Der Widerspenstigen Zähmung
mangiapia, 2010-08-30 14:31
Das Wiener Lustspielhaus am Hof adaptiert jährlich einen
Klassiker aus der Welt für Wien.
– Diesmal Shakespeares
Verwechslungskomödie „Der Widerspenstigen Zähmung“, die nun als Posse mit
Gesang (von Franzobel geschrieben) in der Bundeshauptstadt spielt.
Es ist völlig klar, dass man hier kein besonders anspruchsvolles Theater
erwarten darf, sondern eher leicht dahinplätschernde Unterhaltung... aber auf
das heuer Gebotene war ich, vor allem wegen vorangegangener Erfolge, wahrlich
nicht gefasst:
Im Großen und Ganzen scheint alles in Ordnung: Oldies wie „Devil in disguise“ (Elvis), „Mariandl“ aus dem gleichnamigen Film
oder Blondies „Denis“ werden ins Wienerische übersetzt (Aliosha Biz, Nikolai
Tunkowitsch und Wolfgang Tockner) und sorgen für Unterhaltung, die ich schon
fast als intelligent bezeichnen möchte. Und auch das Schauspielteam zeigt
entsprechende Qualitäten.... Bis auf einen....
Stefano Bernardin betritt als „Jack Sparrow“-Verschnitt die Bühne und liefert
erstmal einen mit Schenkelklopfern gespickten Eingangsmonolog, der nur durch
ein enormes Talent-Defizit noch
unangenehmer wird. Ich habe selten jemanden so schlecht spielen sehen – selbst
Stefano Bernardin nicht.
Man sollte an dieser Stelle einräumen, dass auch die frei übersetzten Texte das
Stück nicht gerade in positives Licht rücken. Wie immer in solchen Fällen sind
Bezüge zu Geschehnissen und Personen der Jetztzeit (George Clooney, Richard
Lugner, etc.) so unpassend wie peinlich, und auch ansonsten bleibt das Niveau
eher unter dem Meeresspiegel.
Man kann von Glück sagen, dass dieser Abend alsbald durch auf das Zeltdach
trommelnde Regenmassen ein stummes Ende findet (Anm.: Eins ist klar, wenn es
ihn gibt, dann hört er mich.).
Adi Hirschal betritt noch schnell die Bühne und bietet großzügig an, im
Lustspielhaus zu verweilen bis der Sturm vorüber ist, aber ich werde lieber
nass...
Meine Begleitung sieht das ähnlich und kommentiert gelassen: „Die Feuerwehr vom Unterburgenland fährt einmal im Jahr nach Wien um sich ein Musical anzusehen. Vielleicht wäre das hier eine Alternative.“
© Barbara Palffy



