Life Ball 2008
mangiapia, 2008-06-02 13:07
Spät aber doch, leider lässt man mich zu lange auf meine tollen Fotos mit Frau Brauner warten und so muss dieser phänomenale Erguss leider ohne prachtvolles Bildmaterial auskommen.
Zum Styling treffen sich meine Wenigkeit, ein paar Werbeträger und Stadträtin Renate Brauner im Hairsalon des Vertrauens. Hier beginnt die Party bereits um 17 Uhr und so kann man nachher fröhlich glitzernd ins Rathaus marschieren.
Der Life Ball 2008 zeigt, im Gegensatz zu unserer Truppe, bereits erste Dekadenzerscheinungen. Das immergleiche Showsymposium wird nicht nur schwächer, sondern für meinereins auch uninteressant. Ich laufe natürlich nicht über den roten Posierteppich und spätestens nach der peinlichen Rede von Sharon Stone, dem suboptimalen Kommentar von Linda Evangelista und der Auszeichnung Gery Keszlers mit dem Bundesverdienstkreuz verziehe ich mich auch schon ins Rathaus um dem Massenauflauf zu entfliehen. Jedoch nicht ohne „Sex and the City“ – Star Kim Cattrall und ihre Deutschkenntnisse zu bewundern.
Drinnen angekommen erwarten mich heiße Temperaturen und abermals viele tanzwütige Menschen. Im Innenhof lässt es sich hingegen wunderbar aushalten und die Performances sind auch um einiges integrativer, zumal mitten im Geschehen, als jene im Freien. Hier wird ausgelassen gefeiert und buchstäblich die Sau rausgelassen.
Eins ist klar, Kondom habe ich kein einziges in die Hand gedrückt bekommen und generell beschleicht mich der Eindruck, dass der Sinn und Zweck der ganzen Aktion irgendwie nach und nach verloren geht - zumindest im Bewusstsein der Gäste. Dass der Life Ball eine eher schwulenlastige Veranstaltung sein soll, ist tatsächlich ein Irrglaube. Der Homoanteil sinkt zusehends (Anm.: bestätigt mein Friseur) und die diesjährige Modenschau von Agent Provocateur beherbergt angesichts der Kollektion natürlich kaum männliche Akteure.
An sich kein Problem, denn AIDS belangt schließlich nicht nur „Randgruppen“.
Allerdings sollten sich drittklassige Politiker hinterher in Pressemeldungen auch nicht darüber auslassen, dass Herr Keszler ein Bundesverdienstkreuz für eine Schwulenveranstaltung bekommt. Wirklich lächerlich und unqualifiziert. Das bemängelte „orgiastische“ Verhalten, zu dem angeblich seitens der Veranstalter aufgefordert würde, entgeht mir ebenfalls. Zunehmend gesittet geht es hier zu und intimere Körperteile entdecken wieder ihre Affinität zu Stoff. (Anm.: An dieser Stelle sei bemerkt, dass dies auch am weniger kreativen Thema „Landing on Planet Life Ball“ liegen könnte.)
Das Keszlers Arbeit trotz aller Konstroversen gewürdigt gehört, steht außer Frage.
Fast so peinlich wie jener Politiker zeigte sich Altrockerin Deborah Harry von Blondie, die aus mir unerfindlichen Gründen glaubt Madonna kopieren zu müssen. Seltsamer Sound, dazu ein rotes Operettenkleid und viele junge Kerle die sie dabei besabbern (Anm.: oder aufpassen dass ihr Gebiss nicht rausfällt – wer weiß das schon…).
Insgesamt eine äußerst belustigende Nacht, die nächstes Jahr hoffentlich abermals ein wenig Steigerung erfährt. Trotz scheinbarem Sinnverlust ist auch dieses Mal einiges in der Spendenkassa gelandet, das Gott sei Dank auch dort hinkommt wo es hin soll – und das ist und bleibt das Wichtigste an diesem Event (Anm.: egal ob manche nur „für einen Tag hip sein“ wollen oder nicht!).
Die After-Party im Volksgarten (Anm.: wenn schon, denn schon) ist indes weniger erfreulich wenn man eine geschlagene Stunde anstehen und sich von Türstehern zusammenpferchen lassen muss. Würde ich persönlich bleiben lassen, denn solche Frechheiten finde ich menschenunwürdig.



