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"Jägerstraße" - Die erste Grätzl-Soap

mangiapia, 03.11.2009 18:32

Vindobona…
Hat das nicht zugemacht weil angeblich heruntergewirtschaftet?

Nun, hier steht es neueröffnet, das „Kabarett für Hiesige und Zuagroaste“ und Simpl-Geschäftsführer Albert Schmidleitner hat es möglich gemacht.
Diesmal mit gedeckten Tafeln und interessanten kulinarischen Variationen in der Speisekarte, die den Beinamen des "neuen" Kabaretts wunderbar widerspiegeln.
(Anm.: Von Tempura Huhn bis Cevapcici ist alles dabei und das dürfen Sie durchaus auch als Metapher für das Publikum verstehen.)


Hübsch gedeckt, gediegen, aber nicht steif, wohlig-warme Umgebung, freundliches Personal; erster Eindruck: überraschend positiv.
Es glänzt und strahlt das neue Vindobona, in dem heute die erste Folge der Grätzl-Soap „Jägerstraße“ präsentiert wird…

Eine junge Döblingerin zieht in die Brigittenau und wird von den Migranten-Nachbarn in Empfang genommen.
Dragica und ihr Mann, der Mechaniker, der schwule Türke von der Tankstelle, der asiatische Rapper Angelo und viele andere heißen Sie herzlich willkommen.
 (Anm.: Angelo wird übrigens von Vincent Bueno, Gewinner von „Musical die Show“, dargestellt. Bin gespannt welcher Vorwand dafür herhalten muss ihn singen zu lassen.)

 

Es folgen Sequenzen aus dem Puff um die Ecke, vom Hannovermarkt, aus dem Hause einer türkischen Familie, aus der nahegelegenen Wirtschaft, aus dem türkischen Lebensmittelladen und natürlich auch von der Lände, wo Vincent endlich seine Gesangseinlage bekommt. (Anm.: die er mucho bueno meistert und dabei sogar halbwegs unauffällig in das Stück integriert).

Kurzum, Episoden von allen Orten, die man als Ansässiger oder „Zuagroaster“ aus dem Grätzl kennt.
Dabei werden die archetypischen Charaktere eingeführt, die sich zum Ende hin alle bei einer ungewollten Einweihungsparty im neuen Domizil der jungen Döblingerin zusammenfinden.

Die Kulisse ist minimalistisch und spielt sich hauptsächlich auf zwei Leinwänden ab.
Licht, Kostüme, echte Typen und hervorragendes Spiel schaffen jedoch mehr als ausreichende Voraussetzungen um sich in das Stück einzufühlen.
Wer eben noch auf der Jägerstraße gen Vindobona flaniert ist, weiß, dass hier die optimale Überziehung der Realität stattfindet.

Sogar die Umbaupause wird effizient genutzt indem eine DVD-verkaufende Asiatin  Publikumsinteraktion vom Feinsten betreibt und versucht ihr Angebot an den Mann zu bringen (Anm.: Ich selbst erstehe zum Amüsement aller ein Präservativ um €1,-).

 

 "Tief", sagt so mancher im Publikum, andere, darunter ich, können sich vor Lachen kaum mehr retten. Mit dem nötigen Zynismus geht man hierbei ja letztendlich doch an die Sache und beschreibt soziale Missstände zwar drastisch aber heiter. Deutsche und Wiener werden dabei wohlgemerkt nicht minder "verballhornt" (Anm.: oder eben "veroascht").

 

 

Satirisch. lustig, fantastisch!

Ich warte sehnsüchtig auf Folge 2 der neuen Grätzl-Soap!

 

jaeger



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