In Gutenstein wird Gustav Klimt von André Bauer verkörpert, Sabine Neibersch spielt Emilie Flöge. © Festspiele Gustenstein
Erneut Welturaufführung bei den Festspielen Gutenstein: „Gustav Klimt – Das Musical“.
Nach dem erfolgreichen Auftaktjahr 2008 – 12.000 Besucher kamen ins Festspielzelt, um sich von Pharao Tutanchamun ins „musicalische“ Ägypten entführen zu lassen - setzen die Festspiele Gutenstein unter der künstlerischen Leitung von Ernst Neuspiel die neu eingeschlagene Programmlinie mit „Gustav Klimt – Das Musical“ nahtlos fort. Premiere und Welturaufführung ist am 2. Juli 2009, gespielt wird bis 9. August.
Leidenschaftlich, geheimnisvoll, bewegend, widersprüchlich: So faszinieren nicht nur die Werke Gustav Klimts, sondern auch das Leben des berühmtesten österreichischen Malers. In einfachsten Verhältnissen geboren in ein Wien voller Gegensätze von bitterer Armut und überbordendem Reichtum, verkörpert Klimt das vibrierende Lebensgefühl einer ganzen Epoche: Er prägte den Wiener Jugendstil, war Wegbereiter der Moderne und lebte die Extreme: Von Schicksalsschlägen und tiefster Verzweiflung bis zu höchstem Triumph.
Freundschaft und Besessenheit
„Gustav Klimt – das Musical“ folgt der Biographie Gustav Klimts von seinen Jugendtagen bis zum Tod. Nach den erfolgreichen Jahren als Auftragsmaler im Stile des Historismus, beginnt Klimts „Genius“ immer mehr von ihm Besitz zu ergreifen und nach dem tragischen Tod seines geliebten Bruders Ernst beschreitet Klimt völlig neue künstlerische Wege. Dies führt nicht nur zum Bruch mit seinem bisherigen Kompagnon und besten Freund Franz Matsch, sondern stößt auch auf enormen Widerstand in konservativen Künstler- und Staatskreisen: Klimts Tabubrüche führen bald zu den heftigsten Kunst-Skandalen, die das Land bis dato gesehen hatte.
Und Klimt fühlt sich hin- und hergerissen zwischen seinem Streben nach Anerkennung und dem Kampf um künstlerische Freiheit.
Doch auch privat bleibt er ein Suchender zwischen zahllosen erotischen Amouren und der tiefen Lebensliebe zu seiner Muse Emilie Flöge, die ihn als Seelenverwandte durchs Leben begleitet und den Typus „der modernen Frau“ in einer Zeit lebt, in der dieser Begriff noch nicht einmal geboren ist. Gustav Klimt ist Verführer und Verführter, wird in gleichem Maße verteufelt wie vergöttert. Ein Familienmensch, der doch jede Bindung scheut und bis zu seinem Tod einen lebenslangen, furiosen Kampf um künstlerische und persönliche Freiheit führt.
Das Feuer eines großen Künstlers
Mehr als eine unterhaltsame Aufbereitung historischer Fakten in phantasievoller Umsetzung verspricht der künstlerische Leiter Ernst Neuspiel für die Welturaufführung von „Gustav Klimt – das Musical“: „Das Publikum erwartet ein wahrer Rausch der Sinne! Große Emotionen im Spannungsfeld zwischen Klimt-Gemälden, Musical-Rockmusik, multimedialem 3D-Bühnenbild und Jugendstil-Flair. Eine einzigartige Melange der Künste.“
Co-Autorin Birgit Nawrata weist auf die Aktualität des Stoffes hin: „Gustav Klimt ist das Portrait eines extremen Menschen, eines aufregenden Lebens in einer Zeit voller Gegensätze. Aber noch viel mehr: Gustav Klimt ist auch ein Stück Österreich wie es leibt und lebt. Aufbruch und Morbidität. Triumph und Neid. Und Leid. Die Produktion wird ziemlich unter die Haut gehen.“
Genau das versprechen auch die Überlegungen von Regisseur Dean Welterlen zu seinem Inszenierungskonzept: „Einem der berühmtesten Österreicher, der noch dazu auch einer der wortkargen Sorte war, in einem Musical gerecht zu werden, kann uns nur über die emotionale, menschliche Ebene gelingen. Das Genie eines Menschen, der durch seine Kunst seine Zeit wie sonst kein anderer geprägt hat, zu entziffern, ist die Schwierigkeit. Den Menschen Klimt - wie er selbst gesagt hat - in seinen Bildern zu suchen, ist die Aufgabe. Alle zur Verfügung stehende Musiktheater-elemente wie Licht, Schatten, Stille, Komposition, Farbe, Rhythmus und Bewegung zu einem sinnlichen Gesamtkunstwerk zusammen zu bringen, ist das Ziel.“
Die wesentlichste Rolle wird dabei natürlich der Musik von Gerald Gratzer zukommen. „Gerald Gratzer gelingt es, die sensible Künstlerseele Gustav Klimts in all ihren Facetten wunderbar emotional zu portraitieren. Ob mit düsteren Balladen oder triumphal-rockigen Hymnen auf die Freiheit der Kunst, er verleiht den Figuren eine musikalische Stimme, die einfach zu berühren vermag. Und er malt mit seinen Klängen auch ein wunderbares Gefühlsbild einer Zeit des Aufbruchs und der beginnenden Moderne“ zeigt sich Co-Autor und Produzent Niki Neuspiel von der Musik Gratzers begeistert.
