Der preisgekrönte Film nimmt uns mit auf eine humorvolle Reise in die geheimnisvolle Welt der weltberühmten Pianisten Lang Lang, Alfred Brendel und Rudolf Buchbinder. Ein nicht nur klangliches Vergnügen.
Entspannen – Augen zu – genießen. Aber was steht denn eigentlich hinter einer preisgekrönten Musikaufnahme oder einem gelungenen Konzert? Pianomania leuchtet in die dunklen Ecken, hinter das Rampenlicht, und findet einen blonden Klaviertechniker.
Erstaunt kann man beobachten welche entscheidende Rolle Stefan Knüpfer spielt. Lang Lang, Alfred Brendel, Pierre-Laurent Aimard, die Stars schwören auf ihn, denn er ist genauso besessen wie sie von der Idee des perfekten Klanges, von der Liebe zur Vollkommenheit. Und von diesen seltenen göttlichen Momenten, wo man ihr ganz nah ist.
Die Kunst der Fuge
Im Zentrum des Films steht die gemeinsame Arbeit von Pierre-Laurent Aimard und Stefan Knüpfer. „Die Kunst der Fuge“ von Bach soll aufgenommen werden. Pierre-Laurent Aimard hat sich für den Konzertflügel Nr. 109 für die Bach- Aufnahmen entschieden. Ein Jahr vor den Aufnahmen beginnt der Film und für die beiden eine lange Odyssee der Klänge.
88 Tasten, 230 Saiten auf einem gusseisernen Rahmen, 480 Kilogramm Gewicht für die Schwingungen des empfindlichen Resonanzbodens. Stefan Knüpfer will das Beste aus ihnen herausholen. Aber was ist dieses ominöse Beste? Jedes Klavier hat eine eigene Persönlichkeit. Jedes Stück verlangt nach spezifischen Klangfarben. Jeder Interpret hat ein besonderes Temperament und eine Vision.
Ausgerechnet der 109er Flügel
Für Aimard wird Knüpfer Instrumente aus der Bach-Zeit studieren. Er experimentiert mit Schalldämpfern aus Filz und mit gläsernen Klangspiegeln. Aber nach ein paar Monaten wird ausgerechnet der 109er Flügel nach Australien verkauft und das ist nicht das letzte Hindernis, das sich den beiden in den Weg stellt. Knüpfer und Aimard treffen sich regelmäßig und wenn die Spannung zum Zerreißen ist, rettet Knüpfer mit seinem frischen Humor die Lage. Der Weg bis zu dem ersehnten „Bravo“ des Pianisten ist lang.
Stefan Knüpfer ist ein Magier der Kommunikation. Aber er ist auch ein Techniker, der schraubt, spannt und feilt. Er arbeitet mit allen Sinnen und produziert Klaviere, die Künstler beflügeln. Pianomania beobachtet Knüpfers spannende Arbeit am perfekten Klang, vom tiefsten Inneren des Instrumentes bis nach Außen, in den vollen Konzertsaal.
Die Bank hält
Eines Nachmittags erscheint ein halb verschlafener Künstler in Jeans und bunten Turnschuhen. Es ist der chinesische Starpianist Lang Lang, der ein Gastspiel im Wiener Konzerthaus gibt. Noch geplagt von seinem Jet Lag muss er ein Instrument auswählen und anspielen. Sein dicht gepackter Tourneekalender lässt wenig Zeit für individuelle Einstellungen. Dafür verlangt er beinahe schüchtern nach einer schwereren Bank, die seiner extrovertierten Spielweise standhält ohne zu rutschen. Seinen Auftritt im Großen Saal absolviert der Piano-Superstar im dunklen Anzug mit wilder Frisur. Die Bank hält, er erntet Beifallsstürme.
Die Sketche des Komikerpaars Igudesman und Joo karikieren immer wieder die elitäre Musikwelt. Gemeinsam mit Knüpfer lassen sie sich die verrücktesten Szenarien für die nächste Show einfallen. Doch dann ist die Atmosphäre wieder so konzentriert, dass man die leiseste Luftschwingung hören würde. Das Luftholen bleibt ein flüchtiger Moment.
Bis zu 90 Tonspuren
Der Film ist rein beobachtend gedreht. Und das komplexe Thema kommt leicht wie auf Engelsflügeln daher. Doch analog zum Ringen der Protagonisten um den perfekten Klang wurde bei den Tonaufnahmen größtmöglicher Aufwand betrieben. Sämtliche Szenen wurden in Dolby surround Qualität und in bis zu 90 Tonspuren aufgezeichnet. Pianomania ist ein veritabler „Ear Opener“, ein akustisches Juwel und nicht zuletzt ein wertvolles Zeitdokument. Lang Lang wird jedes Jahr älter, Brendel tritt nicht mehr öffentlich auf, und Pierre-Laurent Aimard, der einer eingeschworenen Gemeinde bekannt war, ist mittlerweile zum Säulenheiligen der Musik des 20. Jahrhunderts avanciert. Lilian Francks und Robert Cibis’ Pianomania wird man sich auch in 20 Jahren noch mit Genuss ansehen und anhören können.
Von Werner Schuster









