Die Academia Allegro Vivo und Dirigent Bijan Khadem-Missagh.
© Dieter Schewig, AV
Das Kammermusikfestival Allegro Vivo lädt vom 13. August - 19. September 2010 zu einer Traumreise durch das Waldviertel. Mit 50 Konzerten an 30 Spielstätten und einem umfangreichen Kursprogramm schöpft Allegro Vivo seine Einzigartigkeit aus der Verbindung von Musikereignissen vor der Kulisse der architektonischen Kostbarkeiten der Region – den Burgen, Schlössern, Kirchen und Stiften – und der Landschaft des Waldviertels.
Allegro Vivo entführt 2010 unter dem Motto „Wie im Traum“ in die Welt der Nacht und das Reich der Fantasie. Jahrhundertelang war die Menschheit vom Traum, dessen Herkunft und Deutung fasziniert. In der Epoche der Romantik – als Antwort auf das Zeitalter der Aufklärung – wurden Maler, Dichter und Musiker von der Sehnsucht nach Gefühlen, dem Seelenleben, dem Unerklärlichen und Magischen geleitet und zu großen Werken inspiriert. Deutschland als Ausgangspunkt der Romantik und dessen Komponisten wie Robert Schumann, dessen 200. Geburtstag dieses Jahr gefeiert wird, Felix Mendelssohn-Bartholdy oder Johannes Brahms sind Bestandteil des Programms 2010.
Eröffnung 2010
Mit „Postdormitium“, einem Orchesterwerk des österreichischen Komponisten Helmut Schmidinger, werden die Sinne des Publikums für das Festival 2010 geweckt, bezeichnet der Titel doch die Übergangsphase vom Schlaf zum Wachzustand. Unter der Leitung von Bijan Khadem-Missagh führt das Orchester, die Academia Allegro Vivo, von rondoartig wiederkehrenden „Schlafphasen“ zu immer länger und lebhafter werdenden „Träumen“, bis die Musik in einem Zitat von Bachs „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ aus der Kantate Nr. 140 mündet.
Bach steht als Inbegriff für Musik, die Naturgesetze, Zeit und Raum aufheben kann und die Kraft hat, sich darin zu verlieren. Sein Doppelkonzert, vorgetragen von den Geschwistern Martha und Vahid Khadem-Missagh, wird dazu Gelegenheit geben. Wie weit die Tendenzen der Romantik reichen wird in Schönberg wohl bekanntestem Werk „Verklärte Nacht“ deutlich. Nach Richard Dehmels gleichnamigem Gedicht bildet das Mondlicht die Kulisse zwischenmenschlicher Not, ausgedrückt in Klangfarben die bereits in die Moderne weisen. (13. August, 19.30 Uhr, Gmünd; 14. August, 19.30 Uhr sowie 15. August, 16.00 Uhr, Stift Altenburg).
Programm 2010
Das Festkonzert „Liebestraum“ (17. August, 19.00 Uhr, Vereinshaus Horn) widmet sich im ersten Teil der Liebe von Clara und Robert Schumann, die in Erzählungen, Briefen und in der Musik Ausdruck fanden. Im darauf folgenden Stück des französischen Komponisten Albert Roussel, „Joueurs de flûte“, charakterisiert jeder Satz einen legendären Flötisten. Das selten gespielte Kammermusikwerk, Carl Maria von Webers Trio für Klavier, Flöte und Violoncello op. 63, schließt dieses Konzert der Artists in Residence. (Elisabeth Eschwé, Klavier, Arkadij Winokurow, Violine, Barbara Gisler-Haase, Flöte, Sara Bryans, Klavier, Vincent Stadlmair, Violoncello).
„Ganz Horn erklingt“ openair von 20.-22. August im Arkadenhof des Kunsthauses. Eröffnet werden diese drei Tage mit einem außergewöhnlichen Programmpunkt des Ausnahmegeigers Benjamin Schmid und seinem „Classic Impro“. Mit traumhafter Leichtigkeit findet er den Weg von Bach über die Kunst der Improvisation hin zu Fritz Kreisler und dem Jazzer Stéphane Grappelli. In spontanen musikalischen Dialog begibt er sich mit den Musikern Stian Carstensen (Akkordeon), Diknu Schneeberger (Gitarre) und Georg Breinschmid (Bass). (Arkadenhof Kunsthaus Horn, 20. August, 20 Uhr).
„Ein Sommernachtsraum“
Tags darauf wird der Spielort mit Felix Mendelssohn-Bartholdys „Ein Sommernachtsraum“ zum Schauplatz von Feen, Naturgeistern und Zauberei. Durch Liebeswirren und Ehestreitigkeiten führt Anne Bennent als Erzählerin, auf der Bühne stehen Staatsopern-Ensemblemitglieder Daniela Fally und Michaela Selinger sowie die Philharmonie mit dem Kantilena Chor Brünn unter der Leitung von Bijan Khadem-Missagh (Galakonzert, Arkadenhof Kunsthaus Horn, 21. August, 20 Uhr). Mindestens ebenso bunt, lebendig und aufregend gestaltet sich das Konzert „Traumtänzer“ des Allegro Moldo Kinder- und Jugendorchesters, gefolgt von einem Programm der Artists in Residence speziell für Jung und Alt. (22. August, 16 Uhr).
