Vorfeier. In Liszts Geburtsort Raiding beginnt eine neue Ära.
1811 ahnte der kleine ungarische Marktflecken Raiding, der heute im Mittelburgenland liegt, noch nicht, welch eine Lichtgestalt dort im Oktober jenes Jahres im Hause des Verwaltungsbeamten Adam Liszt zur Welt kam. Klein Ferenc, wie Franz wegen der ungarischen Verwaltungshoheit sich nennen musste, wurde einer der größten Musikstars des 19. Jahrhunderts.
Seine Wirkung, seine Magie war nur der Niccolo Paganinis vergleichbar, und den nannte man einen Teufelsgeiger. Dazu war Liszt nicht nur ein genialer Virtuose; er war auch ein Komponist von Rang. So kommt es, dass Raiding heute nicht nur als Erinnerungsort fungieren darf. Raiding, eines jener charmanten burgenländischen Weindörfer mit seinen flach sich duckenden schmucken Häusern, darf auch Aufführungsort sein, Festivalgemeinde. Für subtile Kammermusik und prachtvoll auftrumpfende Orchestermusik. Dem Liszt Ferenc sei Dank.
Liszt-Genuss
Man weiß in Raiding das Erbe zu würdigen. 2006 erhielt der Ort einen Konzertsaal. Ein elegantes, helles, modernes Gebäude mit weißen Flächen, viel Glas und Holz, das 570 Besuchern Platz bietet. Mit dem Platz war auch das Festival etabliert. „Liszten in Raiding“ hieß 2006 die erste Ausgabe des ganz Franz Liszt gewidmeten Kulturfestivals.
Heuer, 2010, erfährt es seine fünfte Neuauflage und bietet eine Neuerung: Liszt-Genuss zu allen Jahreszeiten. Das Angebot wird in vier Abschnitten auf das Jahr aufgeteilt, jeder Abschnitt trägt ein eigenes Motto: 29.–31. Januar: „Liszt & Schubert“, 19.–21. März: „Die Jahreszeiten“, 23.–27. Juni: „Große Romantik“, 21.–24. Oktober: „Göttliche Komödie“. Das Museum im Geburtshaus des Meisters steht Besuchern von Palmsonntag bis zum 31. Oktober offen. Dazu hat es auch während der Zeit der Festivalveranstaltungen geöffnet.
Mit 2010 begann auch ein Großprojekt beim Liszt-Festival in Raiding: sämtliche Orchesterwerke Liszts auf den Instrumenten und in den Orchesterbesetzungen seiner Zeit. Martin Haselböck und seine Wiener Akademie haben sich dieser Aufgabe verschrieben, die sie in Raiding bis ins Jahr 2012 beschäftigt halten wird.
Liszt, der Kammermusiker
Der nächste Termin ist der Frühlingstermin; der liegt am Wochenende 19.–21. März. Hier geht es um Liszt, den Kammermusiker. Natürlich um den großen Klaviervirtuosen, der Flügel gleichermaßen zum Säuseln wie zum Einsturz brachte: Am 19. März spielt das Klavierduo Kutrowatz (die Brüder sind auch die Intendanten des Festivals) zusammen mit dem Schlagzeuger Anton Mühlhofer Musik von Liszt und Astor Piazzolla. An frühere „Teufelsvirtuosen“ mit Musik von Tartini, Vivaldi und Paganini erinnert das Konzert mit der russischen Geigerin Elena Denisova und dem Gustav Mahler Ensemble am 20. März, und am 21. März spielt der ungarische Pianist Dezső Ránki unter dem Motto „Romance“ eine Matinee mit Klaviermusik von Liszt, Bartók und Debussy. Der sommerliche Abschnitt des Festivals folgt dann vom 23. bis 27. Juni.
Von Laszlo Molnar








