Fergus Greer, Leigh Bowery, Session VII, Look 37, June 1994
© Fergus Greer, Courtesy Fergus Greer
Nackt in der Luft baumeln: Die Kunsthalle Wien widmet dem Exzentriker Leigh Bowery ab 19. Oktober eine Ausstellung.
Leigh Bowery war ein Modekünstler der Extreme. Er baumelte nackt, mit schwarzer Gesichtsmaskierung und Wäscheklammern an den Genitalien in der Luft und zertrümmerte mit seinem Körper eine Glasscheibe. Er befestigte künstliche Lippen mit Sicherheitsnadeln an den Wangen und trug Paillettenroben, Blumenkleider mit Stahlhelmen, dickes Make-up, schräge Kopfverhüllungen und eigenwillige Accessoires. Der exzentrische Selbstdarsteller war das Enfant terrible der Londoner Clubszene der 1980er, machte Mode zur Performance, wenn er als lebendes Kunstwerk in einem Galerie-Schaufenster saß, und inspirierte Haute-Couture-Schöpfer von Westwood bis Galliano sowie den Maler Lucian Freud. Die Kunsthalle Wien zeigt ab 19. Oktober eine Ausstellung, die vor allem die revolutionären Kostüm- entwürfe Bowerys zeigt. „Ich hatte die einzigartige Gelegenheit, für unsere Schau aus dem Kostümfundus von Nicola Bateman Bowery auszuwählen“, sagt Kuratorin Angela Stief. „Bowery war ein wandelndes Kunstwerk, und die Schwierigkeit ist, dem in einer Ausstellung gerecht zu werden, ohne in der Biografie hängen zu bleiben.“ Es werde neben Entwürfen zu Kostümen, mit denen er sich selbst zu einer Skulptur stilisierte, auch zahlreiche Fotografien und Videos von namhaften Künstlern geben, außerdem Accessoires und Briefe sowie Dinge, die den Künstler bei seinen Aktionen inspirierten. „Bowery war eine sehr schwer fassbare Figur, die durch ihre Grenzgänge zwischen den Genres faszinierte. Er wollte Anstoß erregen, um den Angepassten den Spiegel vorzuhalten, wobei er sich durchaus der eigenen Verletzlichkeit aussetzte.“ 33-jährig verstarb der Selbstdarsteller an Aids.
Theresa Steininger









