Kulturstadt. Die Häuser der Wien-Holding-Kulturbetriebe sind übervoll von Geschichte und bieten eine breite Palette von Kulturerlebnissen.
W ofür die Wien Holdung kulturell steht, erzählt uns Geschäftsführer Peter Hanke im Telegrammstil: „Große Opern im Theater an der Wien, Musicals von Weltformat im Raimund Theater und im Ronacher, Topstars und Topevents in der Wiener Stadthalle sowie Kunst und Kultur zum Angreifen und zum Staunen in den Wien-Holding-Museen wie dem Haus der Musik, dem Mozarthaus Vienna, dem Jüdischen Museum Wien und dem Kunst Haus Wien.“ Alle diese Häuser werden nicht nur erfolgreich betrieben, sie haben auch eine an Wandlungen reiche Geschichte.
Stadttheater, Varieté, Musicalbühne
Und so ist für Kathrin Zechner, Muscialintendantin der Vereinigten Bühnen Wien (VBW), „Musiktheater auf die Bühne zu bringen und damit Menschen Stunden des Glücks, der Begeisterung und Rührung schenken zu können, eine wundervolle und spannende Aufgabe. Diese in Theaterhäusern wie dem Raimund Theater und Ronacher leisten zu dürfen, ist eine Herausforderung, ein Vergnügen und eine Ehre: Beide Theater haben eine mit der Stadt Wien und ihren Bewohnern verwobene und jahrhundertlange Geschichte.“
Das Raimund Theater wurde ab 1893 mit deutschen klassischen Volksstücken und Gegenwartsdramen bespielt, später kamen Operetten und Musicals hinzu. Seit der Übernahme durch die VBW laufen hier ganzjährig Familienmusicals. – Das Ronacher war ab 1871 ein Stadttheater, brannte 1884 ab, wurde vom Geschäftsmann Anton Ronacher erworben und ab 1888 als Varietétheater inklusive Hotel, Ballsaal und Restaurant geführt. Nach dem Krieg gastierte hier vorerst das Burgtheater, ab 1955 wurde wieder Varieté gespielt. Von den VBW 1986 übernommen, wurde das Ronacher ab 2006 grundlegend modernisiert und schließlich mit „The Producers“ wiedereröffnet.
Gleichzeitig bauen die VBW, so Zechner, „ihre Exporttätigkeiten immer weiter aus und exportieren Stücke, die das Publikum in Wien mit Begeisterung aufgenommen hat, in die Welt – so etwa nach Deutschland, Ungarn, Skandinavien, Japan und mittlerweile auch Südkorea“.
„Fidelio“, Nestroy, „Cats“
Das Theater an der Wien gehört ebenfalls zu den VBW. In dem 1801 von Emanuel Schikaneder gegründeten Haus wurde etwa Beethovens „Fidelio“ uraufgeführt. Gut besucht war später klassisches Wiener Volkstheater (Nestroy und Raimund) ebenso wie Operette (Strauß und Lehár). Nach dem Zweiten Weltkrieg diente es als Ersatz für die schwer beschädigte Staatsoper, bevor 1965 die Musicalära mit Broadway-Stücken in deutscher Sprache begann („Anatevka“, „Der Mann von La Mancha“ und 1983 „Cats“).
Seit 2005 widmet sich das Theater an der Wien wieder seiner ursprünglichen Bestimmung. Im Stagione-Betrieb werden hier Opernklassiker gepflegt und Raritäten wiederentdeckt. Intendant Roland Geyer: „Wenn man einen Diamanten im Licht richtig betrachtet, ist er faszinierend und unwiderstehlich. So ein Juwel ist das Theater an der Wien für mich – und viele wunderbare und berühmte Künstler werden auch in Zukunft das ,neue Opernhaus‘ zu einem faszinierenden Ort des Musiktheaters machen: für unser Publikum, für die Kulturstadt Wien und auch für mich selbst.“
Artisten, Tiere, Attraktionen
Theoretisch könnte Geyer sein Programm auch in der Wiener Stadthalle produzieren. Denn hier treten seit über 50 Jahren nicht nur alle großen Musiker aller Genres auf, hier werden auch das Fest der Pferde, die BA-Tennis-Trophy, Holiday on Ice, Wrestling, Masters of Dirt sowie Musical- und eben auch Opernaufführungen veranstaltet. Diese Multifunktionalität hat sie ihrem Architekten Roland Rainer zu verdanken. Und mit der 2006 eröffneten Showbühne Halle F gibt es noch mehr Eigenproduktionen als bisher zu sehen. Denn „parallel zu den jährlichen Aktivitäten muss sich das Unternehmen Wiener Stadthalle neu darstellen, nicht mehr als Halle, die primär eine Vermietungsplattform ist, sondern als dynamisches Entertainment- und Infotainmentcenter mit internationaler Ausstrahlung“, kündigt der – unter anderem – künstlerische Leiter Ernst Hoffmann an.
Thonet, Mozart, Philharmoniker
Schließlich sind auch die Wien-Holding-Museen in traditionsreichen Häusern untergebracht: Das Kunst Haus Wien befindet sich in der ehemaligen Thonet-Möbelfabrik und hat sich mittlerweile auf Fotografieausstellungen spezialisiert. Das Jüdische Museum, seit Kurzem unter der Direktion von Danielle Spera, befand sich seit dem 14. Jahrhundert unter anderem im Besitz der Augustiner-Chorherren, des Stifts Klosterneuburg, eines der Fürsten Esterházy, von Graf Kaunitz-Rietberg und Freiherr von Eskeles – und war zwischendurch einmal an Mozarts Witwe vermietet.
Das Haus mit der einzigen erhaltenen Wiener Wohnung Mozarts ist seit 2006 das Mozarthaus Vienna. Und das Haus der Musik ist nicht nur seit zehn Jahren ein interaktives Erlebnismuseum, sondern auch die Gründungsstätte der Wiener Philharmoniker.
Alle diese Häuser machen Programm für 2,5 Millionen Menschen pro Jahr, erwirtschaften einen Jahresumsatz von rund 50 Millionen Euro und gehören somit zu einem der größten Entertainmentkonzerne in Europa. Auch das muss einmal gesagt sein!
Von Werner Schuster








