Bettina Hering.
© Peter Garmusch für flair Magazin/Landestheater Niederösterreich
Ab 1. September heißt die neue künstlerische Leiterin des Landestheaters Niederösterreich Bettina Hering. Die Dramaturgin und Regisseurin im Gespräch über ihren Spielplan.
Mit subversivem Humor zur Gegenwartsbewältigung“ lautet ihr Motto für die erste Spielzeit, in der sich Bettina Hering mit unsicheren Zeiten und dem rasanten Wandel, in dem die Welt sich befindet, beschäftigen will. „Eine Prise subversiver Humor täglich ist dafür ein gutes Alltagsrezept, weil auch die Krisenbewältigung immer schwieriger wird“, fügt sie lachend hinzu. Am 1. September tritt die gebürtige Schweizerin, die mit ihrem Mann, dem Schauspieler Markus Hering, und den drei gemeinsamen Töchtern in Wien lebt, in St. Pölten die Nachfolge von Isabella Suppanz an. Es war eine absolut friktionsfreie Übergabe, wie die 52-jährige Dramaturgin und Regisseurin betont.
Und auch der Geschäftsführer der NÖ Kulturwirtschaft, Paul Gessl, unterstreicht: „Bettina Herings Konzept der Positionierung des Hauses, ihre künstlerische Biografie, ihre internationalen Kontakte und ihr dramaturgisches Wissen haben die Jury überzeugt: Eigenproduktionen mit hochkarätigen Gästen, internationale Gastspiele, Kindertheater und ein eigenes Ensemble.“ Sie wolle, so Hering, auf jeden Fall die Eigenproduktionen künstlerisch stärken und mit dem Theater noch offensiver nach außen gehen.
Geschichte der Welt als Comicstrip
Den Spielauftakt macht eine Eröffnungsrede von Martin Wuttke am 6. Oktober, gleich im Anschluss hat dann ein Klassiker der Moderne von Thornton Wilder in der Regie von Daniela Kranz Premiere. „Wir sind noch einmal davongekommen“ zeigt die Geschichte der Welt als Comicstrip anhand der allegorischen Familie Antrobus, die durch die Zeiten hinweg von Katastrophen wie Eiszeit, Sintflut und Krieg bedroht ist. Ein Stück Welttheater von intensiver symbolischer Kraft und absurdem Humor, das auch gleich neue Ensemblemitglieder des Landestheaters wie Babett Arens und Franziska Hackl präsentiert.
Am 11. 10. steht in bewährter Kooperation mit der Bühne Baden eine Inszenierung des französischen Theatermagiers Jérôme Savary auf dem Programm. Er hat sich das Zaubermärchen „Der Bauer als Millionär“ vorgenommen; u. a. sind Doris Schretzmayer als Fee und Heinz Zuber als Magier Ajaxerle zu sehen. Bettina Hering selbst präsentiert sich mit der Kindertheaterproduktion „Eine Woche voller Samstage“ als Regisseurin. Der Abend nach dem Bestseller von Paul Maar über das subversive und schlagfertige Fabelwesen Sams, das dem ängstlichen Herrn Taschenbier über den Weg läuft und beschließt, bei ihm zu bleiben, liegt der Intendantin besonders am Herzen, weil es, so Hering, „nicht unwesentlich ist, wie man Kinder in die Theaterwelt einführt“.
Subversiver Humor der Spitzenklasse
Mit stärkerem hauseigenem Profil präsentiert sich auch das Literaturfestival „der Blätterwirbel“, bei dem es erstmals originäre Abende des Landestheaters gibt, mit drei Personalen für österreichische Autoren: Die erste widmet sich der gebürtigen Südtirolerin Sabine Gruber, die weiteren der Linzerin Anna Mitgutsch und dem Psychologen, Arzt und Autor Paulus Hochgatterer, der sich bevorzugt mit den sogenannten Außenseitern der Gesellschaft beschäftigt. Und natürlich fügen sich auch die Gastspiele nahtlos ins Spielplankonzept: Am 20. 10. etwa ist „Nora oder Ein Puppenhaus“ von Henrik Ibsen vom Theater Oberhausen in der Regie des furiosen Komödien- und Horrorspezialisten Herbert Fritsch zu sehen, der „die Familie als kleinste Einheit, als Zelle von kriminellen Vereinigungen“ thematisiert. Subersiver Humor at its best!
Michaela Knapp









