Betrügen
mangiapia, 2010-03-02 11:01
Die ivorischen Musik- und Tanzstars DJ Arafat, Maga Din Din und Gadoukou la Sar (Gotta Depri, Hauke Heumann, Franck Edmond Yao) leben in den Sozialwohnungen der Banlieus von Paris. Mittellose Künstler, die in der Öffentlichkeit als Big Spender und Helden agieren.
Unter der Regie von Monika Gintersdorfer und Knut Klassen
zeigen die Charaktere der fiktiven Band „Jetset“ hierbei die starke Divergenz
von Medienrealität (im Showbiz) und der Realität im eigentlichen Sinne. Die
Inkongruenz von Sein und Schein wird mit dem Glauben an die sich selbst
erfüllende Prophezeiung verbunden und als Motivationscredo der heutigen
Generation interpretiert.
Fleischbeschau vom Feinsten möchte ich anmerken! Die
durchtrainierten Körper der afroamerikanischen Tänzer sind nicht nur spärlich
bedeckt, sondern offensichtlich auch sehr flexibel (Anm.: Ich könnte schwören,
dass die Damen neben mir gerade ein wenig aus dem Mundwinkel sabbern.).
Geniale, rhythmische Tänze und Sprechgesänge runden die Geschichte der drei
Jungs ab, die ihr Leben hier witzig, anschaulich und realitätsnah beschreiben.
Von den eigenen Marketingstrategien bis hin zu utopischen Fantasien wird
inbrünstig auf französisch berichtet, während der einzig deutsche Darsteller
fast zeitgleich die Übersetzung singt oder spricht.
Im direkten Vergleich zu seinen Kollegen sind seine Tanzkünste natürlich eher
kläglich, allerdings spielt er seine humorvoll angelegte Übersetzerrolle im
Schauspielteam und seine Quotenrolle in der Band sehr gut.
Das Stück findet im großen Saal des WUK ein denkbar
passendes Ambiente.
Die kargen Räumlichkeiten bieten genug Platz für ausladende Choreografien und
unterstreichen symbolisch die starken Persönlichkeiten der extrovertierten
Selbstinszenierer. Musik, Tanz, Humor und schließlich Publikumsinteraktion
vereinen sich hier zu einer unschlagbaren Dynamik, der vermutlich auch der
Verzicht auf eine Pause zuträglich ist.
(Anm.: Nach 1,5h unterdrücktem Pinkeln kann ich das von meiner Blase allerdings
nicht behaupten.)
(c) wuk.at



