Schlag nach bei Prawy
steininger, 2011-12-30 17:30
"Schlag nach bei Prawy - und du holst dir jede Frau". Mit einem humorvoll umgedichteten Kiss-me-Kate-Schlager startete Christoph Wagner-Trenkwitz mit Unterstützung von Boris Pfeifer in einen Abend, mit dem die Volksoper eine Hommage an den großen Opernführer, aber viel mehr noch an den Musical-Revolutionär der eigenen Bühne gestaltete. Wagner-Trenkwitz holte sich hochkarätige Zeitzeugen an seine Seite, Olive Moorefield machte schmunzeln, als sie erzählte, dass Prawy einst bei ihrem Vorsingen in einem New Yorker Hotel weggelaufen war - doch nicht, weil ihm missfiel, was er hörte, sondern weil er das stundenweise zu bezahlende Hotel schnell verlängern musste. Sie wurde seine Bianca, seine Bess - und das, obwohl Prawy und sie sich oft fetzten. "Man wusste nie, was herauskommt zwischen uns, Lachen oder Schreien." Lachen auf die Gesichter der sich gerne an Prawy erinnernden Zuschauer zauberte auch Julia Migenes, die von Prawy, als sie die Maria in "West Side Story" einstudierte, eine Kassette bekam, auf der er die deutsche Aussprache aufgenommen hatte - "Er wollte, dass ich genau weiß, wo das CH in Nacht ist, es hörte sich also an wie Nachchchchcht", so Migenes. Auch auf Fragen Wagner-Trenkwitz wie "Hat er mehr gestört als geholfen bei den Proben" konterte sie charmant: "Man hat sich geliebt gefühlt".
Und um welche Melodien die Wiener (zumindest noch einige Zeit) umgefallen wären, hätte Prawy das Musical nicht an der Volksoper etabliert - davon zeugten Ausschnitte aus "Kiss me, Kate", "Wonderfull Town", "Annie, get your gun", "Carousel", "Porgy and Bess", "Candide", "Show Boat" und "West Side Story". Ob es Prawy, der doch die Stücke stets auf Deutsch übersetzte, gefreut hätte, dass zahlreiche Songs auf Englisch geboten wurden? Stefan Cerny gefiel mit rundem, voluminösem Bass, Johanna Arrouas und Sigrid Hauser mit Spielfreude und klarem Sopran, Boris Pfeifer mit Witz, souverän auch Marco Di Sapia und Alexander Pinderak, letzterer vor allem als wunderbarer West-Side-Story-Tony mit betörendem "Maria", weniger motiviert und an ihre Grenzen stoßend Adrineh Simonian. Vor allem Cerny gefiel sehr als Porgy und mit "Almost like being in Love" aus "Brigadoon" - das nie an der Volksoper zu sehen war, was Prawy aber angestrebt hatte. Und warum soll man nicht auch posthum Wünsche erfüllen - falls dies auch szenisch umgesetzt werden sollte, hätte man jedenfalls schon die perfekte Besetzung für einen Part. Einige selten gebotene Melodien waren an diesem Abend zu hören. Das Publikum freute sich besonders, dass Julia Migenes, Prawys einstige Maria, auch "Somewhere" und "Youll never walk alone" zum Besten gab.
Theresa Steininger
Wiederholung am 3. Jänner 2012, Volksoper Wien



