© Lukas Beck/Bühne Baden
Saisonstart in Baden: Der Aufstieg einer Kurtisane zur Geliebten des Königs liefert in der Operette „Die Dubarry“ Ohrwürmer en suite. Damit eröffnet Baden die neue Spielzeit.
Ich bin ein großer Fan der Operette der 30er-Jahre“, gesteht Robert Herzl im Gespräch mit k2. „Das war die letzte Blütezeit des Genres, in der die Komponisten genau den Nerv der Zeit getroffen haben: Die Aufführungen sprühten vor Witz, Erotik und waren überhaupt nicht bieder“, sagt der profunde Musiktheaterkenner und langjährige Leiter der Bühne Baden. Mit „Die Dubarry“, Theo Mackebens Modernisierung von Carl Millöckers gleichnamiger Operette aus dem 19. Jahrhundert, bringt Herzl nun ein eher selten gespieltes Musikstück dieser goldenen Ära nach Baden. Die Premiere findet am 20. Oktober statt und bildet zugleich den Auftakt der neuen Spielzeit. Die Operette spielt in Paris, etwa um 1762, und zeigt den Aufstieg der historisch verbürgten Marie-Jenne Bécu, Comtesse du Barry, von der einfachen Putzmacherin zur Kurtisane, die schließlich die Nachfolge von Madame Pompadour antritt und die Geliebte von König Ludwig XV. wird. Allerdings klammert das musikalische Unterhaltungsstück die weitere Biografie der Comtesse aus: Sie wurde durch die Guillotine hingerichtet. Das Musikstück mit bekannten Liedern wie „Ja, so ist sie, die Dubarry, wer sie einst sah, vergisst sie nie“ und „Ich schenk mein Herz nur dir allein“ ist musikalisch anspruchsvoll, vor allem für die Titelrolle. Die Paraderolle der Dubarry wird Julia Koci verkörpern, die junge Sängerin ist bereits aus Auftritten an der Volksoper bekannt.
Musik für Krisenzeiten
„Unsere Zeit ist genauso angespannt wie die 30er-Jahre, deshalb passt die Musik jener Epoche auch so gut in unsere Gegenwart“, meint Robert Herzl. „Wobei wir nur hoffen können, dass wir unsere Probleme heute besser lösen können, als dies seinerzeit geschah.“ Im Berlin der 30er-Jahre etablierte sich Theo Mackeben als stilprägender Musiker, Dirigent und Komponist. Von ihm stammen Schlager wie „Frauen sind keine Engel“ und „Nur nicht aus Liebe weinen“. Er dirigierte die Uraufführung von Brechts „Dreigroschenoper“ (1928) und brachte in den 1930er-Jahre fast alljährlich eine neue Operette zur Uraufführung, wobei „Die Dubarry“ (1931) und „Lady Fanny“ (1934) zu seinen erfolgreichsten Stücken zählen. Sein großes Interesse galt überdies dem damals aufstrebenden Tonfilm, er schuf Lieder für zahlreiche Filme.
„Dubarry“ ist der erste Höhepunkt der neuen Spielzeit, übrigens die vorletzte von Intendant Robert Herzl, 2014/15 übernimmt Sebastian Reinthaller. Im September können Spätentschlossene noch das Programm der Sommerarena besuchen: Vom 1. bis 8. September stehen die Erfolgsoperette „Gräfin Mariza“, das Andrew-Lloyd-Webber-Musical „Evita“ sowie das Gastspiel aus dem Landestheater St. Pölten („Der Bauer als Millionär“) auf dem Spielplan. Der November bringt die Premiere von „Schwarzer Peter“, das musikalische Märchen ist ein idealer Einstieg ins Musiktheater für junge Besucher. Angelehnt an das Märchen „Erica“ von Heinrich Traulsen geht es darin um zwei ungleiche Könige und junge Liebe. Alexander Kuchinka wird den Bühnenspaß inszenieren. Vorhang auf für die neue Saison!
Petra Rathmanner









