"Präpotenter Lackl ist mir lieber als Langweiler oder Krawattltenor"
steininger, 2010-06-20 15:19
Noch-Staatsoperndirektor Ioan Holender ließ sich von Armin Wolf und Bogdan Roscic interviewen - hier die besten Aussagen:
"Eigentlich war der Vormittag so gedacht, dass ich damit Erfolg habe", sagte Holender gleich zu Beginn ... jedoch auf eine vergleichsweise harmlose Frage. Die Matinee hatte mit einem Auszug aus der Kinderoper "Pünktchen und Anton" begonnen, in dem Holender als Pogge über seine Abneigung der Oper gegenüber singt. Armin Wolf fragte Holender daraufhin provokant: "Hätten Sie diesen Sänger engagiert?" - "Ja, aber ich würde ihm keine große Zukunft voraussagen - als Sänger", zog sich Holender gekonnt aus der Affäre. Doch Wolf ließ nicht locker, hatte gar Karl Löbls Bewertung von einem Gesangswettbewerb in Holenders Anfangsjahren dabei: "Präpotenter Lackl" hatte Löbl damals unter anderem geschrieben. "Mir ist es lieber so, als wenn er gesagt hätte: bescheidender, langweiliger Vortrag. Außerdem muss man das in Relation sehen, Löbl nannte einen auch singende Kredenz und Krawattltenor."
Durch Eberhart Waechter war Holender dann schließlich dorthin gekommen, wo er 19 Jahre residiert hat: "Komm, mach ma uns a Gaudi, schlechter als die anderen können wir auch nicht sein" - so habe ihn Eberhart Waechter seinerzeit überredet, mit ihm Direktor zu werden, plauderte Holender aus dem Nähkästchen. Auch finde er es "keine Hexerei" Direktor zu sein. "Das Publikum hat mich ausgehalten und ich das ganze Rundherum".
Wie er sich selbst beschreibe? "Als Person, die am schnellsten Wege zu dem Ziel kommen will, das sie sich selbst gesteckt hat. Jetzt, wo ich gehe, geht auch endlich alles schnell genug in der Oper."
Woran es liege, dass er bekannter ist als viele Regierungspersönlichkeiten? "Ich glaube, es liegt an den Regierungspersönlichkeiten", meinte Holender, was Wolf mit "1:1" kommentierte.
"Sprechen wir doch einmal von etwas, von dem sie wenig Ahnung haben - Eitelkeit", meinte Wolf dann. "Wenn es eitel ist, wenn ich nicht dick sein will, immer noch in meine alten Anzüge passen möchte, gut. Aber ich betrachte mich in aller Bescheidenheit als uneitel."
Nicht geizig, kein Macho
"Macho, eitel, enormes Sachwissen, diktatorisch, geizig, großzügig, nicht in finanzieller, aber ideeller Hinsicht, begeisterungsfähig", so zitierte Wolf Karl Löbl, den er um eine Beschreibung Holenders gebeten hatte, und fragte: "Können Sie dies unterschreiben?" "Ich bin nicht geizig", sagte Holender und ließ - oft verschmitzt lächelnd - Zitate folgen wie: "Ich fahre gerne 2. Klasse und bin glücklich dort." .... "Ich bin gerne in Japan, wo man keine Trinkgelder gibt." ... "Ich habe mich gefreut, als ich für die U-Bahn die Seniorenkarte kaufen konnte....auch wenn mich nicht gefreut hat, dass beim ersten Mal kein Ausweis verlangt wurde." Auch den "Macho" blockte er ab: Er habe nur eine Frau und wolle auch nur eine.
"Hätten Sie sich selbst gerne als Chef?", wollte Wolf auch wissen. "Nein, aber ich würde mich sehr respektieren."
Gefragt, ob es denkmöglich sei, dass seine Nachfolger Dominique Meyer und Franz Welser-Möst es besser machen als er: "Es ist denkmöglich, aber ich denke es nicht". Er werde eine Saison lang wegbleiben, sich höchstens auf den Stehplatz schleichen: "Die werden das gut ohne mich machen."
Wie seine Bilanz ausfalle?
"Was weitgehend gelungen ist, ist, ein Ensemble aufzubauen, das weltweit bewundert wird", sagte Holender. Auch das Aufbauen von jungen Sängern zähle er zu seinen Verdiensten. Zudem seien für ihn die Werke immer im Vordergrund gestanden: "Ich habe nie Oper für gewisse Sänger gemacht, das ist kein Starhaus, die Werke waren immer wichtiger als die Interpreten." Sein Fazit: "Das Haus steht besser da als zu dem Zeitpunkt, als ich angefangen habe. Ich bin gerne gekommen und ich gehe gerne."
(Theresa Steininger)
Armin Wolf, Ioan Holender, Bogdan Roscic. C: Wiener Staatsoper GmbH/Axel Zeininger



