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"Fuckhead" - Die Flöte im Popo

mangiapia, 02.11.2009 16:44

Das brut-Theater ist immer herrlich unkonventionell und dabei so überraschend gut, dass ich mich auch gerne einmal treiben lasse und mir Stücke nur deshalb ansehe, weil der Titel gut klingt: „Fuckhead“.

Der Vorstellungssaal ist dunkel, von der Decke hängen aus Pappe ausgeschnittene Fische, die mit Alufolie verkleidet wurden und die Sitzgelegenheiten sind gänzlich verschwunden. Stattdessen findet sich Bandequipment in der Mitte des Raumes und fünf  Podeste, die rundherum an den Wänden platziert sind.
Etwas orientierungslos beginne ich zu bedauern, dass ich zu faul war, mich in das Stück, oder besser gesagt die Performence, einzulesen.
Einer der Aufpasser weist die Dame neben mir darauf hin, dass sie ihren Mantel eigentlich an der Garderobe abgeben müsse, denn der könne beschmutzt oder gar beschädigt werden.
(Anm.: Angst! Nie wieder unvorbereitet ins Theater!)

Die Spannung steigt als vier halbnackte, durchtätowierte Krawall-Macher den Saal betreten.
Lange Haare oder Glatze, Heavy-Metal Optik – eigentlich alles was man seinen Kindern im Umgang gern verbieten würde, denn es sieht ein wenig so aus, als hätten die Karlsplatz-Passagenbewohner einen Wochenend-Trip (man beachte das Wortspiel) ins brut gewagt.

Die Jungs nebeln nun den Saal ein und beginnen einen wahnsinnigen Radau mit Plastikflöten und anderen Pseudo-Instrumenten zu fabrizieren, während der schwach beleuchtete Truppenanführer auf einem Wägelchen durch die Zuschauermenge gezogen wird. Das Publikum bekommt dabei Stroh in die Taschen gestopft, wird durch die Gegend geschubst oder mit Süßkram gefüttert.
Das Ganze mit der Unterstützung von Stroboskoplicht.

Damit allein könnte man einen glücklichen Mann sehr alt machen.

Was dann folgt, ist eine Aneinanderreihung seltsam anmutender Rituale, die mit viel Gebrüll, lauten Bässen und harten Musikeinlagen alternieren. Die Performer überschütten sich mit Seifenschaum, trinken selbigen oder lassen sich als menschliche Glocke von einem Seil herabhängen um lautstark gegen Wellbleche zu taumeln.
Beiden „Gesängen“ verschwindet das Mikrofon schon mal ganz in Mund oder Hals (Anm.: Ein Hoch auf die robuste Technik von Heute.) und das Alles geschieht auch noch fast nackt.
Außer  einem Höschen aus mullbindenähnlichem Material verdeckt nämlich nichts die Sicht.
(Anm.: Fünf Minuten später revidiere ich bei besseren Lichtverhältnissen „fast nackt“ – so viele Genitalien sieht man normalerweise nur im Burgtheater.)

Meine klugen Theorien über das Prozedere behalte ich wohl besser für mich. Interpretieren darf man hier Alles und Nichts – Karnevalisierung, Revoluzzertum, Austestung der Grenzen des Leibes… Moment, hat sich der Typ gerade eine Flöte in den Popo gesteckt?!
Das hat er! Und nun wird er auch noch mit Eiswasser übergossen, mit Schleim beschüttet und weil’s so schön aussieht auch noch befedert. (Anm.: Wahrlich ein Kunstwerk. Titelvorschlag: „Eine Flöte auf Umwegen“.)

Und damit endet ein skurriler, ohrenbetäubender Abend, dessen Bewertung ich dem Leser überlasse. Ich muss mir nun die Federn aus den Haaren klauben. 

fuckhead   


© Peter Bittermann



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