A Capital Affair
mangiapia, 2010-06-22 14:10
OK, zuerst einmal, Ich bin so was von total angeekelt, dass
es mir egal ist, ob Sie das nun hören wollen oder nicht:
Der Typ vor mir hat gerade seinen eigenen Popel verspeist (Anm.: Genau, erst aus
der Nase gepult und dann in den Mund geschoben!).
Wirklich, ich bin fassungslos. Soetwas erwartet man vielleicht in der U6 im
letzten Wagon auf der Höhe Westbahnhof aber sicher nicht im „Vienna’s English
Theatre“.
Ganz im Gegensatz zu dem jungen Nimmersatt vor mir, ist das Publikum hier nämlich
eigentlich nicht nur domestiziert, sondern auch wohlerzogen.
Zurück zum Wesentlichen:
„A Capital Affair“ ist eine Screwball-Komödie aus der Feder
von Rich Orloff.
Ein erquickliches Genre, das sich meist durch den Kampf der Geschlechter und
Klassen, Slapstick-Elemente und die Grenze zur Farce definiert. (Anm.: Leichte
Kost mit Tiefgang sozusagen.)
Gut und pointiert gespielt, tröstet sie in diesem Fall mit gutem Timing über
die latent klischierten Charaktere hinweg und bietet einen authentischen
Einblick in das Amerika der 80er und 90er Jahre.
Im Mittelpunkt dieses Potpourris aus Liebe, Theater, Politik und Kunst steht
die gealterte Filmdiva Veronica Fairchild (Amanda Osborne). Sie hat sich bereit
erklärt, in einer Theaterproduktion mit ihrem Ex-Mann Philip (Michael Fenner)
aufzutreten.
Doch als sie sich während der Proben mit einem konservativen Senator (Martyn
Stanbridge) verlobt, während Philip der attraktiven Regisseurin Mallory
(Abigail Longstaffe) den Hof macht, beginnen die ersten Funken zu sprühen.
Hinzu kommt, dass der Probenverlauf zunehmend auf ein Premierendesaster
hindeutet.
Als auch noch ihr Privatsekretär Alan (Vince Tycer)eine Affäre mit dem kontroversen Fotokünstler Ezekiel (Alex Scott Fairley), den „ihr“ Senator gerade öffentlich angeprangert hat, beginnt, muss Veronica endlich ihr verworrenes Liebesleben in klare Bahnen lenken…
Unter der Regie von Roger Forbes wird die historische Debatte zwischen
konservativer und freier Kunst gekonnt zusammengefasst:
Bigotterie und Intoleranz als zentrale Anschuldigungen im Lauf dieser
Diskussion, werden dem Zuschauer nicht etwa unter die Nase gerieben (Anm.: Oder
gar aus selbiger herausgebohrt...) sondern mit Fingerspitzengefühl und viel
Humor in die Handlung eingewoben.
Lob für das Feingefühl gilt vor allem der grandiosen Besetzung, die ihre Rollen
mit allen Finessen spielt und so ein gehöriges Maß an Situationskomik zu Tage
bringt.
Lachsalven garantiert!
© Reinhard Reidinger



