Wien | Ausstellungen

Von Zeiten und Räumen

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Von Zeiten und Räumen

„GEORGIA, Kakheti, Telavi, 1972. Monastery Alavardi (XIth Century). Visitors from the kokhozes, celebrating Saint George“
© MAGNUM Photos/Henri Cartier-Bresson

Museums-Rundgang. Zeit und Raum stehen im Mittelpunkt der Herbstausstellungen mehrerer großer Wiener Häuser.

Der Winter ist nicht jedermanns Sache. Zumal Stadtbewohner schnell eine skeptische Sichtweise entwickeln und sich die Freude auf die weiße Pracht leicht durch Begleiterscheinungen wie Kälte, Dunkelheit, Nässe und Matsch trüben lassen. Ob die Abwehrhaltung gegenüber der kalten Jahreszeit ein Grund dafür ist, dass es bislang noch keine substanzielle Ausstellung darüber gegeben hat?
Das Kunsthistorische Museum füllt diese Lücke nun mit einer reichhaltigen, interdisziplinär angelegten Ausstellung mit Leihgaben aus aller Welt. Unter dem Titel „Wintermärchen“ spannt die Schau einen Bogen quer durch die westeuropäische Kunstgeschichte, vom 15. Jahrhundert bis herauf zur Kunst der Gegenwart. Mit Meisterwerken von Ruisdael, Friedrich, Turner, Munch, Chagall bis Kiefer und Beuys werden unterschiedlichste Aspekte der Thematik beleuchtet. Eine spannende szenische Erweiterung stellt die Integration von Schlitten aus der Wagenburg, Kunstkammerobjekten und Tapisserien dar.

Klimt-Jubeljahr

Das Belvedere antizipiert den Reigen der Ausstellungen anlässlich des 150. Geburtstags von Gustav Klimt im Jahr 2012 mit „Gustav Klimt/Josef Hoffmann. Pioniere der Moderne“. Hier wird die 21-jährige Zusammenarbeit des Jugendstilmalers mit einem der großen Gestalter und Architekten des Secessionismus beleuchtet. Als frühes Beispiel „moderner Raumkunst“ spielte dabei Hoffmanns Gestaltung der Secessionsausstellung eine Schlüsselrolle, die den internationalen Stellenwert des Kunststandorts Wien und seiner Protagonisten festigte. Neben gemeinsamen Auftritten etwa bei der Weltausstellung in St. Louis 1904 erwuchs dem Künstlerduo daraus auch der Auftrag für die Ausstattung des Palais Stoclet in Brüssel. Anlässlich seines 100-jährigen Bestehens bildet das belgische Architekturjuwel nun in rekonstruierter Form einen Schwerpunkt der Wiener Schau.
Der eigentliche Startschuss zum Jubeljahr fällt dann im Februar im Kunsthistorischen Museum, einem der Originalschauplätze des Klimt’schen Schaffens: Ausgehend von den Gemälden, die Klimt 1890 für das Stiegenhaus anfertigte, wird die mittlere Periode des Malers und Zeichners (1886–1897) beleuchtet.

Die halbe Welt

Einen ganz anderen Umgang mit Räumen demonstriert das Architekturzentrum Wien, das dem Australier Glenn Murcutt, Pritzker-Preisträger 2002, eine Personale ausrichtet. Murcutt, der seine Arbeitsweise als „Denken in Zeichnungen“ beschreibt, erweist sich nicht nur als Spezialist für kleine, meist private Projekte, sondern auch als obsessiver Verfechter der Harmonie zwischen Architektur und Natur.
Und schließlich lässt auch das Kunst Haus Wien den Blick in die Ferne schweifen und durchmisst mit einer Cartier-Bresson-Ausstellung die halbe Welt. Mit Reisereportagen aus Indien, Amerika und Russland wird eine bislang wenig bekannte Seite des berühmten Fotografen aus dem Umfeld der Surrealisten gezeigt.

Von Johanna Hofleitner


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