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Fledermaus-Orgie

steininger, 2010-07-17 12:27

Dr. Falke im Sadomaso-Outfit, die vergnügungssüchtige Ballgesellschaft auf einem Trip, der Frosch allein als Plastikmaske....Philipp Himmelmann wollte mit seiner Inszenierung der Strauß-Operette ganz offensichtlich provozieren, das Publikum jedoch war bei der Premiere im Theater an der Wien am Donnerstag eher gelangweilt als schockiert von seinen wenig außergewöhnlichen, zu plakativen Einfällen.

Schon während die Ouvertüre dort, wo Strauß´ oft gespielte Operette ihre Uraufführung erlebt hatte, erklang, wurde dem Publikum der Grund für der Fledermaus Rache vorgeführt. Auf einem Ball, dessen Kulisse jener des Opernballs glich, feierten Schön und Reich ausgelassen und übermütig, man spielte „Reise nach Jerusalem“, wer verlor, musste ein Kleidungsstück lassen – im Fall von Dr. Falke fiel alles bis auf ein eigenwilliges Pseudo-Lackoutfit samt Nippelaufkleber. Eine Blamage auf heute getrimmt hätte man ja noch akzeptiert, aber dass das gesamte Ensemble das Opfer auch noch in den Orchestergraben stürzte und ihn genussvoll anpinkelte, musste wirklich nicht sein.....man hatte auch ohne diese Szene verstanden, dass Eisenstein Falke bloßgestellt hat, eine derartige Geschmacklosigkeit war nicht mehr vonnöten.

Weiter ging es im munteren, orgiastischen Gefeiere, bei dem immer das gesamte Ensemble auf der Bühne war. Während man flirtete und es bunt durcheinander trieb, persiflierte Himmelmann die Spaßgesellschaft von heute, indem er ihre Bewegungen epileptischen Anstrich gab –einerseits eine gute Anspielung auf die Verrenkungen, die die so genannte High Society vornimmt, andererseits wirkte es bald eigenwillig und grotesk. Einzelne Ideen wie jene, dass die Champagnerflaschen leer bleiben, waren witzig, im Ganzen scheint es aber, als ginge es dem Regisseur mehr um den Skandal als um ein Gesamtkonzept.

Somit hatte man von dieser Aufführung musikalisch mehr, denn Cornelius Meister am Pult des Radio-Symphonieorchesters wusste den wohl bekannten Melodien viel Gefühl abzugewinnen. Unter den Sängern fiel Florian Boesch als Dr. Falke besonders positiv auf, Nicola Beller Carbone überzeichnete ihre Rosalinde von der Darstellung her, gesanglich wirkte sie teils schlampig. Kurt Streit als Eisenstein und Juanita Lascarro als Adele waren souverän, wobei Lascarro die im Winter von ihr verkörperte Poppea von Monteverdi weit besser lag. Ein paar wenige Buhs zum Abschluss waren wohl von Himmelmann angestrebt, ansonsten wurde das Ensemble und vor allem Meister bejubelt.

 

Theresa Steininger

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Die hedonistische Feiergesellschaft.

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Aus den Champagnerflaschen kam kein Schluck.

c: Armin Bardel/Theater an der Wien (2)



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