Schloss Orth/Donau
© Andrew C. Leggatt
Kulturelles Erbe. Seit 1999 wird auch in Österreich der „Tag des Denkmals“ gefeiert. Am 30. September sind heuer wieder Orte zu sehen, die sonst nicht zugängig sind. Eine Chance zum Kennenlernen verborgener Orte.
Unter dem Slogan „Dem kulturellen Erbe neues Leben einhauchen“ hat Jack Lang als französischer Kulturminister 1984 zum ersten Mal „Tage der offenen Denkmale“ in Frankreich initiiert. Dass sich aus dieser Idee die weltweit größte Kulturveranstaltung entwickeln würde, die mittlerweile über Europa hinaus auch in den USA und Kanada Fuß gefasst hat, war nicht vorherzusehen. 1999 etablierte man die „European Heritage Days“ als gemeinsames Projekt von Europarat und Europäischer Union. Die Veranstaltungen sollen im internationalen kulturellen Dialog den Reichtum und die Vielfalt des gemeinsamen Erbes und zugleich auch die zahlreichen nationalen und regionalen Eigenheiten ins Bewusstsein rufen. Bevorzugt werden Gebäude, die üblicherweise für die Öffentlichkeit nicht zugängig sind.
In Österreich findet der Tag des Denkmals immer am letzten Sonntag im September statt und wird vom Bundesdenkmalamt (BDA) organisiert. Bis auf ganz wenige Ausnahmen sind alle Veranstaltungen bei freiem Eintritt zu besuchen. Dabei versuchen die Fachleute vom BDA gemeinsam mit den engagierten Eigentümern bei Spezialführungen nicht nur die Objekte in den Vordergrund zu stellen, sondern auch die Arbeit der Denkmalpflege: die Verantwortung der Tätigkeit des Bewahrens und das Leben mit und im Denkmal.
Geschichte(n) im Denkmal
Nach „Aus Holz“ im letzten Jahr ist das Thema heuer „Geschichte(n) im Denkmal“. Dabei geht es sowohl um historische Aspekte als auch um Geschichten, die sich in Denkmalen abgespielt haben oder sich um die Denkmale ranken.
In Wien sind es 39 Objekte, die den Besuchern einen Blick hinter die Kulissen erlauben, z. B. die Beethovenwohnung in der Laimgrubengasse, ein Stadtspaziergang zu Erinnerungsstätten von Heimito von Doderer, der Waschsalon im Karl-Marx-Hof u. v. m.
Im Burgenland wird an 18 ausgewählten Objekten Denkmal-Geschichte erzählt, z. B. in Bruckneudorf, wo im Zuge der Missionierung der Awaren eine Missionskirche erbaut wurde, die von Archäologen des Burgenländischen Landesmuseums ergraben werden konnte.
Erdkeller und Alchemistenlabor
In Niederösterreich sind es 30 Standorte mit einer großen Palette an Angeboten für Geschichte und Geschichten in Denkmalen, z. B. das Schloss Orth an der Donau, das unerwartete Erkenntnisse zur Baugeschichte und ein opulentes Renaissancegartenfest bietet. In der Georgskirche in Wiener Neustadt wird der hochpolitische historische Gehalt der Renaissance-Glasmalerei erzählt, in Gmünd wird der Denkmalpfad „Walk of Stones“ eröffnet. In Wullersdorf geht es unter die Erde bei einer Stadtführung zu den Erdkellern, in Oberstockstall gibt ein Alchemistenlabor im Gutshof ein paar seiner Geheimnisse preis. Und in der Kartause Mauerbach sind im Rahmen der Sonderschau „Geschichte(n) zur Kartause Mauerbach“ Sagen und Legenden aus dem ehemaligen Kartäuserkloster und dramatische Geschichten aus dem Versorgungshaus zu erleben.
In den letzten Jahren werden bei den österreichischen Aktionstagen vermehrt auch Denkmale nahe der Grenze in Tschechien, der Slowakei und Ungarn eingebunden. So wird heuer mit Sopron, der Partnerstadt von Eisenstadt, erstmals am Tag des Denkmals grenzüberschreitend die gemeinsame Geschichte zum Thema.
Werner Schuster









