Neujahr. Das Kulturjahr 2011 bringt Liszt-, Mahler- und Schiele-Schwerpunkte sowie einige Jubiläen und zahlreiche Musik-, Bühnen- und Ausstellungshighlights.
L iszt, Mahler und Schiele sind die drei großen Namen für das Kulturjahr 2011. Ersterer wird mit einem Festival im Burgenland samt Konzerten und Ausstellungen geehrt, der Zweite steht im Mittelpunkt von zahlreichen Konzerten, mit Werken des Dritten wird eine Großausstellung im Belvedere ausgerichtet, die Jubiläumsausstellung des Leopold Museums zum zehnjährigen Bestehen setzt – mit zahlreichen Schieles – einen Schwerpunkt auf wenig Bekanntes der Sammlung „Leopold 2“, und das Schiele Museum in Tulln eröffnet runderneuert mit dem Frühwerk des Ausnahmekünstlers.
Liszt als Superstar
Zum 200. Geburtstag von Liszt huldigt die Musikwelt dem Pianisten, Dirigenten und Komponisten mit Klavier-, Orchester- und Liedzyklen sowie Gedenkkonzerten. Unter den Künstlern sind Daniel Barenboim, Elisabeth Leonskaja, Adrian Eröd und Ildiko Raimondi. Es wird auch das Projekt fortgesetzt, bei dem die Wiener Akademie alle Orchesterwerke Liszts in Raiding zur Aufführung bringt.
Zudem widmen sich das Landesmuseum Burgenland (Liszts Konzertreisen), das Diözesanmuseum (Liszts Religiosität), das MUBA Neutal (Liszt als Freimaurer) oder das Haydn-Haus (Liszt als Hofkapellmeister) sowie Ausstellungen an einigen Originalschauplätzen – darunter das Liszt-Haus Raiding, das Geburtshaus und die Pfarrkirche Unterfrauenhaid – mit unterschiedlichen thematischen Ansätzen dem genialen Musikus.
Schiele als Superstar
Der zweite Schwerpunkt gilt Egon Schiele, ganz ohne Jubiläum dieses Künstlers, jedoch im Fall des Leopold Museums anlässlich des zehnten Jahres des Bestehens. Dort werden bisher nie gezeigte Werke aus der Sammlung „Leopold 2“ (22. 9. 2011–9. 1. 2012) gezeigt, die einige Schiele-Werke beinhaltet. Auf Porträts und Selbstporträts konzentriert sich wiederum die Großausstellung des Belvedere, die von Jane Kallir kuratiert wird (17. 2.–13. 6.). Sie setzt sich mit der Frage auseinander, wie Schiele seelische Vorgänge in seinen Porträts abbildete und welche Rolle diese für sein Leben spielten. Auch das Egon Schiele Museum in Tulln wird nach dem Umbau wiedereröffnet und präsentiert das Werden des Genies anhand von Werkgruppen der Kindheit und Jugend (9. 4.–1. 11.).
Ein echter Jahresregent ist Gustav Mahler, dessen 100. Todestag im Mai zelebriert wird. Ihm zu Ehren gibt es zahlreiche Konzerte, das Wiener Konzerthaus übernimmt dabei die Mammutaufgabe, sämtliche Symphonien Mahlers (bis auf die aufwendige Achte, die im Frühjahr gespielt wurde) zur Aufführung zu bringen, unter anderen mit dem San Francisco Symphony Orchestra, den Bamberger Symphonikern und den Wiener Philharmonikern. Der Musikverein beleuchtet dafür Mahlers Lieder: Thomas Hampson singt beispielsweise mit den Wiener Philharmonikern und Mariss Jansons die „Lieder eines fahrenden Gesellen“. Auch die Staatsoper bringt Mahler – und zwar die IX. mit den Wiener Philharmonikern und Daniele Gatti (18. 5.).
