„Le nozze di Figaro“ in Klosterneuburg
mangiapia, 01.08.2011 20:44
Wenigstens in Klosterneuburg ist der Himmel heuer blau – gute Vorzeichen für den Figaro unter der Regie von Matthias von Stegmann.
Im Kaiserhof des Stiftes Klosterneuburg erhebt sich ein leicht chaotisches, holzvertäfeltes Bühnenbild in rotbraunen Farbtönen: perfekte Symbolik für Mozarts Verwechslungsspiel rund um die Liebschaften des Figaro (Sébastian Soulès).
Letzterer stolpert sogleich mit einer Matratze auf die Bühne um seine Susanna zu besingen. Susanna (Zoe Nicolaidou) überzeugt mit wunderschönem Timbre und müheloser Stimme und auch der Figaro füllt ausdrucksstark den Innenhof.
Dass die beiden Hauptdarsteller dann noch optisch und schauspielerisch etwas her machen, ist die Kirsche auf dem Sahnehäubchen. Die intriganten Gegenspieler, Marcellina (Victoria Massey) und Bartolo (Horst Lamnek), unterscheiden sich nur (rollengemäß) optisch von Figaro und Susanna, leisten aber nicht minder gute Arbeit.
Der Graf (Dominik Köninger) und die Gräfin (Magdalena Anna Hofmann) reihen sich wieder in die Liga der Augenweiden ein und auch Nina Tarandek in der Rolle des Cherubino könnte man nur vorwerfen, dass sie viel zu hübsch ist um als Junge durchzugehen.
- Auf die Optik hat man hier scheinbar wirklich viel Wert gelegt und das spiegelt sich ebenso in den originalgetreuen Kostümen wieder.
Solange das Talent bei so viel visuellem Reiz nicht vernachlässigt wird, ist das ja für alle Zuschauer wünschenswert und an Begabung mangelt es hier wirklich niemandem.
Einzig dem Techniker vielleicht, der anstatt der Untertitel zwischenzeitlich scheinbar lieber Werbung für einen Software-Hersteller einblendet.
Eine wunderschöne Inszenierung und für eine Mozart-Oper sogar halbwegs spannend.
(c) Lukas Beck



