Kate McIntosh – DARK MATTER
mangiapia, 2010-03-01 21:01
Kate McIntosh präsentiert sich dem Publikum im brut Theater als grüner Stern am Firmament der Philosophie. Mit glitzerndem Paillettenkleid steht sie vor einer schwarzen, glühbirnenbesetzten Wand in Begleitung zweier vermeintlicher Idioten: ihrem Bewusstsein und ihrem Unterbewusstsein.
Das Stück in englischer Sprache als eine einzige Aneinanderreihung aufgemotzter,
lustiger Sinnlosigkeiten, versucht die Welt von der Bühne aus zu beschreiben:
wissenschaftliche und philosophische Fragen sollen die komplexen Mysterien
zwischen Weltall, Zeit, Masse, Gravitation, Körper und Geist im Format einer
Late-Night-Show klären.
Dabei kommen chemische Experimente wie auch kleine komödiantische Einsätze zu tragen, die Kate McIntosh mit der Hilfe ihrer zwei Assistenten (Thomas Kasebacher, Bruno Roubicek) inszeniert.
Die Neuseeländerin führt gleichzeitig mit scheinbar improvisierten Tänzen, musikalischen Untermalungen und Gesang durch einen Abend voller Charme und Humor.
Es ist vor allem die sphärische Stimme der Darstellerin, die den Zuschauer in
ihre abstrakte Interpretation des Universums entführt. So tief und so
verführerisch, dass man ihr alles glauben wollte, veranschaulicht sie die flatterhafte
Existenz „der Wahrheit“ inmitten eines Gewitters aus hinterfragenden Gedanken.
Kates Gedanken selbst sind dabei in Form der beiden anderen Darsteller auf der
Bühne manifestiert. Sie assistieren der Moderatorin, sind manchmal aber auch
kontraproduktiv und benehmen sich daneben.
Was hier so beschwingt und witzig vonstatten geht, dass man die permanente
Tiefgründigkeit des Unterfangens kaum fassen kann, ist auch das Ergebnis
ordentlicher Recherche: Philosophen und (Quanten-)Physiker dürften hier ihr
Fachwissen eingestreut haben, welches die Diskussion rund um das menschliche
Dasein greifbar macht.
Als eine Art Kritik an der spirituellen Philosophie wird
veranschaulicht, dass alles so komplex und gleichzeitig so einfach ist, wie es
nur sein kann.
„Dark Matter“ verkörpert die Frage danach, was wir wirklich wissen und welche
Relevanz dieses Wissen besitzt.
Die Antwort wird permanent gegeben und gerade am Ende des Stückes summierend
inszeniert: Kate verteilt Metronome am Boden und stellt diese nacheinander an
bis sie wild durcheinander ticken und schließlich wieder ab.
-It’s all just a big noise and then it’s over.-
© Luc Massin