Unter den Staatsopern-Höhepunkten des Frühjahrs wird „Anna Bolena“ (2. 4.) sein. Anna Netrebko, Elina Garanča und Ildebrando D’Arcangelo sind für die Erstaufführung dieses Werkes von Donizetti im Haus am Ring vorgesehen. Für das Staatsopernballett ist der Saisonhöhepunkt eine Nurejew-Gala
(28. 6.), in der der neue Chef Manuel Legris, ein Schüler Nurejews, möglicherweise selbst tanzen wird.
Selbst etwas in die Hand nehmen heißt es auch für Volksopern-Direktor Robert Meyer bei „Der Mantel/Gianni Schicchi“, seiner ersten Operninszenierung, die er im März herausbringt. Der bewährte Opernregisseur Marco Arturo Marelli wird wiederum seine erste Operettenregie übernehmen, für „Die Lustige Witwe“ in der Volksoper. Ein Opernhöhepunkt im Festspielhaus St. Pölten ist „Orfeo ed Euridice“ mit den Tonkünstlern. Das Slowakische Nationaltheater bringt den „Rosenkavalier“ mit Maida Hundeling.
Im Theater an der Wien findet ein Höhepunkt der kommenden Wiener Festwochen (13. 5.–19. 6.) statt: Luc Bondy inszeniert „Rigoletto“ (29. 5.), sein Dirigent ist Omer Meir Wellber.
Örtlich nahe, vom Genre her weit weg: Das „Popfest“, das 2010 erstmals stattfand, geht vom 5. bis 8. 5. auf dem Karlsplatz in die zweite Runde. Das Donauinselfest 2011 steigt vom 24. bis 26. 6. Wiener Konzerthöhepunkte sind auch der Auftritt von Maroon 5 am 7. 3. im Gasometer und jener von James Blunt am 16. 3. in der Stadthalle.
In Sachen Jazz macht Brünn den Anfang. Das dortige „Jazzfest“ findet vom 13. bis 19. 4. statt. Wien wird ab 27. 6. wieder zur Jazzstadt, als Gast ist Daniel Lanois fix, Verhandlungen laufen mit Burt Bacharach und Tony Bennett. „Jazzky Krumlov“ folgt im September (7.–10. 9.). Rockfreunde könnte es im April ebenfalls nach Tschechien ziehen, Pink Floyds „The Wall“ ist am 15. und 16. 4. in Prag zu hören.
Im Schauspielbereich werden „Lulu“ unter der Regie von Jan Bosse am Burgtheater, Bernhards „Einfach kompliziert“ am Akademietheater in einer Inszenierung von Claus Peymann und „Zwischenfälle“ in der Regie von Andrea Breth auf besonderes Interesse stoßen. Das Theater in der Josefstadt startet das Jahr 2011 mit einer Premiere von Peter Turrinis „Campiello“, auf eigenen Wunsch und mit sich selbst in der Hauptrolle des Salieri bringt Herbert Föttinger zudem „Amadeus“ von Peter Shaffer. Aus dem Volkstheater-Programm macht vor allem die österreichische Erstaufführung von „33 Variationen“ von Moisés Kaufman neugierig.
Sommerfreuden
Weiter vorausblickend in den Sommer erwartet Musikfreunde die Premiere von „Der Zigeunerbaron“ (14. 7.–28. 8.) in Mörbisch. Nachbar St. Margarethen bringt heuer auf der Hauptbühne die gemeindeeigenen Passionsspiele, auf der kleineren Südbühne „Don Giovanni“.
Das „ImPulsTanz“-Festival, das Wien vom 14. 7. bis 14. 8. zur Tanzstadt macht, bringt 2011 als Höhepunkte La la la Human Steps, Marie Chouinard und eine neue Produktion von Rosas. Der Musiksommer Grafenegg wird am 17. 6. mit Genia Kühmeier, Sol Gabetta, Sabine Meyer und den Tonkünstlern unter Michael Boder eröffnet. Während des Musikfestivals im August und September sind Michael Schade und Adrian Eröd mit einem Berlioz-Programm sowie Anne-Sophie Mutter mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra und das Königliche Concertgebouworchester Amsterdam zu Gast.
