Umsonst
mangiapia, 2010-02-24 11:39
In Nestroys Posse mit Gesang kann es schon einmal passieren, dass ein ungeübter Deutscher ob des Dialektes nicht ganz mitkommt.
So flüstert meine Begleitung beschämt: „Was heißt eigentlich speibn?“
-
“Kotzen“, antworte ich, „Das, was ich gleich mache, wenn
Andreas Vitásek weiterhin versucht zu singen.“ (Anm.: Auch wenn das Absicht
sein sollte!)
Für Vitásek ist dies zunächst wahrlich keine Sternstunde,
denn nebst dem Singsang überrascht er obendrein mit schlechtem Spiel.
Erst nach circa 20 Minuten fängt er sich und agiert mit gewohnter
Professionalität.
Als Schauspieler Arthur stellt er in „Umsonst“ der jungen Emma (Franziska
Hetzel) nach. Emma wiederum hat sich nicht nur in den Kopf gesetzt den Komödianten zu
heiraten, sondern auch selbst die Bühnenwelt zu erobern. Aber ihr Vormund, der
reiche Fabrikant Finster (Günter Franzmeier), sowie die gestrenge Erzieherin
Fräulein Mispl (Julia Gschnitzer), eine alte Jungfer mit Hang zu romantischer
Schwärmerei, haben andere Pläne mit ihr, die nur durch Entführung zu
durchkreuzen sind.
Gemeinsam mit Freund und Kollege Pitzl (Thomas Kamper)
stürzt sich Arthur in ein typisches Verwechslungsabenteuer à la Nestroy:
In den verschiedensten Rollen biegen sich die beiden mit viel Humor gefinkelt
zurecht, was eigentlich längst zu ihren Gunsten bestimmt war.
Unter der Regie von Michael Schottenberg wird die Posse zwar ohne Orchester, dafür aber gekonnt durch die Chorvereinigung Wien Neubau aufgepeppt. Beschwingte a capella Canons inklusive Bodypercussion werden für Auftakt und Übergänge, die den Verlauf zusätzlich abrunden, eingesetzt.
Auch bildlich ist die Dramaturgie fließend. Ein wahres Labyrinth aus Zimmern
und Türen auf der rotierenden Drehbühne (Hans Kudlich) stellt die Schauspieler
vor eine echte Herausforderung, lässt die Szenen allerdings nahtlos ineinander
übergleiten.
Das ununterbrochene Bühnengeschehen nimmt so zusätzlich an Fahrt auf und den Zuschauer mit auf einen wilden Ritt zwischen zeitlich perfekt abgestimmten Pointen, Intrigen, Verwechslungen und tollen Mimen.
So überzeugen, obwohl neben dem Zugpferd gern übersehen, gerade Vitáseks Kollegen mit ausgeprägter Körpersprache und durchdachter Mimik als echte Komödianten.
Großartige Charaktere tun den Rest - Die geile alte
Schachtel etwa, wie auch die zahlreichen Rollen von Italo-Schmeichler bis
Jugo-Kellner, in die Vitásek und Kamper virtuos hinein- und hinausschlüpfen,
sorgen für überbordende Situationskomik und Lachsalven.
Trotz Verständnisschwierigkeiten von alemannischer Seite ein echtes Gustostückerl, welches weder „zum speibn“ und schon gar nicht „umsonst“ ist.
(c) Lalo Jodlbauer



