© Bibliothek der Provinz, Wien 2011
Ein neues Buch beschreibt das Belvedere und seine Genese.
1776 ist ein Schlüsseljahr der beginnenden Moderne. Die Unabhängigkeitserklärung der USA markiert ein herausragendes Zeugnis der Demokratiegeschichte und Wien bewegt sich am Höhepunkt der Aufklärung im Eilschritt auf das neue Museumszeitalter zu.
Florenz macht den Anfang, nachdem der großartige Museumsbesitz der Medici 1737 ins Eigentum des Staates Toskana übergegangen ist. Nach dem Museo Vaticano in Rom sind wir nun wieder zurück im Jahr 1776, das Wien in die Riege der Museumszentren Europas aufsteigen lässt. Im Juli trifft Albert von Sachsen-Teschen in Venedig Giacomo Conte Durazzo und nimmt als Gründungsakt der Albertina rund 1.000 druckgrafische Blätter entgegen. Gleichzeitig beschließen Maria Theresia und ihr Sohn Joseph II., die Präsentation der kaiserlichen Gemäldegalerie von der Stallburg in das Belvedere zu verlagern. Die Ordnung der Gemälde nach Malerschulen ist dabei ein wichtiger Schritt in das Zeitalter der Moderne. Ebenso bedeutsam ist die Einführung von regulären Öffnungszeiten. War in der Stallburg – Berichten zufolge – beim Aufseher ein ordentliches Trinkgeld zu entrichten und bildete in der frühen Albertina die Gnade der Geburt nur dem Hochwohlgeborenen Eintritt, so war das Belvedere an drei Tagen die Woche barrierefrei zu besuchen. Die Aufklärung hat mit dem Gratiseintritt etwas geschafft, das unser republikanisches Österreich nie mehr realisieren konnte (oder wollte). Das Jahr 1891 bildet dann den markantesten Einschnitt. Das neue Haus am Ring wird Heimstätte der kaiserlichen Gemäldesammlungen und das Belvedere wird zum Privatdomizil des Thronfolger. Diese Episode markiert den Endpunkt einer Chronologie, die im neu erschienenen Buch „Das Belvedere. Genese eines Museums“ in erhellender Weise erzählt wird. Gerne hätten wir allerdings auch einen neuen Blick auf die republikanische Geschichte des Belvedere geworfen. Seit 2007 bietet die „Moderne Galerie“ ebenso wie das „Barockmuseum“ Raum für Wechselausstellungen. Das 21. Jahrhundert lässt damit – durch traditionelle Direktionen verzögert – auch im Belvedere dem Museumszeitalter das Ausstellungszeitalter folgen.
Das Belvedere. Genese eines Museums, herausgegeben von Agnes Husslein und Katharina Schoeller, Bibliothek der Provinz, Wien 2011, ISBN 978-3-99028-010-2
Christian Bauer








