Die Csárdásfürstin
mangiapia, 21.07.2011 13:19
Die weitläufigen Gärten des Theresianums werden heute zum verwunschenen Barocktheater.
Der efeubewachsene Steinhof ist in anbetracht der reichhaltigen Baumkulisse scheinbar nur zaghaft mit Stoffen, Lustern und Engelsfiguren geschmückt und so sieht es zunächst aus als würde die Natur klar gegenüber dem menschlichen Bau obsiegen.
Romantisch und verspielt, aber die Assoziation zwangsläufig eher zum Sommernachtstraum lenkend als ins Budapester Orpheum.
Auch was die Akustik anbelangt hat man Schwierigkeiten die Natur mit der Technik zu kontrollieren. Mal wird mit, mal ohne Mikrophone gearbeitet und dementsprechend entstehen merkwürdige Diskrepanzen in Lautstärke und Aussteuerung.
Schauspielerisch ist die Besetzung, abgesehen von Graf Boni (Michael Havlicek), recht fitt. Letzterer kann es jedoch so gar nicht und daher ist es kein Wunder, dass das stets im Hintergrund schwelgende kriegsbedingte Unheil dieser Operette zunächst kaum zum Ausdruck kommt. Sylva Varesco (Patricia Nessy) und Edwin Ronald (Eugene Amesmann) müssen Schwerstarbeit leisten um das Publikum zu bezirzen, was ihnen auch gelingt- bis ein nerviges Kind wieder einmal „Extrablatt“ brüllend über die Bühne rennt.
Die Tänzerinnen bringen da schon mehr Spaß und auch die Choreographie wird zunehmend dynamischer, bleibt im zweiten Teil dann aber quasi völlig aus.
Stimmlich überzeugen vor allem Nessy und Amesmann, obgleich beide mit Mikrophonen ausgestattet sind (Anm.: Angesichts des Freiluft-Umstandes und der Profession der beiden Kammersänger aber durchaus zulässig.)
Mit zunehmender Finsternis erstrahlt der steinerne Hof in goldenem Licht und die Bühnenstimmung passt endlich zum Stück, dessen Kulisse sich nun zu einer mehrdimensionalen Spielfläche entwickelt. (Anm.: Auch für die Gelsen, die nun überall zu sein scheinen und daumengroße Stichwunden hinterlassen...
So mündet Alles in einem juckenden aber glaubwürdig schillerndem Finale.
(Ein unangenehmer Aspekt, der sich in der Gesamtbewertung widerspiegelt:)
Im Großen und Ganzen ein recht angenehmer Zeitvertreib, jedoch streckenweise langwierig und Slapstick-strapaziert.



