Schlosshotel Hédervár: Eine Renaissanceperle im Nirgendwo des ungarischen Auwaldes
© www.hedervar.com
Schlosshotels. Schlösser, erfüllt von adeliger Eleganz und dem Hauch von Intrigen, wunderbare Architektur, herrliche Gärten und gepflegte Speisesäle. Und alles technisch auf dem letzten Stand. Schlosshotels bieten ein Früher, wie es nie gewesen ist.
W as ein richtiges Schlosshotel sein möchte, braucht als Basis ein Schloss. Unverzichtbar ist auch die Umgebung. Autobahnkreuze etwa sind als Nachbarn ungeeignet. Dazu kommen dann noch edles Interieur, köstliche Küche, aufmerksame Bedienung und diverse Freizeitangebote. Geeignet sind derartige Destinationen für alle, die abseits der großen Tourismuszentren Entspannung und Erholung suchen, feiern oder auch konferieren möchten. Allein die Parks, die Schlosshotels umgeben, sind immer auch eine Attraktion für Kinder. Und wer mit den Kleinen an einem Regentag auf die Suche nach einem Schlossgespenst gehen möchte, wird in den altehrwürdigen Mauern wahrscheinlich auch fündig.
Schöner wohnen
Hauptumschlagplatz für solch edle Schlosshotels ist Ungarn. Über 700 ehemalige Adelssitze zählt das Land. Viele davon werden touristisch genutzt. Das Spektrum reicht von edel über imposant bis zu eigensinnig. Das edelste unter den edlen ist Ráckeve auf der südlich von Budapest gelegenen Csepel-Insel. Prinz Eugen ließ es 1702 von Johann Lukas von Hildebrandt erbauen. Bewohnt hat der Türkenbezwinger sein hübsches Schloss so gut wie nie. Ein Manko, das jetzt von Touristen beseitigt wird. Zu Recht, denn Ráckeve gehört zu den schönsten Barockschlössern Mitteleuropas. Das Zentrum der Anlage bildet der achteckige, mit einer Kuppel überdachte Festsaal. Die Seitenflügel enden in quadratischen Pavillons. „Türkenzelt“, ist denn auch die erste Assoziation. Das ist gewollt, denn Ráckeve ist nicht nur das erste ungarische Barockschloss, das ohne eine Spur von Verteidigungsanlagen errichtet wurde, sondern auch Zeichen dafür, dass die Türkengefahr gebannt ist. Heute umfasst das Hotel 28 Zimmer. Das Restaurant hat sich auf ungarische Küche spezialisiert. Wild- und Fischgerichte gehören hier zum Standard.
Die Tulpenbäume von Hédervár
Imposant ist das Wort, das Hédervár am trefflichsten charakterisiert. Das Renaissanceschloss, auf einer Donau-Schüttinsel gelegen, ist ein echtes Baujuwel. Außen wie innen ein ästhetisches Erlebnis. Der jahrhundertealte Weinkeller, das ehemalige Waffenzimmer mit Kirschholzparkett, die Kapelle, der Zigarrensalon oder auch einzeln Einrichtungsgegenstände wie etwa ein Kamin aus Zsolnay-Keramik ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Exotisches Flair verströmt der englische Park, der das Gemäuer umgibt. Raritäten, von amerikanischen Tulpenbäumen bis zu chinesischen Nadelbäumen, finden sich hier. Gäste können sich hier im Schlosshotel in insgesamt 14 mit antiken Möbeln und Perserteppichen ausgestatteten Schlosszimmern und in vier Suiten einquartieren und im Restaurant kulinarisch verwöhnen lassen. Gern wird Hédervár auch für Veranstaltungen gewählt. Ehen, die hier geschlossen werden, stehen unter einem guten Stern, sagt man.
Kaiserliche Kultur, luxuriöser Spa und Luster aus dem Vèneto
„Eigensinnig“ nennen die Ungarn die Anlage von Schlosshotel Szidónia in Röjtökmuzsaj. Anders als die meisten Schlösser war dieses Anwesen nicht über Jahrhunderte im Besitz einer Familie, sondern es bot mehreren Besitzern eine geruhsame Bleibe. Alle haben ihre Spuren hinterlassen. Als letzte die Hotelbetreiber, die das feudale Anwesen mit zeitgemäßem Luxus versahen. Etwa mit einem großzügigen Spa-Bereich.
