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Festspielzeit an der Rax

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Festspielzeit an der Rax

Eva Herzig, Joseph Lorenz, Sona MacDonald
© Festspiele Reichenau, Foto: Carlos de Mello/Peter Loidolt

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Festspielzeit an der Rax

Gerd Böckmann, Marcello de Nardo
© Festspiele Reichenau, Carlos de Mello

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Bei den Festspielen Reichenau werden „Strudlhofstiege“, „Besuch der alten Dame“, „Die Macht der Gewohnheit“, „Kinder der Sonne“ und „Spiel im Morgengrauen“ geboten, insgesamt 130 Vorstellungen in sechs Wochen.

Ein Doderer-Stationentheater, ein Weltstar, ein Russe und zwei gänzlich verschiedene österreichische Autoren bestimmen heuer das Programm der Festspiele Reichenau. Wie im vorigen Jahr, dem 20er-Jubiläumsjahr, hat man auch heuer wieder fünf Stücke angesetzt. „Das ist gewagt, aber sehr schön“, sagt Intendant Peter Loidolt im Pressegespräch.

Den Anfang macht „Besuch der alten Dame“ am 4. Juli. Moment, Dürrenmatt bei den Festspielen, die traditionell hauptsächlich auf Autoren wie Schnitzler und Hofmannsthal setzen, also solche, die zur Monarchie-Sommerfrische-Stimmung des Ortes passen? „Darauf sind wir gekommen, als wir vor zwei Jahren den ‚Hauptmann von Köpenick’ spielten“, sagt Loidolt. „Wir wollten das Stück aber nur machen, wenn wir eine ideale Besetzung bekämen. Ich schrieb ein Mail an Milva und am nächsten Tag war die Antwort da: Sie sei interessiert.“ Die rothaarige Italienerin spielt gemeinsam mit Martin Schwab.

Musik lockt von Bühne zu Bühne

Eine Neuerung gibt es im Südbahnhotel: Nicht mehr länger auf zwei, sondern auf drei Bühnen teilen sich die Geschehnisse auf – heuer jene von Heimito von Doderers „Strudlhofstiege“, adaptiert von Nicolaus Hagg (Premiere 5.7.).  „Das Publikum folgt Musik und Geräuschen zur nächsten Szene, es geht der Handlung hinterher“, erklärt Regisseurin Maria Happel k2. Joseph Lorenz spielt den Melzer. Er sieht es, wie er im Interview mit k2 beschreibt, als „reizvolle Gefahr, ein Buch auf die Bühne zu bringen, das jeder kennt. Man muss da auf andere Gesetzmäßigkeiten achten. Wenn die Leute unten sitzen und sagen: ‚Hätte ich lieber das Buch gelesen.’, hat man verloren.“ Doch Autor Hagg widerlegt seine Bedenken: „Ich glaube, das Buch ist eher nur nominal bekannt. Aber es birgt ganz große Geschichten.“

Eine Karte für „Strudlhofstiege“ im Südbahnhotel am Semmering bekommt man heuer nur in Kombination mit Karten für das Theater Reichenau. „Es muss diese Restriktionen geben“, sagt Loidolt. „Und ich möchte sowieso, dass die Leute einen Gesamteindruck von den Festspielen bekommen und nicht nur eine Schicki-Micki-Star-Veranstaltung besuchen.“ Außerdem sei man sehr froh, das Südbahnhotel weiter halten zu können. Mit dem derzeitigen Besitzer sei vereinbart, dass die Festspiele so lange in dem patinagetränkten Bau spielen, bis er verkauft.

Thematische Verwandtschaft

Auf die Premiere der „Strudlhofstiege“ folgt am 6. Juli „Die Macht der Gewohnheit“ von Thomas Bernhard mit Wolfgang Hübsch, darauf Maxim Gorkis „Kinder der Sonne“ (ab 10. Juli) mit Regina Fritsch und Peter Matic. Bereits mehrmals standen russische Autoren auf dem Spielplan in Reichenau: „Die Russen sind atmosphärisch ähnlich wie Schnitzler und Hofmannstahl, auch thematisch besteht hier eine riesige Verwandtschaft“, beschreibt Intendantin Renate Loidolt.

Spieler als Opfer der verkommenen Gesellschaft

Um eine Gesellschaft, deren Werte am Verkommen sind, geht es Nicolaus Ofczarek in seiner Sicht auf „Spiel im Morgengrauen“, seiner ersten großen Inszenierung, nachdem er voriges Jahr den Kabarett-Abend „Parkbankphilosophen“ in Team-Arbeit mit seiner Frau Tamara Metelka und Nicolaus Haag auf die Bühne gebracht hat.

In der Schnitzler-Adaption (ab 11. Juli) von Stefan Slupetzky spielt Marcello de Nardo den Militaristen, der seinem Freund helfen will und beim Spielen „in einen Sog gerät und dann im Sumpf landet“, wie de Nardo k2 salopp beschreibt. „Er scheitert am Begriff der Ehre, da er diesem Ehrgefühl und dem Schwur, den er beim Heer geleistet hat, nicht mehr gerecht wird und keinen Ausweg mehr sieht.“ Schon voriges Jahr gab de Nardo einen dem Spiel Verfallenen in der Zweig-Adaption „24 Stunden aus dem Leben einer Frau“: „Beide werden im Überlebenskampf gezeigt, aber voriges Jahr spielte ich mehr einen Süchtigen, diesmal ist es nicht so ein krampfhafter Sog.“

Klavier-Größen

Abgerundet wird das Reichenau-Angebot durch Klavierkonzerte von Rudolf Buchbinder, der am 5.7. zwei Mal ein Programm mit Haydn-Sonaten und solchen, die Beethoven Haydn widmete, spielt, und von Oleg Maisenberg, der am 2. August Ravel, Debussy und Mussorgsky darbietet.

Theresa Steininger


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