Sommernachtstraum in Haag
mangiapia, 01.08.2011 12:55
Durch stürmischen Regen, Hagel und unendliche Weiten gereist, landen meine charmante Begleitung und ich gerade rechtzeitig im niederösterreichischen Haag, dessen Freilichtbühne Gott sei Dank überdacht ist.
Mit mir gesellen sich auch prominente Gäste wie Erwin Pröll und die quasi namensverwandte Nina Proll ins Trockene um dem, heute nicht ganz so sommerlichen, „Sommernachtstraum“ unter der Regie von Bettina Hering beizuwohnen.
Ein Regenbogen und aktuelle Popmusik bilden den Auftakt der modernen Inszenierung rund um die vier Athener: Hermia (Magdalena Kronschläger), Demetrius (Sami Loris), Lysander (Dominic Oley) und Helena (Franziska Hackl) - allesamt gekleidet als kämen sie gerade aus ihrem Yacht-Club.
Die Truppe rund um Peter Squenz (Cornelia Köndgen) überzeugt sofort. Cornelia Köndgen gleicht der jungen Debbie Harry und spielt genauso gut wie sie aussieht. Auch der übereifrige Zettel (Wolfgang Lesky) ist fantastisch glaubwürdig besetzt.
Nach der Lagebesprechung der Handwerker verwandelt sich die Kulisse (Martin Warth) mit wenigen Handgriffen in einen grünen Märchenwald um in die reichlich exzentrische Geisterwelt einzuführen. Männer wie Frauen in bunten Kleidern, Halskrausen und Tröten stehen, rund um die Elfenkönigin Titania (Babett Arens), dem eher schlicht aber pelzig gekleideten Oberon (Florentin Groll) gegenüber und beginnen ihr Gezänk.
Alles sehr stimmig, nur der Puck (Daniel Keberle) hat so gar nichts von dem allseits beliebten, normalerweise intelligent angelegtem Schlitzohr. Was aber vornehmlich mit den Regieanweisungen zusammenhängt, die auch ein paar weitere Schwachstellen verursachen. So ist man leider selbst bei diesem an sich schon komischen Stück nicht vor Slapstick Elementen gefeit und der Textartikulation fehlt es trotz aller Sympathie hin und wieder an Inbrunst.
Aber da spreche ich wohl als Kritiker, der dieses Stück schon unzählige Male gesehen hat und sich dadurch einen spezifischen Geschmack gebildet hat. Denn die dezente, lockere Abgeklärtheit im Ton der Darsteller passt natürlich zum modernen Gesamtkonzept.
Die gute Stimmung wird jedenfalls nicht gefährdet.
Das sinnbildliche Damencatchen hat es in sich, taucht Hermia Helena tatsächlich mehrmals den Kopf ins Wasser und auch die mehrstimmige Interpretation des Schlafliedes für Königin Titania und die generell exzentrische Abstraktion des Elfenvolkes sind sehr gelungen.
Insgesamt eine wirklich gute Leistung! (Anm.: Habe schon schlechtere Inszenierungen des „Sommernachtstraums“ im Burgtheater gesehen...)
© Gerhard Obermayr



