Carmen
steininger, 2010-07-21 12:03
Mit diesen Sängern wird die „Carmen“ in Klosterneuburg zum Genuss.
So stellt man sich eine Carmen-Darstellerin vor, durch eine solche Solistin wirkt Bizets Oper, wie sie es soll: Katarina Bradic hat eine prägnante, auch in tieferen Lagen starke Stimme, ihre Ausstrahlung ist voller Feuer und Leidenschaft, man nimmt ihr die Sprunghaftigkeit der Figur ebenso ab wie die Hingabe. In Bruno Ribeiro hat sie einen Don José, der vor allem in den höheren Lagen durch Stimmstärke und Exaktheit gefällt. Dazu die ausgezeichnete Ana Puche Rosado als gefühlvolle, stets das richtige Maß an Emotion in der Stimme tragende Micaela, die es am besten schafft, ihren klaren Sopran durch den Kaiserhof, in dem ohne Verstärkung gesungen wird, klingen zu lassen.
Der Escamillo von Martijn Sanders fällt gegen die drei Kollegen stark ab. Dass ihn Dirigent Enrico Calesso, der das Orchester ansonsten mit viel Gefühl leitet, in „Vivat le Torero!“ gar so streng ins Marsch-Korsett zwingt, wirkt sich erst recht ungünstig aus. Sanders Gesang wird dadurch noch unklarer, es fehlt ihm an guter Artikulation und Stimmstärke. Auffallend gut hingegen Tijl Faveyts in der kleineren Rolle des Zuniga, auch Martha Hirschmann als Mercedes und Denise Beck als Frasquita gefallen.
Michael Garschall ist bis in kleinere Rollen eine gute bis ausgezeichnete Besetzung gelungen und es sind die Sänger, die diese Aufführung sehenswert machen, während der Chor ebenso Wünsche offen lässt wie die Regie von Pascale Sabine Chevroton. Ihre Inszenierung beschränkt sich auf die vordergründigsten Einfälle zu, wird oftmals zum Stehtheater.
Auch ist der Kaiserhof des Stifts Klosterneuburg von der Akustik her nicht ideal, was zu Unstimmigkeiten in der Wirkung des Orchesters führt, wenn man einzelne Instrumente besonders stark hört, während andere verschluckt werden. Andererseits ist der Hof natürlich ein stimmungsvoller Rahmen für eine Opernaufführung. Schade, dass das Bühnenbild von Alexandra Burgstaller aus großen Klötzen zwar multifunktional ist, aber nicht dazu beiträgt, Atmosphäre zu erzeugen.
Theresa Steininger
Tipp: Da die Vorstellungen von Operklosterneuburg verdientermaßen schon sehr gut gebucht sind, hat man am 6. August eine Zusatzvorstellung eingeschoben.
Temperamentvoll: Katarina Bradic (Carmen), Sebastian Huppmann (Dancairo), Dénise Beck (Frasquita), Chor. © Roland Ferrigato
Feurig: Katarina Bradic (Carmen) mit Don José: Bruno Ribeiro. © Roland Ferrigato



