k2 weblog

William Blake Session

mangiapia, 2010-03-03 16:52

Die Garage X am Petersplatz ist kein allzu typisches Theater. Blaue Spinde anstatt der Garderobe und bunte Plastikbestuhlung auf gelb gestrichenem Holzboden machen einen freundlichen, solaren Eindruck. Künstlerisch-alternativ sozusagen und der heutigen Thematik entsprechend daher durchaus adäquat, wenn auch (dem Himmel sei Dank) ohne den gruftigen Unterton im Design, den man Dichtern und großen Geistern klischeehalber gern unterstellt.

 

William Blake hingegen, der Zeit seines Lebens als Wahnsinniger abgestempelt wurde,  griff durchaus die eine oder andere düstere Materie in seinen Werken auf. Himmel und Hölle charakterisieren, als immer wiederkehrende Metapher für die inneren Dämonen, seine Bilder und Gedichte.

Tatsächlich war Blake aber eine weitaus weniger obskure Persönlichkeit als man glauben mag.
Seiner Zeit weit voraus, verabscheute er die Sklaverei, plädierte für Menschenrechte und kämpfte für die Gleichheit der Geschlechter.

In einer Session mit der Regisseurin und Darstellerin Maria Hengge und dem portugiesischen Musiker Alexandre Soares wird Blakes Poesie wieder lebendig.
Eine eigenwillige Komposition aus Film und Musik  versetzt die Zuschauer in Blakes visionäre Bilder- und Gedankenwelt, während Hengge Gedichte vornehmlich im altenglischen Original spielenderweise zitiert.
Mit viel Ausdruck in Körper und Gesicht drückt sie Emotionen aus, die nicht immer einfach zu benennen sind, aber ihre Wirkung nie verfehlen. Eine intensive, und sinnliche Interpretation offenbart sich auf der Bühne, während im Hintergrund Bilder von Blakes Gemälden mit Landschaftsszenerien aus Deutschland, Portugal und Thailand vereint werden.

Die musikalische Begleitung auf der zwölfsaitigen, traditionellen „portugiesischen Gitarre“, die zu Blakes Lebzeiten von England nach Portugal gebracht wurde, schafft die nötige, spirituell angehauchte Stimmung.

Fast tranceartig bestreitet Hengge ihr romantisch-lustvolles Spiel in der dämmrigen Lichtstimmung.

Um mich herum ertönen langsam die ersten Schlafgeräusche: ein tiefes Schnaufen hier, ein leises Schnarchen dort. Allerdings kein Grund zur Beunruhigung! Bei dieser Art von Veranstaltung ist soetwas durchaus üblich und in keinster Weise rufschädigend. Wer nicht ein ausgekochter Blake- oder Poesie-Fan ist, fühlt spätestens nach der 20. Rezitation die Schwere des eigenen Körpers über sich hereinbrechen und entspannt ein wenig zu sehr.
(Anm.: Und schließlich besteht ein Unterschied darin, ob man wegen friedlicher Entspannung oder unerträglicher Langeweile einschläft.)

 

 William Blake Session

  (c) Maria Hengge



k2 Podcast

Juni 2011 (1): JazzFest Wien

Partner

  • Kultur Niederösterreich
  • Raiffeisen
  • Wien Kultur