: In den 90er Jahren verblüffte der Bassist den Altstar Chick Corea, flugs spielte er auch schon in dessen Sextett Origin. Heute hat dieser Cohen selbst einen Namen – und einen Stil ausgeprägt, der sich hören lässt: Auf seinen Jazzalben durchstreift der Israeli die Klangwelt des Nahen Ostens, mal mit rauchiger Stimme, mal instrumental, bald im Eiltempo, bald auf lyrischen Zehenspitzen. Aber immer mit einem Feingefühl für Rhythmus und Farbe, fern von Allerweltsmusik. Mit Avishai Cohens „Seven Seas“-Sonderkonzert eröffnet „Jazz im Konzerthaus“ am 13. Oktober 2011 den Jazzreigen. Das erfolgreiche Jazz-Abonnement des Wiener Konzerthauses beinhaltet sechs der insgesamt 15 Konzerte im Rahmen von „Jazz im Konzerthaus 201/12“. Die Abonnenten genießen die Vorteile garantierter Stammplätze – auch in ausverkauften Konzerten – und mindestens 20 Prozent Ermäßigung gegenüber dem Einzelkartenkauf.

Chick Corea kommt gemeinsam mit Vibraphonist Gary Burton am 21. März 2012 – eine bewährte Konstellation, seit das Duo-Album „Crystal Silence“ 1973 Maßstäbe im kammermusikalischen Jazz gesetzt hat.

Feelgood-Kompositionen von Maria Schneider

Mit Finesse sind freilich auch andere Jazzer des Konzerthaus-Zyklus gesegnet. Etwa Bigband-Leiterin Maria Schneider, die am 24. Oktober 2011 das Jazz-Abo eröffnet. Womit das Orchester der US-Amerikanerin prunkt, das mag man zwar – mit Verlaub – Feelgood-Kompositionen nennen; an filigranen Texturen ist die Musik der 50-Jährigen dennoch reich. Landsmann Billy Childs und sein Jazz-Chamber Ensemble liebäugeln dezidiert mit der Klassik: Der einstige Kombattant von Freddie Hubbard lässt bei seinem Quartett-Termin (15. November) sogar eine Harfe zirpen – ist als Pianist aber auch für ein verschwitztes Solo gut. Kubanische Tonkunst und Jazz sind wiederum das Operationsgebiet von Chucho Valdés: Flankierte der Altstar zuletzt in Wien Omara Portuondo, wird er das Konzerthaus (18. April 2012) mit seinen Afro-Cuban Messengers beehren. Mutmaßliches Resultat: Rhythmische Schubkraft und beherzter Gesang, den Valdés’ Schwester Mayra Caridad beisteuert. Ein weiteres Sonderkonzert findet am 9. 12. 2011 mit Craig Taborn als „Racheengel am Klavier“ in der Reihe „Im Loth“ statt.

Miguel Zenón und das „Puerto Rican Songbook“

Für neue Perspektiven dürfte dagegen der Auftritt von Miguel Zenón (14. Mai) bürgen. Der 34-Jährige handhabt seine Blasinstrumente – vornehmlich das Saxofon – ebenso rapide wie geistvoll. Für den Wien-Termin stellt sein Quartett ein „Puerto Rican Songbook“ in Aussicht – eine lohnende Lektüre, wenn Zenón wie auf CD Momente der Mystik und Intensität erreicht. Wobei ja auch Jacky Terrasson für Intensives gut ist: Der 45-Jährige, der sich mit Fug und Recht zu den Frischluft-Lieferanten im Klavierjazz rechnen lässt, präsentiert sich dem Wiener Publikum diesmal solo (25. Jänner). Angesichts seines buntscheckigen Portfolios – Popadaptionen, Soulanklänge, Berserkerjazz – ist Langeweile aber kaum zu befürchten. Zumal Terrasson eines fühlen lässt: dass seine Musik im Moment entsteht. Da wärmt es, das Feuer.

Von Christoph Irrgeher


Bookmarken bei:

  • Hinzufügen zu Del.icio.us .
  • Hinzufügen zu digg .
  • Hinzufügen zu Facebook .
  • Hinzufügen zu Google Bookmarks .
  • Hinzufügen zu Technorati .
  • Hinzufügen zu Mister Wong .



k2 Podcast

Juni 2011 (1): JazzFest Wien

Partner

  • Kultur Niederösterreich
  • Raiffeisen
  • Wien Kultur