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Elegante Unterhaltung

steininger, 2010-03-08 16:49

Elegant, mit Augenzwinkern und musikalisch wie darstellerisch gut lässt "Tanz der Blinden" in die Unterhaltungskultur der Anfänge des 20. Jahrhunderts eintauchen.

Die Diseuse mit ihren pikanten und heutzutage doch so herzig-unbedarft wirkenden Liedern über Liebeleien, der Tenor, der von seiner Grand-Hotel-Bekanntschaft Elsa genasführt wird und ihr nachweint, der Kunstpfeifer, der Conférencier, die Darsteller der Tableaux-Vivants - alle kommen sie aus einer längst vergangenen Zeit der Unterhaltungskunst, in der Kabarett noch höchst elegant war, luftig-leicht-amüsant, nie brutal. Der Abend „Tanz der Blinden“ im Souterrain des Theater an der Wien vermittelt in unterhaltsamer, teils historisiernder, teils persiflierender Weise, wie ebendort vor rund 100 Jahren gespielt, gesungen und musiziert wurde. Christoph Wagner-Trenkwitz macht auf Fritz Grünbaum, moderiert Tableaux Vivants, die aus Budgetnot nur den „Raub der SabinerIN“ zeigen, reagiert dabei auch charmant wie gewohnt auf „Da Capo“-Zurufe aus dem Publikum. Georg Wacks, der auch das Buch zu dem Abend schrieb, erzählt von der Geschichte jenes Etablissements, das in den 1910er- und 20er-Jahren wichtigste Kabarett- und Operetten-Künstler beherbergt und hervorgebracht hat, macht nette Anspielungen auf die damals dort herrschende „prickelnde, erotische Stimmung“ und leitet so von einer musikalischen Darbietung zur nächsten, in denen er, Stefan Fleischhacker, Martin Thoma und "Diseuse" Elena Schreiber elegante Lieder vortragen. Teilweise überzeichnet, aber doch irgendwie witzig ist jene Szene, in der Wagner-Trenkwitz als holde Jungfrau vor dem Vampir Wacks flieht, herzig jene, in der Wacks als griechischer Flötenspieler-Pan an seinem Kostüm scheitert. Eindrucksvoll der Auftritt Fleischhackers als Kunstpfeifer "Alois Baron von Pfiff", viele andere Nummern regen zum Schmunzeln an.

Wer sich weiter in die Geschichte der „Hölle“ vertiefen will, dem sei die interessante kleine Ausstellung im Museum des Theaters an der Wien empfohlen, wo es sogar originale Tonbeispiele von Grünbaum, Diseuse Mela Mars und anderen "Höllen"-Stars von damals gibt. "Tanz der Blinden" ist im Souterrain des Theater an der Wien noch bis 13.3. zu sehen.

Theresa Steininger

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Das LEO-Ensemble auf Zeitreise. c: Armin Bardel (3)

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