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Schwebende Väter

schuster, 20.01.2010 11:10

In „Väter“ erzählen ein Deutscher, ein Russe und ein Lette von ihren Vätern. Im Akademietheater erinnern sie sich als Söhne und erzählen als Schauspieler.

Das könnte ein anklagender Abend werden a la Kafkas „Brief an den Vater“. Aber das wird es nicht, obwohl sich die Söhne von ihren Vätern nicht immer gut behandelt vorgekommen sind.

Vielleicht sind die Söhne in diesem Stück auch schon zu alt, um nicht auch das Positive zu sehen, das von ihren Vätern auf sie übergegangen ist. Jedenfalls wird im Publikum sehr viel gelacht, wahrscheinlich, weil man sich oder andere wieder erkennt.

Gundars Abolins, Juris Baratinskis und Oliver Stokowski erzählen von ihrer Jugend in Riga, Moskau und Kassel, von ihrer weiteren Entwicklung anhand der Väter. Die Darsteller befinden sich anfangs auf einer Bühne, die ihre Garderoben in Zürich und Riga imitiert. Deren Fotos sind in Originalgröße auf mobile Holzwände geklebt. 

Fotorealismus

Ständig tragen Bühnenarbeiter neue Holzwände daher, auf denen bald immer neue fotorealistische Bilder der Väter zu sehen sind, während die drei Männer ihre Geschichten erzählen.

Wenn einer mit dem Erzählen dran ist, werden die anderen von Maskenbildnerinnen geschminkt. Nach und nach bemerkt man, dass sie in ihre Väter verwandelt werden.

Die Vorstellung bleibt in einer eigenartigen Schwebe: Man hört persönliche Geschichten, erlebt aber keinen Seelen-Striptease. Es ist schon Theater, aber nicht so richtig. Es ist witzig bis lustig, aber eigentlich auch wieder nicht; oder mindestens genauso traurig und tragisch.

Und ich denke, so wie Beethoven angeblich kompositorische Probleme gelöst hat und wir bloß schöne Musik hören, so hat Hermanis die Zusammenhänge von Theater und Instinkt, Kunst und Leben untersucht. Und wir erleben einen ästhetisch-zarten Abend (in dem auch einiges an zwischenmenschlicher Brutalität zu Sprache kommt).

Von Werner Schuster

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