Die Aufführungen des Wiener Kindertheaters, die heuer „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ ab 7. September auf die Bühne des Studio Molières bringen, offerieren eine "Seelenkur" für die mitwirkenden Kinder und einen besonders lebendigen Theaterabend für die Zuschauer.
Theater, das von großer Spielfreude und von Spontaneität gekennzeichnet ist und für die Akteure gleichzeitig eine kleine Schule des Lebens sein kann, kommt ab 7. September wieder auf die Bühne des Studio Molières. Das Wiener Kindertheater bringt dort Ferdinand Raimunds „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ heraus. 120 Kinder und Jugendliche spielen die Figuren vom geizigen, jähzornigen Rappelkopf über den betrunkenen Köhler und die Alpengeister bis zum fröhlich-nervigen Diener Habakuk.
In der Inszenierung des Wiener Kindertheaters, das von Sylvia Rotter 1994 gegründet wurde, werden viele Herausforderungen, die Raimund den Theatermachern auferlegt, durch Bewegungstheater gelöst: Kinder stellen auch Regen pantomimisch dar, werden zu Pferden und Geistern. „Ich wollte schon längst einen Raimund machen, aber ich habe seine Sachen immer zu kompliziert gefunden", erzählt Rotter. "Wenn die Geister Silberkern auf einem Felsen absetzen, kann man das entweder mit einem tollen Bühnenbild lösen, das wir nicht haben, oder aber bewegungsmäßig, was ich mit meiner Kollegin Shona Morris, einer gefragten Bewegungschoreografin, nun umgesetzt habe“.
Wie gewohnt darf beim Wiener Kindertheater jeder der Mitwirkenden seine Wunschrolle spielen, was heuer in der Besetzung der Geister zu Engpässen geführt hat, wie Rotter erzählt: „Die Geister wollten nur wenige spielen, weil sie zu den schwierigsten Rollen gehören, da sie fast immer präsent sind, aber fast keinen Text haben. Wir haben es gelöst, indem einige Kinder sowohl Geister- als auch andere Rollen übernehmen.“
Seelenkur für die kleinen Akteure
Mit ihren Darstellern erlebte sie während des mehrmonatigen Probenprozesses lustige Momente, aber auch solche, von denen sie weiß, dass ihre Schützlinge davon für die Ausbildung ihres Charakters lernen. „Witziges kam heraus, als wir die Kinder improvisieren ließen, wie Erwachsene in mächtige Wut geraten, sodass sie fast die Selbstkontrolle verlieren – wie eben Rappelkopf. Bei der Köhlerszene, einer sehr gesellschaftskritischen, wiederum hilft die Komik den Kindern mit einer Situation umzugehen, die eigentlich belastend für sie ist – denn ein betrunkener Erwachsener ist für kein Kind lustig.“
Aufgrund von Situationen wie letzterer, die die Kinder auf der Bühne zu bewältigen lernen, nennt Rotter die Arbeit am Kindertheater eine „Seelenkur. Zudem bekommen die Kinder durch das Spiel nicht nur eine anderer Wahrnehmung von sich selbst, sondern auch von anderen.“ Kinderpsychiater Max Friedrich, der sich seit 2008 für das Wiener Kindertheater engagiert, wird nicht von ungefähr zitiert: „Gäbe es mehr Initiativen wie das Wiener Kindertheater, hätte ich weniger zu tun.“ Rotter nennt es "die Kinder auf das Leben vorbereiten und ihr Gefühl für einander und den Teamgeist sowie ihre Kreativität stärken. Ich möchte die Kinder für das Leben wappnen.“
Voll Leben und Energie
Für die Zuschauer wiederum seien die Aufführungen am Kindertheater deshalb besonders, „weil man von Kindern nur bedingt Präzision, dafür aber umso mehr Leben und Energie erwarten kann. Es kommt rüber, wie viel Freude sie am gemeinsamen Spiel haben. Die Kindern steigern sich rein und dann wird´s herrlich.“
Theresa Steininger









