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Netrebko auf Deutsch

schuster, 2010-04-07 14:43

Der Regisseur Martin Fried hat einmal gemeint, wenn du in einer Berghütte eingeschneit bist und dort nur Theaterstücke und alte Zeitschriften herumliegen, wirst du die Zeitschriften lesen. Opernlibretti wird man selbst dann nicht zur Hand nehmen, wenn es sonst nichts gibt.

Seit geraumer Zeit jedenfalls kann man in der Staatsoper die übersetzten Texte mitlaufen lassen, und als ich am 5. April so schlechte Karten für „La Boheme“ mit der Netrebko hatte, dass ich den rechten Bühnenzipfel nur erspähen konnte, wenn ich der Vorderfrau in den Nacken atmete, (und dort, also am Zipfel, spielt sich überhaupt nichts ab!) las ich diese dann tatsächlich.

Es war schrecklich. Also nicht die Netrebko. Ich meine, es genügt, den Inhalt einer Oper zu kennen und sich dann vorzustellen, dass die zu ihrem meist einfallslosen Spiel (wahrscheinlich nicht die Netrebko, aber die hab ich ja nicht gesehen) wenigstens anregende Sätze singen.

So wie man glaubt, dass Menschen, deren Sprache man nicht versteht, interessante Gespräche führen. Dabei sagen die wahrscheinlich auch bloß „Was gibt‘s denn heute im Fernsehen?“ und „Ich möchte aber lieber den Krimi sehen“.

Oder: „Man nennt mich Mimi, warum, weiss ich nicht. Allein für mich koch ich mein Essen. Ich gehe nicht immer in die Messe, doch bete ich oft zu Gott. Ich lebe allein, ganz allein hier in einem weißen Kämmerchen; schau über die Dächer und in den Himmel, doch fängt es an zu tauen, mein ist die erste Sonne; der erste Kuss des Aprils ist mein. Die erste Sonne ist mein! In einer Vase spriesst eine Rose; Blatt um Blatt seh ich erblühn. So hold ist der Duft der Blumen! Doch die Blumen, die ich sticke, ach.... die Blumen, die ich sticke, ach! die haben keinen Duft! Sonst weiss ich von mir nichts zu berichten; ich bin Ihre Nachbarin, die eben hier eintrat, um Sie zu belästigen.“

Was soll man dazu sagen? Vielleicht: Manche Dinge bleiben besser geheimnisvoll.

Aber die Netrebko hat das ganz wunderbar gesungen.

Von Werner Schuster

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