Wer Musik in ganz Centrope hören möchte, könnte auch zum Krumauer Kammermusikfestival (24. 6.–3. 7.), den „Internationalen Haydntagen“ (8.–18. 9.), die heuer unter dem Motto „Haydn und die Neue Welt“ stehen und unter anderen das Orchestra of the Age of Enlightenment, Sol Gabetta und auch die „Philharmonics“ bringen, dem „Festival der alten Musik“, ebenfalls in Český Krumlov (22. 7.–28. 8.), oder dem dortigen Internationalen Musikfestival anreisen.
Im Bereich der bildenden Kunst gilt das besondere Interesse der Kulturaffinen Österreichs der ersten Ausstellung der neuen MUMOK-Direktorin Karola Kraus, die diese für Herbst angekündigt hat. Wien bekommt zudem ein neues Museum: Eine Dependance von Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett wird im April im Prater Park eröffnen, mit Figuren von Christina Stürmer, Falco, Arnold Schwarzenegger und Sigmund Freud erhalten namhafte Österreicher Wachszwillinge. Was sich in der zeitgenössischen Kunst abspielt, zeigt die „Vienna Fair“ vom 12. bis 15. Mai.
Die Wiener Kunsthalle wiederum hat sich Salvadore Dalí als Jahreshöhepunkt ausgesucht. Große Namen bringt auch die Albertina: Roy Lichtenstein, Mel Ramos, Max Weiler, René Magritte und, quasi als Kontrastprogramm, eine groß angelegte Schau zu Maximilian I. (ab 16. 9.). Im Theatermuseum steht Heinrich von Kleist im Zentrum einer Ausstellung. Das Naturhistorische Museum baut den Sauriersaal um und eröffnet ihn im September neu.
Römer in Carnuntum
„Erobern – entdecken – erleben“ – unter diesem Motto steht die Niederösterreichische Landesausstellung 2011, die im Römerland Carnuntum stattfinden wird. Besucher können sich im Archäologischen Park Carnuntum, im Museum Carnuntinum in Bad Deutsch-Altenburg sowie in der Kulturfabrik Hainburg auf die Spuren der Römer begeben. Hainburg bietet hierbei die Geschichte der Eroberungen und Entdeckungen von der Urgeschichte bis heute, an den beiden weiteren Standorten kann man anhand des Beispiels der Römer selbst entdecken, wie gewirtschaftet wurde und welche Kultur aufgebaut wurde, um das Eroberte behalten zu können und die Macht auszubauen. In eine mächtige Stadt lädt man 2011 auch auf der Schallaburg: Venedig (26. 3.–6. 11.) steht im Zentrum der Jahresausstellung – als Seemacht, aber auch als wichtiger Ort für Kunst und Karneval.
Das Landesmuseum Niederösterreich feiert 2011 sein hundertjähriges Bestehen mit einer Ausstellung über die Geschichte des Sammelns (29. 5.–20. 11.). Jubiläum feiert ab 30. 9. auch das Karikaturmuseum Krems, zehn Jahre werden mit „… und wir haben Witz!“ begangen, zudem bringt man Ausstellungen zu MOFF und zu Karikaturen von Ironimus. Die Kunstmeile Krems wartet zudem mit einer Kinderbildnis-Ausstellung in der Kunsthalle auf, dort wird auch Hieronymus Bosch mit dem zeitgenössischen Künstlerkollektiv gelitin konfrontiert.
Das Budapester Museum der schönen Künste zeigt Gustav Klimt und die Wurzeln der Wiener Secession, im Herbst auch eine El-Greco-Ausstellung. Die Städtische Galerie Bratislava widmet sich dem Fauvismus und im Herbst (8. 9.–3. 11.) Pablo Picasso. Krumau öffnet nicht nur das Burgmuseum ganzjährig, sondern widmet sich 2011 ganz besonders der ehemaligen südböhmischen Königsfamilie Rosenberg.
Theresa Steininger








