Wien | Feature

Anfang und Ende der Liebe

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Anfang und Ende der Liebe

Michael Köhlmeier, Monika Helfer
© Peter-Andreas Hassiepen/Annette Pohnert/Carl Hanser Verlag

Michael Köhlmeier und Monika Helfer präsentieren am 16. September im Wiener Schauspielhaus ihre beiden neuen Romane, am 17. liest Helfer auch beim Literaturfestival "Rund um die Burg".

Der Anfang und das Ende der Liebe - unter diesem Motto steht die gemeinsame Lesung des schreibenden Ehepaares, das die Neuerscheinungen "Madalyn" und "Bevor ich schlafen kann" vorstellen wird. Während Köhlmeier in ersterem das zarte Wachsen von Zuneigung eines jungen Mädchens zu einem notorischen Betrüger beschreibt, schildert Helfer in ihrem Werk das Leben einer Frau, die vor den Trümmern ihrer Beziehung steht, nachdem ihr Mann sich nach vielen Ehejahren als homosexuell geoutet hat. Nicht nur in der Thematik, auch im Stil unterscheiden sich Köhlmeiers und Helfers Werke maßgeblich. Köhlmeier erzählt poetisch und mit großem Einfühlungsvermögen. Er schildert die Geschichte des jungen Mädchens, das von ihren Eltern teils allein gelassen, teils unterdrückt wird, aus der Sicht ihres Nachbars, des aus seinem Roman "Abendland" bekannten Autors Sebastian Lukasser. Als väterlicher Freund nimmt sich dieser des Mädchens an, der ruhige Ton Lukassers wird zum ruhigen Ton des Buches selbst, in dem man liebevoll ins Leben der beiden Protagonisten involviert wird. Von der Handlung her hätte "Madalyn" ein platter Jugend-Erste-Liebe-Roman werden können, doch Köhlmeiers gefühlvoller Stil und die Reflexionen über das Schreiben selbst ("Madalyn" ist auch ein Plädoyer für die Kraft der Dichtkunst, wenn sich das junge Mädchen erst in das Gedicht des Burschen, dann erst in ihn verliebt.) machen ihn positiv anders.

Zart hier, ernüchtert da

So zart und frisch Köhlmeier in seinem Ton den Charakter seiner Hauptfigur trifft, so passend hart und abgebrüht zeichnet Monika Helfer ihre Protagonistin, die aus der Bahn geworfene Psychiaterin Josi. Inmitten der Sinn- und Lebenskrise nach dem Outing ihres Mannes geht Josi ernüchtert durchs Leben, nimmt sich kein Blatt vor den Mund und lässt den Leser an ihren schonungslosen Überlegungen über wegoperierte Brüste, Sex, verlorene Liebe, verrückte Patienten und Männer, die sich nach einem Flirt nicht mehr melden, teilhaben. Zum autobiografischen Roman wird "Bevor ich schlafen kann", indem Helfer Köhlmeier und die Familie einbaut, wenn Josi einen Griechenlandurlaub mit inkludierten Köhlmeier-Lesungen macht. Die verstorbene Tochter Köhlmeiers und Helfers, Paula, als vifes Mädel gezeichnet, wird zur Freundin Josis.

Im Schauspielhaus stellen Köhlmeier und Helfer ihre neuen Werke im Gespräch mit Autor und Psychiater Paulus Hochgatterer vor.

Rund um die Burg

Helfer wird auch am 4. Oktober in der Buchhandlung Thalia, Wien 3, aus ihrem Roman lesen, sowie beim Literaturfestival "Rund um die Burg". Dieses bringt am 17. September ab 16 Uhr wieder 24 Stunden Lesungen. Auf die Bühne im Zelt neben dem Burgtheater kommen auch Robert Schindel, Franzobel, Norbert Gstrein, Alfred Komarek, Daniel Glattauer und Paulus Hochgatterer. Die Kriminacht von "Rund um die Burg" bringt unter anderen Autoren Eva Rossmann, deren neuester Roman "Evelyns Fall" wie gewohnt eine gekonnte Sozialstudie der österreichischen Gesellschaft und diesmal auch deren Ränder ist, wenn es um den Tod einer ehemaligen Sozialhilfeempfängerin geht.

Theresa Steininger


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