Digitalfilm. Filmmuseum, Filmarchiv und die Filmgalerie in Krems widmen sich gemeinsam dem ambitionierten Projekt einer umfassenden digitalen Restaurierung historischen Filmmaterials.
Oscar(-Nominierungen), Goldene Palme, Silberner Bär. Auf dem Parkett der international renommiertesten Filmauszeichnungen bewegt sich Österreich in den letzten Jahren äußerst erfolgreich. Öffentlich weniger bekannt, jedoch in der internationalen Fachwelt umso mehr geschätzt und erfolgreich, gehört Österreich mit dem Filmmuseum und dem Filmarchiv Austria zu den wichtigsten Adressen weltweit, wenn es um Fragen der Filmarchivierung und -restaurierung geht.
Um die Wahrung des Filmerbes auch für die Zukunft zu sichern, wurde ein Pionierprojekt ins Leben gerufen, das es ermöglicht die Filmrestaurierung umfangreicher und besser mittels digitaler Technik durchzuführen. Neben den beiden bereits erwähnten Instituten übernimmt die Österreichische Filmgalerie Krems einen wichtigen Teil dieser neuen Aufgaben.
Praktischer Ablauf
Beschädigtes Filmmaterial beispielsweise aus den Beständen des Österreichischen Filmmuseums wird mit Hilfe eines hochauflösenden Scanners Bild für Bild eingelesen. Dieser Abtastvorgang findet in Laxenburg im Zentralfilmarchiv statt. Die digitalen Filmdaten werden anschließend nach Krems zur Filmgalerie gebracht, wo die eigentliche Arbeit, die Restaurierung des Filmmaterials, stattfindet. Je nach Projekt und Aufgabenstellung wird das Material zunächst als Ganzes behandelt. So werden zersetzungsbedingte Helligkeitsunterschiede oder leichte Schrammen in einem ersten automatisierten Arbeitsschritt herausgefiltert. Um möglichst effiziente Ergebnisse zu erzielen, können die Erkennungsmodi dieser automatisierten Abläufe variiert werden.
Danach erfolgt der wesentlich zeitintensivere Abschnitt. Fehlen einzelne Bilder, so werden diese durch Interpolation, also durch Errechnen fehlender Information aus benachbarten Bildern, ersetzt. Weiters werden einzelne Kratzer in Einzelbildschritten entfernt. Diese Aufgaben werden mit Hilfe von halbautomatisierten Prozessen durchgeführt, die eine Kontrolle und eventuelle Nachbearbeitung einzelner Bilder notwendig machen. Für die digitale Restaurierungsarbeit werden unterschiedliche Tools der weltweit renommierten österreichischen Firma HS-Art eingesetzt, z. B. Diamant oder MIR-Retouch. Nach Beendigung der digitalen Bearbeitungsschritte wird der digitale restaurierte Film, Digital Intermediate genannt, wieder zurück auf 35-mm-Film belichtet, um für die Langzeitarchivierung im Filmarchiv Austria die höchste Sicherheit zu gewährleisten.
Die Österreichische Filmgalerie bemüht sich nicht nur um die Rettung des Filmerbes, sondern bietet mit dem Kino im Kesselhaus ein einzigartiges Kinoerlebnis in Krems und Umgebung. Nach der Sommerpause startet das Herbstprogramm am 3. September mit einer „cinezone“ (Film und Musik). Filmhighlights im September/Oktober sind u. a. „Coco Chanel“, „Che“ (Teil 1 und 2), „Inglorious Basterds“, „Il Divo“. Weiters gibt es ein wöchentliches Filmfrühstück und ab Herbst ist die Filmvermittlung wieder ein wichtiges Thema, wo Schüler und Besucher für das Thema Film sensibilisiert werden.
Carlo Hoffmann









