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Little Red Play

mangiapia, 2008-06-01 22:36

Die Festwochen bieten vor allem Raum für experimentelle Bühnenkunst. Zu jener Disziplin gesellt sich auch „Little Red Play“.

Irgendwie erinnert es ein wenig an Peter Lustig mit Fahrstuhlmusik. Ganz entspannt werden unter anderem die Welt, die Zeit, die DDR und der Kommunismus erklärt - anfangs von einem Kerl mit Dagobert Duck Maske (Kapitalismus) – ohne dabei jemals zu viel oder zu wenig zu sagen. Die gesprochenen Texte sind reduziert und dennoch vollendet schön, erfrischend, knackig und belustigend. Weisheit paart sich mit Humor in einer begeisternden Einfachheit.
Zugegeben, es ist nicht allzu leicht den kompletten Sinn der modernen Inszenierung zu erhaschen, bevor man nicht entsprechende Programmberichte gelesen hat, dennoch will ich dies erst nach der Veranstaltung tun, denn währenddessen genieße ich lieber den phantasievollen Trip und beobachte den Kritikerkollegen neben mir dabei, wie er auf einem Notizblock kritzelnd einen riesigen Haufen Fäkal in das Stück hineininterpretiert.

Auf der Bühne tummeln sich währenddessen Typen mit skurrilen Masken oder astronautenartigen, roten Riesenhelmen, die immer wieder wild diskutieren, langsam vorlesen, schnell umherrennen, die Lichtinstallationen variieren oder sich zu einem rapiden Diskussionsforum versammeln. (Anm.: Wahnsinn, genau so stell ich mir einen LSD-Trip vor!)

Was anfänglich chaotisch wirkt, erschließt sich dem Zuschauer nach und nach auf spielerische Art und Weise. Die Beschreibung und Beleuchtung verschiedenster Systeme aus unterschiedlichen Blickwinkeln zeichnet sich, ebenso wie die Sprache, durch ihren ambivalenten Charakter aus. Gespielt wird abwechselnd in Deutsch und Englisch, ohne dabei die Worte der jeweils anderen Sprache zu übersetzen.

Mir ist kaum aufgefallen, dass einer der Rollen zwar ein Mann ist, aber dezent weiblich geschminkt und gekleidet auftritt. Gerade so, dass es sehr natürlich wirkt. Dieser Eindruck wird durch die scheinbare Irrelevanz dieses Faktums für die Handlung noch unterstützt.

Tatsächlich fügt sich dieses Element wunderbar in dieses Spiel, in dem es auch um Masken und Betitelungen (Spion, Lügner, usw.) geht, die in den politischen Systemen der vergangenen Jahre oft zu Tage kamen.
Weiters tauchen einzelne Fragmente, wie Propaganda und Befragungsmethoden, aus den diktatorischen Systemen auf. 
Das heißt konkret: Politische Utopien der letzten 40 Jahre und deren Scheitern werden aus der Perspektive des 3. Jahrtausends betrachtet.

Mitten im multimedialen Bühnenbild wird auch das ein oder andre musikalische Highlight performt, welches ich allzu gerne auf CD ergattern würde. Der Sound geht richtig ab, die Texte sind herrlich alternativ und stehen im krassen Kontrast zu den eher härteren Beats. Arbeiterliedtext meets Drums&Base. Sehr fein, macht ordentlich Tanzlaune.

 

Vor dem Hintergrund einer technisierten Welt, in der es vor allem an Zeit mangelt, manifestieren sich jede Menge Humor, Erinnerung, Wehmut und Gefühl, die sich perfekt inszeniert zu einem bewusstseinserweiternden Erlebnis akkumulieren. (Anm.: Das Publikumsgespräch hinterher geb’ ich mir natürlich nicht, will mir ja nicht meine Phantasien versauen.)

“Revolution bedeutet immer Gewalt! Tanzen will da keiner.“ (Little Red Play)

     © andcompany&Co



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