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Don Giovanni

mangiapia, 21.07.2011 13:56




Reden wir heute zunächst einmal über angebrachte Kleidung bei einem Opernbesuch. In vier Jahren hat es der Mangiapia bei den förmlicheren Events stets mit Anzügen, Hemden oder zumindest Sakkos gehalten. Nicht heute.

Eine höhere Gewalt und 28° C haben mich in meiner Sommerkleidung gefangen gehalten und so muss ich den „Don Giovanni“ im Innenhof der Technischen Universität Wien dann auch besuchen.

Wie das eben so ist, trifft man genau dann auf Bekannte, Pressesprecher und einen Pförtner, der kritisch fragt: „Oper?“
Einmal nicht aufgepasst und die Blamage wird einem förmlich aufgezwungen.
Denken Sie also an meine Worte, falls Sie bei den hohen Temperaturen mit dem Gedanken an legere Kleidung für die Oper spielen: Es zahlt sich nicht aus!



Zurück zum Wesentlichen:
Der Leporello (Andreas Jankowitsch) hat am Nachmittag einen Hexenschuss erlitten und wird sich daher darstellerisch nicht verausgaben, verkündet Intendant Harald Schlosser (Anm.: Solange alle bei Stimme sind, soll’s recht sein.).

Und damit landen wir wieder bei der Modefrage, denn Leporello betritt in moderner Straßenkleidung und Basecap die Bühne und ist damit mindestens so underdressed wie ich.

Das schwarze, geschachtelte Bühnenbild hingegen ist mehr als kleidsam, greift die  architektonische Form des Innenhofs auf und integriert sogar zwei Bäume.
So viel Naturverbundenheit ist natürlich hübsch anzusehen, nutzt aber leider auch nichts, wenn einem selbige einen Strich durch die Rechnung macht. Wo ich eben noch meine Schande unter dem vermeintlich praktischen Nutzen meiner Kleidung verborgen habe, fällt bald der erste Regentropfen...



Währenddessen betrauert eine fabelhafte Donna Anna (Çiğdem Soyarslan) den Tod ihres Vaters. Die gebürtige Türkin überzeugt mit leidenschaftlichem Einsatz und dramatischer Stimme.

Und auch die anderen Darsteller zeigen genug Talent um die Lautstärke-schluckende Herausforderung des Open-Air-Events zu meistern. Vor allem Don Ottavio (Paul Schweinester) berauscht mit seiner Arie.

Masetto (Lothar Burtscher) singt zwar nicht akzentfrei italienisch, darf Zerlina (Irina Borodyanska) aber im Lauf des Stücks trotzdem im wahrsten Sinne des Wortes das Höschen ausziehen.

Die Inszenierung (Robert Simma) hat ganz offensichtlich Sexappeal und somit ist auch klar, dass man hier viel Wert auf die optische Passung gelegt hat. Selbst schon ansehnlich, werden die Darsteller überdies zuerst in schwarz, rot und weiß gekleidet oder mit Lederjacken ausgestattet (Anita Spanring) um sich mit dem schwarz gehaltenem Hintergrund zu einem ästhetischen Bild zu verbinden:
Rote Würfel als variable Requisiten und Laubwerk, das vom Wind über die Bühne geblasen wird, erzeugen eine Aura lebendiger Leidenschaft, die offenbar auch das Wetter in Schach hält.

Das erwartete Wolkenbad bleibt aus und so verlasse ich, nach der Rückkehr der schrecklichen Statue, frierend, schlecht gekleidet aber glücklich die TU.



Bravi!

dongiovanni



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Juni 2011 (1): JazzFest Wien

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