Niederosterreich | Bühne

Letzte Tage am Herrensee

Letzte Tage am Herrensee

Karl Ferdinand Kratzl gibt den Conferencier.
© Andreas Biedermann

Im Herrenseetheater in Litschau wird eine aktuelle Adaption von Karl Kraus legendärem Werk „Die letzten Tage der Menschheit“ von 2. bis 26. August den gegenwärtigen Zustand unserer Gesellschaft satirisch vor Augen führen.

Es war rund um den Niedergang der Monarchie und die Zeit des Ersten Weltkriegs, als Karl Kraus seine „Letzten Tage der Menschheit“, eine lose Szenenfolge voll oft bissig-satirischer Gesellschaftskritik, schrieb. Fast 100 Jahre später erscheint es Regisseur Zeno Stanek und seinem Co-Autor Christian Qualtinger an der Zeit, das Konzept von damals auf die Gegenwart anzuwenden. Für das Herrenseetheater in Litschau haben sie „Die letzten Tage der Menschlichkeit“ als freie Kraus-Adaption geschrieben, die ein Panorama der krisenhaften Verfassung der Menschheit zu Zeiten des Wutbürgertums pointiert und mit Witz aufzeigen will. Premiere ist am 2. August.

„Selten war eine Sommertheaterproduktion so gegenwartsbezogen, denn knapp 100 Jahre nach Vollendung des Meisterwerks von Karl Kraus scheint es, als wäre unsere Gesellschaft auf dem Weg, den letzten Funken an Menschlichkeit zu begraben“, so der Festivalleiter. „Das oftmals angekündigte Weltuntergangsjahr 2012 und die derzeitige weltpolitische und –wirtschaftliche Lage eignen sich perfekt für eine Neudeutung, ohne die Stimmung des ursprünglichen Werks zu verlieren. Angesichts der globalen Krise steht heute ähnlich wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Analyse zerstörerischer Machtstrukturen an.“

Im Holzbau am Ufer des Herrensees werden demnach 30 Darsteller eine rasch wechselnde Szenenfolge spielen, die menschliche Abgründe aufdecken soll. Karl Ferdinand Kratzl fungiert als Conferencier dieser „unerbittlichen Satire auf die Gesellschaft“.

Die Produktion ist Festivalleiter Zeno Stanek ein ganz besonders Anliegen, er gründete in Litschau im Waldviertel 1993 das Theater BRAUHAUS noch zu seiner Zeit als Reinhardt-Seminarist, seit 2009 bespielt man mit den Produktionen, die eine Alternative zum weit verbreiteten Sommer-Theater bieten wollen, das Herrenseetheater, seit 2007 leitet Stanek hier zudem das Schrammel.Klang.Festival. Ab kommendem Sommer wird er als Intendant der Festspiele Stockerau neue Wege einschlagen, wobei er dem Schrammel.Klang.Festival weiterhin erhalten bleibt.

 

Theresa Steininger


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steininger, 20.04.2013, 12:55

Amüsieren im Teenie-Stlye
Ja, es gibt Musicals mit mehr Ohrwürmern und mehr Tiefgang als „Natürlich blond“ – wer in die Vorstellung im Ronacher geht und vorher den Hollywood-Teenie-Film gesehen oder davon gehört hat, der weiß, dass ihn keine hochtrabende Handlung erwartet.

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