Mit lust- wie anspruchsvollen Kinder- und Jugendprogrammen wollen die Bühne Baden und das Landestheater Niederösterreich schon jetzt das Publikum von morgen schulen.
Ein „Bitte nicht! Langweilig!!!“ ging früher oft der Ankündigung eines Theater- oder Museumsbesuchs voran, gefolgt von der Frage „Wie lange noch, bis es aus ist?“, wenn man denn genügend Überzeugungsarbeit geleistet und die lieben Kleinen einfach mitten ins Geschehen gebracht hatte. Die Zeiten haben sich geändert. Nicht nur die heimischen Museen erfreuen sich ob kindgerechter Führungen zunehmend junger Besucher, auch die Bühnen bauen Hemmschwellen ab.
Auf ein besonderes Vermittlungskonzept setzt etwa die Bühne Baden seit einer Saison. Nach dem Motto „Den Virus Musiktheater in die Schulen tragen“, hat man sich hier zur Aufgabe gemacht, Kinder und Jugendliche nachhaltig für Musiktheater zu begeistern. „Singen ist die natürlichste Art, sich auszudrücken“, betont Eva Morineau, seit einem Jahr für die neue BB- Jugendschiene in Baden zuständig, und setzt nach: „Die Bühne Baden möchte dieses Grundinteresse fördern und Kinder und Jugendliche nachhaltig für Oper, Operette oder Musical begeistern.“ Aktuelles Projekt ist eine spezielle Einführungsmatinee zur Oper „Faust“ von Charles Gounod, bei der der Hausherr und Regisseur, Robert Herzl, durch das berühmte Werk führt und Highlights seiner Inszenierung zeigt, die seit 22. Oktober auf dem Spielplan steht. Für Jugendliche eine gute Gelegenheit, den „Faust“-Stoff in einer musikalischen Interpretation zu sehen.
Einer besondere Herausforderung stellt man sich dann ab 19. November mit „Pollicino“. 1980 hat der deutsche Komponist Hans Werner Henze seine Kinderoper über den kleinen Däumling in Montepulciano uraufgeführt. Im Umfeld des toskanischen Städtchens, wo der mittlerweile 85-jährige Komponist lebt, fand er auch seine kleinen Hauptdarsteller, die quasi von der Straße weg engagiert wurden. Nach diesem Vorbild agiert nun auch Regisseurin Christa Ertl in Baden. Auch sie hat sich nicht an Musikschulen umgesehen, sondern Kinder, die gerne singen, zum Casting gebeten. 130 Begeisterte haben sich beworben. 20 davon stehen nun auf der Bühne, denn bis auf vier Rollen werden alle Partien von Kindern dargestellt. Eine logistische Herausforderung, der man sich am Haus mit Freude gestellt hat.
Lindgren und Nöstlinger in St. Pölten
Kontinuierlich gestiegen sind auch die Familienabonnements am Landestheater Niederösterreich. Hier beschäftigt man sich am Kindertheatersektor vor allem mit der Umsetzung von Kinderbuch-Klassikern. Zum 75. Geburtstag von Christine Nöstlinger hat man sich heuer für ihre preisgekrönte „Detektivgeschichten vom Franz“ entschieden. Im Zentrum steht die resolute kleine Gabi, die Detektivin werden will und ihren Schulfreund Franz kurzerhand zum Helfer bestimmt.
Verbrechen sind auch in der zweiten Produktion der Wintersaison des Hauses ein Thema: Da thematisiert man den strengen Ehrenkodex von Astrid Lindgrens „Ronja Räubertochter“. Für Kinder ab sechs Jahren – und alle Junggebliebenen. Denn wie schrieb schon die 2002 verstorbene Autorin Astrid Lindgren: „Man trägt ja alle Alter in sich. Manchmal schaut das eine hervor, manchmal das andere."
Von Michaela Knapp









