Carmen
mangiapia, 01.08.2011 13:42
Vor dem atemberaubenden Hintergrund der Burgruine wird heute unter der Regie von Karel Drgacs die Carmen gegeben. Zu Anfang stört vor allem der gelegentliche Sprühregen die Stimmung doch die ebenso stimmlich begabte, wie bildschöne Hauptdarstellerin Antigone Papoulpas wird bald zum symbolischen Sonnenschein der wohlklingenden Inszenierung.
An Carmens Seite posiert ein charismatisch singender Don José (Marius Vlad).
Aufwendige, originalgetreue Kostüme am personenstarken Ensemble und güldenes Scheinwerferlicht prägen und beleben die steinerne Kulisse, die nur dadurch noch bessere Stimmung verbreitet, dass nun auch noch ein werter Herr mit Regenponchos durch die Zuschauerreihen wandert.
Auf der Bühne trotzt Micaëla (Elisabeta Marin) inzwischen inbrünstig dem nun stärkeren Regen und stapft gleichgültig durch die Pfützen, während ihr Oberteil langsam aber sicher durchsichtig wird...
(Anm.: Herzlichen Dank an die zuverlässige Sonnenscheinprognose von Wetter.com und des Festivalbüros. Kurz darauf rutscht die erste Darstellerin aus...)
Doch der Wettergott ist dem Intendanten schließlich noch hold: Der Regen lässt wieder nach und die Vorstellung kann ohne weitere Unannehmlichkeiten fortgesetzt werden.
Dass die Bühne vorerst dennoch nass bleibt, macht die waghalsigen Tanzszenen ungleich aufregender. Da werden Tänzerinnen auf Tischen getragen, Hüte wie Frisbees elegant über die 8m hohe Rückmauer geworfen und auf selbiger von einigen Darstellern kunstvoll zwei Stierkämpfe nachgestellt.
Carmen wird zwar nie meine Lieblingsoper werden (kann ich ihren Tod meist ab dem 2. Akt kaum mehr erwarten), doch hat man sich hier in Gars wirklich viel Mühe gegeben alles so abwechslungsreich und stilvoll wie möglich zu gestalten um die eher spaßfreien Passagen aufzupeppen.
Von der Qualität der Besetzung ganz zu schweigen!
Die beiden Hauptdarsteller sind ein wildes, überragendes Paar, voll von einer Leidenschaft, die so glaubwürdig ist, dass die überragende Schlussszene direkt in frenetischen Applaus übergeht.
Dutzende Hüte fliegen für Carmens Abschied von der Mauer auf die Bühne und alles staunt ob des monumentalen Bildes.
Eine Meisterleistung! Witzig, lebendig und voller Feuer (Anm.: Und Wasser!) -Definitiv die beste Carmen, die ich je gesehen habe.
(c) Open Air Gars