Unterstützt wird das Regiekonzept Dean Welterlens durch das Bühnenbild von Eduard Neversal, das haptische Elemente, wie verschieb- und drehbare Periakten mit animierten Projektionen von Norbert Wuchte verbindet. Neversal: „Auf Basis der sinnlichen Farbwelten Gustav Klimts werden im Einklang mit der Musik visuell akustische Stimmungen geschaffen. Es wird die Aura einer aufregenden Epoche der europäischen Kunst- und Kulturgeschichte vermittelt, die bis heute ausstrahlt und die Kunstschaffenden nach wie vor stark beeinflusst.“
Auch Uschi Heinzl, die für das Kostüm verantwortlich zeichnet, freut sich auf die Interpretation des Jugendstils: „Die weibliche Hauptfigur, Emilie Flöge, war ja selbst eine erfolgreiche Modeschöpferin. Es war ihre Modelinie, durch die in Österreich die „Moderevolution“ für Frauen in Gang gesetzt wurde. Starre Korsetts wurden abgelöst durch weite Taillen, gerade Schnitte und Formen. Dieser Entwicklung werden wir natürlich auch im Stück Rechnung tragen.“
Da die Handlung des Stückes einen so großen zeitlichen Rahmen abdeckt, werden vor allem zu Beginn des Stückes auch noch Kostüme im „alten Stil“ zu sehen sein. Heinzl: „Wir versuchen, historisch korrekt zu bleiben, erlauben uns jedoch bewusste Modifikationen.“ Heinzl verspricht prägnante Muster in Schwarz-Weiß und Gold: „Und natürlich wird Gustav Klimt auch in seinen berühmten Malerkitteln zu sehen sein!“
Bewährtes Team und Top-Besetzung
Für die Musik zeichnet – wie schon bei der erfolgreichen Produktion „Tutanchamun“ im Vorjahr - Gerald Gratzer verantwortlich, Buch und Lyrics stammen aus der Feder von Sissi Gruber, Birgit Nawrata und Niki Neuspiel. Für die Inszenierung konnte, wie bereits erwähnt, abermals der international erfolgreiche Regisseur Dean Welterlen gewonnen werden, für die Choreographie der nicht minder renommierte Cedric Lee Bradley. Bühnenbild und Kostüme liegen bei Eduard Neversal und Uschi Heinzl ebenfalls wieder in bewährt hochprofessionellen, kreativen Händen.
Gustav Klimt wird von André Bauer verkörpert, der einem breiten österreichischen Publikum u. a. durch seine Rollen in „Elisabeth“ (Franz Josef) , „Mozart“ (Vater Mozart) und „Rebecca“ (Frank Crawley) bekannt ist. Im Vorjahr begeisterte er bereits als Vertrauter des Pharaos Tutanchamun in Gutenstein. Mit Sabine Neibersch als Emilie Flöge konnte eine österreichische Künstlerin gewonnen werden, die mit Hauptrollen in „Die Schöne und das Biest“, „Robin Hood“ und „Jesus Christ Superstar“ schon internationale Erfolge feierte.
Auch die weiteren Rollen sind mit Barbara Obermeier, Lucius Wolter, Harald Tauber, Lisa Habermann, Thomas Smolej, Dana Harbauer u. a. durchwegs prominent besetzt. Mit August Breininger wurde ein Theaterbegeisteter und ehemaliger Kulturpolitiker und Bürgermeister aus Baden zur Mitwirkung gewonnen, der neben den Musical-Stars als bürokratischer „Kulturminister von Hartel“ für Lokalkolorit sorgen wird.
Von Werner Schuster