Weniger bekannt, aber nicht weniger elegant ist Château Šalgovce, ein barockes Kleinod in der Slowakei. Errichtet wurde es 1767 für Baron Salgo, einen ungarischen Adeligen. Das Château ist stolz auf seine Einrichtung, einen charmanten Mix aus französischen und habsburgischen Möbeln, venezianischen Lustern und Seide aus dem Osten. Wo der Kaiser war, gibt es Kultur. Ein Spruch, der auf die Kurstadt Baden absolut zutrifft. Hier riecht es nicht nur nach den Schwefelquellen, deren Heilwirkung seit römischer Zeit genützt wird, hier liegt noch die Monarchie in der Luft. Imposante Villen, ein Kurpark, ein Casino und zahlreiche Schlösschen geben Auskunft, dass hier einstmals die Aristokratie Erholung gesucht hat.
Das Schlosshotel Oth, ein traditionelles Haus mit mediterranem Flair, erzählt davon. Hier soll, so erzählt man sich, dereinst schon Kronprinz Rudolf abgestiegen sein. Eine Legende, die Hausherr Peter Oth aufnimmt. Er führt seine Gäste persönlich durch den Rosenpark zu den Originalschauplätzen großer Momente der Musik- und Kulturgeschichte: Mozart und Beethoven komponierten in Baden, der große Schauspieler Max Reinhardt war gebürtiger Badener, auch Katharina Schratt, die „gnädige Frau“ von Schönbrunn, wurde hier geboren.
Wachauer Weinburg
Einmal in einer richtigen Burg wohnen. Ein Erlebnis, das Burg Oberranna, ein Wehrbau aus dem 12. Jahrhundert, bietet. Bestechend ist hier die Lage am Rande der romantischen Wachau, umgeben von Obstbaumwiesen. Klein, aber fein lautet die Devise bei den zwölf stilvoll ausgestatteten Zimmern. Ein architektonisches Highlight ist die Burgkapelle zum heiligen St. Georg. Dass in der Burgtaverne eine große Auswahl an Weinen aus der Wachau kredenzt wird, ist Ehrensache. Und wie es sich in einer Burg gehört, wird auch noch eine zünftige Jause gereicht.
Vom Land in die Stadt und von der Burg in die ehemalige Residenz eines Industriellen. Wien hat ein ganz spezielles Schlosshotel, das Hotel Altstadt. Seit seiner Eröffnung im Jahre 1991 hat sich das Haus im Künstlerviertel Wiens zum Treffpunkt von Kunstliebhabern, Musikszene und Individualreisenden, die ein charaktervolles Haus mit ausgezeichnetem Service suchen, entwickelt.
Wien um 1900
Die Zeit von Egon Schiele und Gustav Klimt, von Josef Hoffmann und Adolf Loos und auch die Zeit großer gesellschaftlicher Salons und erfindungsreicher Industrieller. Einer davon war der erste Besitzer des Stadtpalais. Nach anfänglicher Wohnnutzung wurden hier später Schauräume für Sanitärprodukte eingerichtet. Architektonisch ist der Bau auch dadurch bekannt, dass er das erste Gebäude war, das in Wien mit Stahlbetondecken gebaut wurde. Eine radikale Modernität, die bis heute an allen möglichen Ecken durchschimmert. Und nicht nur das.
Otto E. Wiesenthal, der das Haus 1991 zum Hotel umgebaut hat, ist ein Mann, der nicht wehmütig zurückblickt, wenn es um Einrichtungsfragen geht. Er hat sein Haus mit Werken zeitgenössischer Künstler und Designer bestückt. Auf radikal einfühlsame Art hat er mit dem Haus Geschichte geschrieben, ohne ihm Geschichte zu nehmen. Schlosshotels können eben vieles sein. Rustikal, elegant, charmant oder radikal modern. Immer aber sind sie individuell. Das macht auch ihre Anziehungskraft aus.
Von Henriette Horny








