Das Gemälde der Allee vor dem Schloss Kammern ist im Oberen Belvedere zu sehen. Ganz in der Nähe des Originalschauplatzes wurde ein Gustav Klimt-Zentrum eröffnet.
© Belvedere Wien
Zahlreiche Ausstellungen zum Klimt-Jahr gab es heuer, einige sind noch zu sehen.
Von einer originalgetreuen Rekonstruktion des Palais Stoclet in Brüssel im Unteren Belvedere über die Präsentation des Gesamtbestands des Wien Museums, das über die weltweit größte Klimt-Sammlung verfügt, bis zur Aneinanderreihung von 400 Klimt-Postkarten im Leopold Museum reichte die Bandbreite - aber selbst, wenn diese Ausstellungen bereits ihre Finissage hinter sich haben, ist das Klimt-Jahr auch gegen sein Ende hin expositionstechnisch noch nicht abgeschlossen. Wer in Wiens Museen nach dem Jahresregenten sucht, wird weiterhin fündig.
Klimt mit iPads verorten im Belvedere
Die wohl modernste Annäherung an den vor allem durch seine Gold-Bilder und Frauenporträts berühmt gewordenen Maler präsentiert das Obere Belvedere seit dem runden Geburtstag im Juli und noch bis 6. Jänner 2013. Hier kann man nicht nur sämtliche Gemälde aus der hauseigenen Sammlung - nach Aufnahme von „Sonnenblume“ und „Familie“ nunmehr 24 an der Zahl, darunter Ikonen wie „Der Kuss“, „Bildnis Sonja Knips“ und „Judith I.“ - sehen, sondern diese und zahlreiche Zeichnungen mittels iPads und Googlemaps an ihren Entstehungs- oder Schauplätzen und somit in Klimts Lebensbereichen verorten. „Es ist ein neuartiges, kontinuierliches Rezeptionserlebnis, das weit über den Ausstellungs- und Museumsbesuch hinausführt“, sagt Direktorin Agnes Husslein. Man erwarte sich so eine Erweiterung des Wahrnehmungshorizonts und eine Vertiefung in die Werke selbst. Entgegen der landläufigen Vorgangsweise wird in dieser Sonderausstellung kein kunsthistorischer Zusammenhang hergestellt, die Arbeiten selbst sollen wirken dürfen.
Spektakuläre Spaltung
Doch nicht nur Fans und Freude hatte Klimt zu Lebzeiten: 1897 war es soweit. Die Secessionisten sagten sich von den Traditionen der Künstlerhausgenossenschaft los, mit eben dieser komplexen Geschichte der Kontrahenten in Sachen Kunst setzt sich seit Anfang Juli eine Schau im Künstlerhaus am Karlsplatz auseinander. Die divergierenden Auffassungen sind ebenso Thema wie Klimts vorhergegangenen Berührungspunkte mit dem Künstlerhaus.
Gegen Klimt
Empörungen und Skandale sind auch Zentrum jener Schau, die bis 29. Oktober im Österreichischen Theatermuseum gezeigt wird. Im Mittelpunkt steht Hermann Bahrs Schrift „Gegen Klimt“, in der er sich mit dem Streit um die Fakultätsbilder auseinander setzte. Durch Bahrs Nachlass kam auch das Gemälde „Nuda veritas“ in den Bestand des Theatermuseums.
Nah dran
Verlängert wurde die Möglichkeit, im Kunsthistorischen Museum über eine riesige Stiege jene Zwickel- und Interkolumnienbilder genau zu betrachten, die Klimt für das Stiegenhaus malte. Und das Museum für Volkskunde zeigt noch bis 14. Oktober Textilentwürfe von Klimts Muse und Lebensmensch Emilie Flöge. Mit ebendieser reiste Klimt oft an den Attersee, wo zahlreiche Werke entstanden. Dieser Tatsache zollt man seit Juli mit einem Gustav Klimt-Zentrum am Attersee Tribut, hier werden Originalzeichnungen, Autographen, Fotografien im Zusammenhang mit Klimts Verbindung zur Region ebenso ausgestellt wie sein Gemälde „Am Attersee“ aus dem Bestand des Leopold Museums in Wien.
Theresa Steininger









