Gute, böse und arme Millionäre
schuster, 2010-02-16 09:10
Und gleich noch ein TV-Tipp: Wem wie mir zu Boeing nicht viel mehr als Flugzeug einfällt, zu Steinway teures Klavier, zu Heinz mit etwas Nachdenken Ketchup und zu Astor eigentlich nichts, der kann sich mit der auf Arte ausgestrahlten Doku-Reihe „Vom Pionier zum Millionär“ schlau machen.
Im ersten Teil, der sich William Edward Boeing widmete (und am 22. 2. 2010 um 14 Uhr wiederholt wird), konnte man zum Beispiel erfahren, dass erfolgreiche Menschen nicht immer erfolgreich sind. Boeing etwa war nach dem Ersten Weltkrieg nahe dran, seine Flugzeug-Werft zuzusperren, weil man keine Kriegsflugzeuge mehr brauchte und weil er die zivile Luftfahrt gewissermaßen erst „erfinden“ musste. Dies geschah über den Umweg des Posttransports.
Und nach einem Prozess, der ihm 1934 wegen vermeintlicher Geheimabsprachen angehängt wurde, zog er sich verbittert aus dem Geschäftsleben zurück und verbrachte den Rest seines Lebens als Privatier.
Am 16. 2. um 19.30 Uhr (Wiederholung 23 .2.) ist Henry Steinway dran, der sich sinngemäß vom sprichwörtlichen Tellerwäscher zum Millionär hochgearbeitet hat.
Am 17. 2. (WH 24 .2.) widmet sich die Reihe Henry John Heinz, der nicht nur mit Ketchup, sondern auch mit Fertiggerichten reich wurde. Außerdem war er einer der eigenwilligsten Fabrikbesitzer der USA: Seine Mitarbeiterinnen wurden täglich manikürt, und die Firma umsorgte ihre Angestellten mit ärztlicher Betreuung und zahlreichen Freizeitangeboten. So wurde er zwar nicht zum reichsten, dafür aber bei seinen Arbeitern und Kunden zu einem der populärsten Unternehmer Amerikas.
Um den einstmals reichsten Mann der Welt geht es am 18. 2. (WH 25 .2.): Johann Jakob Astor tauschte im frühen 19. Jahrhundert bei Indianerstämmen billige Waren gegen kostbare Felle und Pelze, stieg mit skrupellosen Methoden bald zum wichtigsten Pelzhändler Amerikas auf, erwarb im stetig wachsenden New York Grundstücke und wurde so zum größten Immobilienbesitzer Manhattans. Die Dokumentation zeugt aber auch von der Mitschuld Astors am Genozid an den Indianern, indem er Alkohol als Tauschmittel gegen Pelze einsetzte. Und auch für die Tausende von Hungernden in seiner Stadt hatte er kein Geld übrig.
Von Levi Strauss schließlich (18. 2./ 24 .2.) weiß man wahrscheinlich, dass er die Jeans erfunden hat. Die Dokumentation nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise zurück in die Vergangenheit, indem er den beschwerlichen Weg des jungen Löb Strauss aus Buttenheim über Bremerhaven und New York bis nach San Francisco verfolgt. Sie zeichnet ein spannendes Bild vom Überlebenskampf der deutsch-jüdischen Einwanderer im Amerika des 19. Jahrhunderts und beleuchtet den rasanten Aufstieg des Kurzwarenhändlers Levi Strauss, der mit der Erfindung der Bluejeans zum Millionär wurde.
Von Werner Schuster
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