Allstars: Das Programm der Wiener Festwochen und das Frühlingsfestival lassen Wien als Musikhauptstadt erstrahlen.
Die Frage, wer denn nicht kommt, ist weitaus leichter zu beantworten, als die gegenteilige Frage, wer denn von den international relevanten Klassikkalibern den Musikverein und das Wiener Konzerthaus beehrt. Dies trifft auf die gesamte Wiener Konzertsaison zu. Insbesondere aber trifft dies zu, wenn das Konzertleben der Donaustadt auch noch zu üppigen Festivals ansetzt. Dann fällt die Wahl schwer, dann wird es schön opulent und fast unübersichtlich. Dann ist es fast egal, an welchem Abend man wohin geht. Qualität ist überall. Und auch die Qual der Wahl. Das Konzertprogramm der Wiener Festwochen also im Musikverein und das Frühlingsfestival des Wiener Konzerthauses.
Happy Birthday, Gulda!
Letzteres bietet 75 Veranstaltungen (vom 20. 3. bis 16. 5.) an, darunter auch schöne Schwerpunkte: Das St. Petersburger Orchester des Mariinski-Theaters wird mit dem quirligen Leiter und Dirigenten Valery Gergiev acht der 15 Schostakowitsch-Symphonien spielen, vollendet wird der Zyklus dann nächstes Jahr. Damit sich ein rundes Bild ergibt, werden auch Kammermusik und das Liedschaffen Schostakowitschs vorgestellt – unter anderem vom Merlin Ensemble und dem Hagen Quartett sowie von Mezzosopranistin Ekaterina Semenchuk. Der andere Schwerpunkt? Widmet sich Pianist Friedrich Gulda, der am 16. Mai 80 Jahre alt geworden wäre. Im gesamten Konzerthaus wird an einem Abend des stilistisch vielseitigen Exzentrikers gedacht, was schön ist, Gulda mochte ja die klassischen Konzertrituale so gar nicht. Es gibt also eine begehbare Klangskulptur im Berio-Saal, Gulda-Lieder und eine Lesung mit Otto Schenk im Schubert-Saal, Guldas „Sieben Galgenlieder“ singen Willi Resetarits und Agnes Heginger. Und Guldas Sohn Paul hört man mit dem „Concertino for Players and Singers“ im Großen Saal. Drumherum auch Beachtliches: nämlich Mahlers Achte Symphonie mit dem Radio-Symphonieorchester (und Sängern wie Johan Botha, Boaz Daniel und Ricarda Merbeth), Beethovens Neunte Symphonie mit Dirigent Christian Thielemann und den Wiener Philharmonikern (die hiermit ihr üppiges DVD-Projekt aller Symphonien Beethovens vorantreiben). Begehrte Konzerte geben auch Arcardi Volodos und Schlagzeug-Star Martin Grubinger.
Musikfest der Festwochen
Auch die Wiener Festwochen kommen natürlich nicht ohne Wiener Philharmoniker aus: Unter Dirigent Daniele Gatti eröffnen sie das Musikfestival der Festwochen (9. 5.), und sie beenden es unter Riccardo Muti (am 20. 6.). Dazwischen gibt es zarte 60 Veranstaltungen und auch eine Uraufführung: Komponist Friedrich Cerha wollte nicht bis 2012 vorplanen, daher bringt das Radio-Symphonieorchester Wien seine Kammermusik für Orchester eben jetzt schon als Neuheit zur Welt. Für das RSO-Wien heißt es auch Abschied nehmen: Es spielt zum Finale der Ära Bertrand de Billy Honeggers „Jeanne d’Arc au Bûcher“. Auch im Musikverein wie im Konzerthaus sonst eine Fülle an tollen Namen: Pianist Maurizio Pollini kommt, auch die deutsche Geigerin Anne-Sophie Mutter, Rudolf Buchbinder spielt und auch die französische Tastenkollegin Hélène Grimaud. Und nicht weniger prominent die Sängernamen, also: Thomas Quasthoff, Michael Schade, Simon Keenlyside und die lustige Patricia Petibon. Aber auch die Orchester müssen Erwähnung finden: Es kommen das Pittsburgh Symphony Orchestra, die Staatskapelle Dresden und die Münchner Philharmoniker unter dem scheidenden Christian Thielemann. In Summe also eine tolle Sache.









