Niederosterreich | Feature

Service für die Künste

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Service für die Künste

Grafenegg, der „Leuchtturm“ der NÖKU
© Andreas Hofer

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Service für die Künste

NÖKU-Geschäftsführer Paul A. Gessl
© NÖKU, Foto: Hertha Hurnaus

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Die Gründerpersönlichkeiten Manfred ­Wagner (Aufsichtsratsvorsitzender) und Joachim Rössl (Chef der Kulturabteilung)
© NÖKU, Foto: Hertha Hurnaus

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Erwin Pröll, der Initiator (im ­Gespräch mit Barbara Rett)
© NLK Pfeiffer

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Niederösterreich ist vorangegangen. Das kulturelle Topangebot wurde in unternehmerische Hände gelegt. Die Niederösterreichische Kulturwirtschaft (NÖKU) hat diesen Auftrag vor rund zehn Jahren übernommen.

M an sieht vor lauter Kultur die Kunst nicht mehr. Salopp umschrieben bot sich im Niederösterreich des Prä-NÖKU-Zeitalters ein ebenso vielfältiges wie unüberschaubares Kulturbild. Der Ruf nach einem kulturellen Zentrum, einer Koordinationsstelle wurde laut. Die Lösung sah anders aus. Unter dem Leitgedanken „Kultur braucht unternehmerisches Denken“ wurde die NÖKU gegründet und trat ab Stunde Null den Beweis an, dass Niederösterreich kein kulturelles Zentrum braucht. Denn Niederösterreich ist in seiner Gesamtheit ein kulturelles Zentrum. Die NÖKU und deren Verantwortliche sind diesen dezentralisierten Weg konsequent und erfolgreich gegangen. Kultur braucht keine Metropolen. Kultur hat dort stattzufinden, wo die Menschen sind.

Gründungen vom Karikaturmuseum bis Grafenegg

Wenn vielen Ausstellungs-, Spiel- und Wirkungsstätten plötzlich eine wirtschaftlich gesteuerte Organisation verordnet wird, bleiben für gewöhnlich Friktionen nicht aus. Dass sie im Falle der NÖKU sehr wohl dem Konsens gewichen sind, liegt in der Haltung und Denkart des Unternehmens begründet. Dialog wird großgeschrieben. Das beginnt an der Spitze und reicht bis zur Basis. Das Führungsduo Paul A. Gessl und Johannes Kern verkörpert – umsichtig begleitet von Manfred Wagner als Aufsichtsratsvorsitzendem – ein gelebtes Vieraugenprinzip. Eine der wichtigsten Entscheidungen war es, die Funktionen der künstlerischen Leitung und der Geschäftsführung zu trennen. Diese Maßnahme verhinderte, dass sich unterschiedlich gelagerte Ambitionen gegenseitig absorbieren. Stattdessen laufen Entscheidungsprozesse im Dialog in Richtung einer wirtschaftlich sinnvollen Synthese innerhalb klarer Programmzuständigkeiten, ohne an Dynamik einzubüßen. In diesem kulturellen Rahmenkonzept etablierte sich die NÖKU in nur zehn Jahren als Unternehmen von nachhaltiger Bedeutung. „Wir sind ein privatwirtschaftlich orientiertes Wirtschaftsunternehmen, das ein Teil der Marke Niederösterreich ist. Wir leben die Marke Niederösterreich“, unterstreicht Paul A. Gessl mit Leidenschaft.

Die NÖKU als Wirtschaftsfaktor

Das jährliche Subventionsvolumen umfasst etwa 54 Millionen Euro, die in den Betrieb und die Positionierung der zahlreichen Spielstätten vom Festspielhaus St. Pölten über das Musikfestival Grafen­egg bis zur Kunstmeile Krems und zur Schallaburg fließen. Jüngste Berechnungen ergeben, dass jeder Euro Subvention an die NÖKU mehrfach wieder in die Wirtschaft fließt.

Heute sind bis zu 1.000 Menschen im Umfeld der NÖKU beschäftigt. 30 Millionen Euro pro Jahr werden in Human Resources investiert und machen die NÖKU zu einem der wichtigsten Arbeitgeber des Landes unter privatwirtschaftlichem Management.

Die Niederösterreichische Kulturwirtschaft ist eine erstaunliche „case study“. Das Tempo, in dem diese Organisationsstruktur gewachsen ist, ist bemerkenswert. Ihre Funktionalität hat sehr viel mit „Networking“ zu tun. Ein Netzwerk aus kulturellen Nervenbahnen, das ein ganzes Land überzieht. Mit Synapsen, die sowohl fähig sind, den Zeitgeist aufzuspüren, als auch die Nachfrage seitens des Publikums. Mit Sensoren, die auch an den deklarierten Werten des Bundeslandes Niederösterreich andocken: Genussfähigkeit und dem Mut, Gegensätze zu leben. So ist die NÖKU. Und so vermittelt sie uns auf lebendigste Weise dieses amorphe Ding, das wir allgemein Kultur nennen. Alles Gute!

Zahlen, Fakten und ­Menschen der NÖKU

Die Niederösterreichische Kulturwirtschaft GmbH startete im Jahr 1999 mit vier Gesellschaften und der Idee, den wichtigen Häusern Planungssicherheit und ­Synergien eines Konzerns anzubieten. Niederösterreich konnte schon im Vorfeld auf (rund zehn Jahre zurückliegende) Ausgliederungserfahrungen des Donaufestivals und der Kunsthalle Krems zurückblicken, die das damals (für Kulturveranstalter) unübliche Modell der GmbH gewählt hatten. Von Anfang an waren neben dem Landeshauptmann Erwin Pröll die damalige Landesrätin für Kultur Liese Prokop, Joachim Rössl als zuständiger Abteilungsleiter und Manfred Wagner als Aufsichtsratsvorsitzender die wichtigsten Gründerpersönlichkeiten der NÖKU. Sehr bald kam Paul A. Gessl als Nachfolger des ersten NÖKU-Geschäftsführers Jürgen Bauer, den es in die Welt der multinationalen Industriebetriebe zog. Paul A. Gessl hat als Geschäftsführer der Holding ein rasantes Wachstum auf qualitativer und quantitativer Ebene herbeigeführt, an dessen Ende heute mit Grafenegg der neue Leuchtturm niederösterreichischer Kulturperformance ebenso dasteht wie zwölf Gesellschaften mit 28 Spielstätten in ganz Niederösterreich. Im Jahr 2009 haben fast 1,3 Millionen Menschen die Angebote der Nöku genutzt und damit für Eintrittserlöse in Höhe von rund
7,5 Millionen Euro gesorgt.

Von Carl Wondra


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