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Tönender Festivalherbst

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Tönender Festivalherbst

Baraná Quintett bei „Salam.Orient“
© Allard Willemze

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Tönender Festivalherbst

Frank London beim „Jiddischen Kulturherbst“ und beim „KlezMORE Festival Vienna 2010“.
© Jiddischer Kulturherbst/KlezMORE

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Musikhauptstadt. Ein interkultureller Festivalmix heizt den Musikfreunden in Wien im Herbst gehörig ein.

W ien, diese Vier-Jahreszeiten-Festivalstadt, ist auch im Herbst 2010 Veranstaltungsort für einige außergewöhnliche Musik- und interdisziplinäre Festivals. Einige davon leben die Buntheit an Sprachen, Konfessionen und nationalen Eigenheiten aus, leben von der hohen Toleranz für Komplexität und Vielfalt und sehen es als Selbstverständlichkeit an, dass Minderheiten und Randkulturen das Erscheinungsbild europäischer Wirklichkeit prägen (mehr zu diesem Thema kann man übrigens in dem sehr klugen und auch heiteren Buch „Bin ich Europäer?“ von Iso Camartin [C. H. Beck, 2006] nachlesen), andere wiederum lenken den Spot auf ein Land oder verbeugen sich vor einem Musikgenre. Wie auch immer, im herbstlichen Visier stehen die Festivals „Jiddischer Kulturherbst“, „KlezMORE Festival“, „Salam.Orient“, „Spot On: Deutschland“ und „Wien im Rosenstolz“.

Spot auf Deutschland …

Beginnen wir chronologisch. „Spot On: Deutschland“ (25. und 26. 9.) eröffnet mit seiner qualitativen Dichte nicht nur die Saison im Wiener Konzerthaus, sondern auch den Wiener Festivalherbst. Heuer ist also Deutschland das Thema, Gründe dafür gibt es einige, Stichwort „20 Jahre deutsche Einheit“ und der Fakt, dass Deutsche die größte Migrationsgruppe in Österreich darstellen. Nachgeforscht wird dabei um deren kulturelle Identitäten anhand einiger exquisiter Bands wie z. B. 17 Hippies (die zu dreizehnt auf der Bühne stehen). Zu hören wird auch der vielgepriesene Jazztrompeter und Komponist Matthias Schriefl mit dem bayerisch bodenständigen und urbanen Jazzsound der „Unterbiberger Hofmusik“ sein. Weiters mit dabei: der klassische Soprangesang von Christina Landshamer, der Emigrantski-Raggamuffin-Style der Band Rotfront, die Bamberger Symphoniker und die Hamburger Ratsmusik, das fantastische Jazzklavierduo Joachim Kühn & Michael Wollny bis hin zum Comedygespann Stermann & Grissemann.

… und auch aufs wienerische Idiom

Vom 5. bis 30. 10. erhält man quasi als Pendant dazu die Gelegenheit, dem wienerischen Idiom nachzugehen. „Wien im Rosenstolz“ im Wiener Konzert-Café Schmid Hansl feiert das Wienerlied und die Wiener Musik mit g’wachsenen G’schichten und geschrammeltem Übermut. Es wird g’spielt, g’sungen, dudelt, denn schließlich, das wissen wir Wiener ja eh, the Wiener takes it all. Live zu hören sind u. a. Karl Hodina & Roland Neuwirth, Walther Soyka und Karl Stirner, Die Strottern, Steinberg & Havlicek, Agnes Heginger & Klaus Wienerroither, 5/8erl in Ehr’n, Wiener Frauen Schrammeln, Wiener Art Schrammeln, wien.ton.schrammeln.

Salam …

Musik, Tanz und Poesie aus orientalischen Kulturen stehen hingegen vom 12. 10. bis 5. 11. auf dem Spielplan von „Salam.Orient“.

Festivalinitiator und -leiter Norbert Ehrlich über das Programm: „Viele der Künstler aus dem Orient, die wir heuer einladen, haben sich ihrerseits auf Fremdes eingelassen: Türken musizieren mit Österreichern, Deutschen, Holländern, der amerikanische Großmeister der Minimal Music, Terry Riley, spielt mit dem Tabla-Virtuosen Talvin Singh indische Ragas. Mit dem Sänger Cheikh Lô gastiert der Vertreter eines vielschichtigen senegalesischen Kulturraumes, in dem Sprachen wie Wolof, Bambara, Französisch und Spanisch gleichwertig verwendet werden. Insofern könnte man seine Musik als Vorgriff auf ein globalisiertes 21. Jahrhundert verstehen, in dem kulturelle Vermischungen und Kooperationen für ein völlig neues Lebensgefühl sorgen.“ Dezidiert angesprochen wird auch ein junges Publikum. „Der fliegende Teppich“ bringt orientalische, russisch-jüdische und Waldviertler Musik von und mit Marko Simsa, Marwan Abado, Aljoscha Biz und Peter Rosmanith für Menschen ab fünf Jahren zu Gehör. Das Yes Theatre/Hebron Refugee Camp spielt arabisches Jugendtheater (15+) zur Verarbeitung traumatischer Erfahrungen und zur Erlernung gewaltfreier Konfliktbearbeitung. Musikalische Höhepunkte des Festivals sind unbestritten die Auftritte von Terry Rileys Minimal-Ragas und Cheikh Lô mit seiner unwiderstehlichen Kombination aus west- und zentralafrikanischem Funk und kubanischer Rhythmik. Rhythmuswechsel.

… und Schalom

Was früher „Jiddische Kulturtage“ hieß, heißt ab sofort „Jiddischer Kulturherbst“ und versorgt Wien mit acht Veranstaltungen im Zeitraum vom 14. 10. bis 14. 11. Lieder, die einst berühmt waren, doch mit der Zeit untergegangen sind („Fargesene Lider“) werden dabei ebenso zu hören sein wie eine meschugge-humoristische Musikrevue über das Leben der Juden in Amerika (Theater-Mischpoche), jiddische Chansons (Lia Koenig), chassidische Lieder und Geschichten (OR Paul Chaim Eisenberg) sowie eine turbulente Mischung aus Klezmer, Balkan, Latin und Jazz (Roman Grinberg & Frank London). Letztgenannte sind wiederum das Bindeglied zum „7. KlezMORE Festival Vienna 2010“ (6. bis 21. 11.). Hier erleben wir also die Verbrüderung zweier Festivals, die tatsächlich einiges gemein haben, auch wenn die Ansätze kaum gegensätzlicher sein könnten. „KlezMORE“ widmet sich seit jeher den zeitgenössischen Ausformungen der Klezmer-Musik und bietet darüber hinaus ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Filmen, Lesungen, Führungen und Vorträgen, um einen Kontext zu schaffen. Die musikalischen Höhepunkte: die Premiere eines Klezmer-Programms von und mit Dobrek Bistro, der bereits erwähnte Klezmatics-Musikant Frank London mit Roman Grinberg sowie Oy Division aus Tel Aviv mit ihrer „Eastern European Jewish music that will make your grandma dance“.
Von Manfred Horak


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