Ein kammermusikalischer Höhepunkt ist das Konzert „Auserlesenes“ unter dem Titel „Träumerei“ mit den Artists in Residence Barbara Moser und Hana Forsterová, Klavier, Kurt Franz Schmid, Klarinette, Martha Khadem-Missagh und Arkadij Winokurow, Violine, Ilse Wincor, Viola sowie Vincent Stadlmair, Violoncello. Auf dem Programm stehen Robert Schumanns „Märchenerzählungen op. 132“, die „Hommage à Robert Schumann“ von György Kurtág und nochmals Robert Schumann mit seinem „Klavierquintett Es-Dur op. 44.“ (Stiftsbibliothek Altenburg, 25. August, 19.30 Uhr).
„MusikGenuss im Freundeskreis“
Musik und Gaumenfreuden, Konzerterlebnis und persönlicher Austausch liegen beim „MusikGenuss im Freundeskreis“ nahe beisammen. Die Artists in Residence Wolfgang Bankl, Bass, Michaela Reingruber, Saxophon, János Bálint, Flöte, Alexander Swete, Gitarre und Roland Batik, Klavier stehen als Künstler auf der Bühne und werden im Gespräch Teil des Publikums. (Horn, Kunsthaus, 31. August, 19.00 Uhr).
Kammermusikalische Gäste bei Allegro Vivo 2010 sind unter anderem das Ensemble Prisma unter der Leitung von Thomas Fheodoroff. Spannend verspricht die Darbietung von Schuberts „Impromptus“ in einem Arrangement für Streichquintett zu werden. Ein würdiger Schlusspunkt wird mit Felix Mendelssohn-Bartholdys Streichquintett Nr. 2 in B-Dur op. 87 gesetzt. (Schloss Rosenburg, 3. September, 19.00 Uhr). Das Ventus Bläserquintett ist zu Gast in Gars/ Thunau (Gertrudskirche, 10. September, 19.00 Uhr) und das Hyperion Ensemble Salzburg auf Burg Rappottenstein (11. September, 18.00 Uhr). Das junge Minetti Quartett schließlich hat seinen Auftritt auf Schloss Ottenstein (12. September, 11.00 Uhr).
„Traumpfade“
Überraschungen und Humor bieten Konzerterlebnisse abseits gewohnter Hörpfade. Das Wiener Duo „Die Strottern“ – Klemens Lendl (Violine) und David Müller (Gitarre), – erst kürzlich zu den Siegern der Amadeus Austrian Music Awards gekürt, verpassen dem Wiener Lied in ihrem Programm ein neues musikalisches Gesicht. Die pointiert-komischen Texte stecken, vorgetragen mit kabarettistischem Talent, voller überraschender Wendungen. (Schönberg/Kamp, Alte Schmiede, 19. August, 19.30 Uhr).
„Einheit in der Vielfalt“ (18. August, 19.30 Uhr, Horn, Stephanskirche) mit dem Wiener Kammerchor unter der Leitung von Michael Grohotolsky und das Konzert „Traumpfade“ auf Burg Raabs (29. August, 16.00 Uhr) mit Martin Schwab (Rezitation) und dem Merlin Ensemble Wien vereinen Wort und Musik.
Die abschließende Konzertserie wird mit Jacques Offenbach und seiner Ouvertüre zu „Die Reise auf den Mond“ eröffnet. Im Zentrum steht das Cellokonzert in a-Moll von Robert Schumann, das klar dem Virtuosen den Vortritt gibt, dessen Part Georgy Goryunov einnimmt. Zu Ende geht das Festival 2010 mit einem der bekanntesten Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, seiner (großen) Symphonie in g-Moll. Es spielt das Tonkünstler-Orchester unter Bijan Khadem-Missagh (16. September, 19.00 Uhr, Waidhofen/Thaya; 17. September, 19.00 Uhr, Stift Göttweig, 18. September, 18.00 Uhr, Schloss Weitra und 19. September, 16.00 Uhr, Stift Altenburg).
Meister-, Jugend- und Kinderkurse
Rund 300 junge Musiker erhalten jährlich Impulse für ihre musikalische Weiterentwicklung bei den rund 45 Meister-, Jugend- und Kinderkursen der Allegro Vivo Sommerakademie. Studenten und Schüler sowie deren namhafte internationale Dozenten genießen und schätzen die Besonderheiten des Festivals – die natürlich gewachsene Einbettung in das Waldviertel, dessen wunderschöne Natur und unglaublichen architektonischen Reichtum. Tagsüber während des Kursbetriebs liegt die ganze Konzentration auf dem Lehren und Lernen, Perfektionieren und der musikalischen Weiterentwicklung. Abends bereichern die Studenten der Sommerakademie mit ihren musikalischen Beiträgen das Allegro Vivo Konzertprogramm. Höhepunkte für Studierende, Dozenten und Zuhörer sind die Preisträgerkonzerte in der Stiftsbibliothek Altenburg (28. August, 19.30 Uhr und 5. September, 16.00 Uhr).
Von Werner Schuster









