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Annie Leibovitz – A Photographer's Life 1990 – 2005

mangiapia, 20.11.2009 17:24

Das im Hundertwasser-Stil erbaute Kunsthaus Wien beherbergt derzeit die Ausstellung der amerikanischen Star-Fotografin Annie Leibowitz.

Bruce Willis, der die Brüste seiner schwangeren Frau Demi Moore verdeckt, Mick Jagger, Colin Powell, Königin Elisabeth II, The White Stripes, Brad Pitt, Jim Arrey oder auch Star Wars Roboter R2-D2 - Das 60-jährige Foto-Genie ist vor allem für die Ablichtung der Prominenten und Mächtigen bekannt. (Anm.: Weniger für die Handhabung ihrer Finanzen. Im August diesen Jahres berichtete die Süddeutsche Zeitung über horrende Schulden)

Und dabei erscheint nicht jeder im besten Licht. Annie Leibowitz verleiht ihren Motiven, gewollt oder ungewollt, eine Tiefe, die oftmals mehr Einblick gewährt als für den ungeübten Betrachter, oder die Porträtierten selbst erkennbar wäre. Es scheint, als würde die Künstlerin die Essenz einer Person einfangen wollen und als wäre da manchmal einfach nicht besonders viel zu holen…
Was oberflächlich betrachtet ein schönes Foto sein kann, zeigt vielleicht unterschwellig durch Lichtstimmung und Motivausschnitt die nüchterne Wahrheit.
So ist und bleibt David Beckham auf seinem Porträt nichts weiter als ein solariumgebräunter Schönling und George Bush wirkt mit seinem Stab wie eine Bande von Trotteln.
Dabei agiert Leibowitz so dezent, dass man ihr als Kunde kaum einen Vorwurf machen könnte.

Anders bei jenen Fotografien, die sichtbar den Charakter einer Person mit all seinen Unsicherheiten darstellt. Hier spielt Leibowitz im offensichtlichen Bereich, jedoch ohne sich zu mokieren.
Eine ungeschminkte Cindy Crawford, deren Hüften und Gesicht weder nachbearbeitet noch in künstliches Licht getaucht wurden, ist zwar nicht unbedingt das, was man ein Parademodel nennen würde, aber deswegen noch lange kein unschöner Anblick.  
Ebenso bleibt eine Julian Moore im Close-Up, trotz Sichtbarkeit aller Poren und fehlerhaftem Make-Up, eine fähige Schauspielerin mit Ausdruck.

Nebst der Inszenierung bekannter Persönlichkeiten,  behält sich die Künstlerin abseits vom Glamour auch die Abbildung von Verbrechensschauplätzen, Landschaften, Krankheitsverläufen und intimen Familiensituationen vor.
Die Blutspuren an der Wand nach einem Massaker in Afrika werden in ebenso ausdrucksstarke Fotos gebannt wie die Nahrungsaufnahme einer durchschnittlichen amerikanischen Familie; die Schluchten Jordaniens erscheinen in imposanten Panoramabildern.  


Als besonders beeindruckend erweisen sich die Fotos rund um das Thema Wasser – Bewegungen der agierenden Personen aber auch des Elements selbst, paaren sich mit natürlicher Lichtreflexion zu einzigartigen Momentaufnahmen.


Die Ausstellung im Kunsthaus (laufend bis 31. Jänner 2010) zeigt damit nicht nur die unterschiedlichsten Arbeiten der Fotografin, sondern versucht auch ihre Hintergründe und Arbeitsweise darzulegen.

Eine Zeittafel mit beispielhaften Werken verweist darauf, dass sich Leibowitz in jedem ihrer bisherigen Schaffensjahre erneut auf all die Motive zwischen Schönheit und Verderben konzentriert hat.
In einem kleinen Vorführungsraum wird außerdem ein umfassendes Interview der Künstlerin gezeigt.

leibowitz

Brad Pitt, Las Vegas 1994 © Annie Leibovitz. Courtesy of Vanity Fair



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