Was hat Schokolade mit der bolschewistischen Revolution zu tun? Mit diesen und vielen weiteren Souvenirs sowie Fotos vom Kriegsschiff Aurora und solchen von einem Modell desselben hinterfragt der burgenländische Fotograf Christian Wachter in seinem Werk „Abpopa/Aurora“ den historischen Hergang der Ereignisse in St. Petersburg 1917, als die Oktoberrevolution mit einem Sturm auf das Winterpalais nach einem Signal dieses Schiffes eingeleitet wurde, zu sehen im MUSA.
Rund 70 Werke hat er zu einer raumgreifenden Arbeit zusammengestellt, die von der Kulturabteilung der Stadt Wien respektive dem MUSA angekauft wurde und in den Ausstellungsräumen neben dem Rathaus gezeigt wird. „Mir geht es um das Hinterfragen von Mythen, Kritik an den Quellen und eine Sichtweise auf Geschichte und Politik, die auch erkundet, wie die künstlerische Avantgarde getötet wurde“, sagt Wachter k2. Die Fotos hat er auf einer Reise 1988 nach Minsk, Moskau und Leningrad – wie St. Petersburg damals hieß – sowie natürlich auf der Aurora, die heute ein Museum ist und zu Sowjetzeiten eine Pilgerstätte für Touristen und Hochzeitspaare war, gemacht: Dazu kommen Zigarettenpackungen, Zündholzschachteln und eben Schokoladenpackungen, „die in ihrem Erscheinungsbild an Avantgardedesign, das verschwunden war, erinnern“, so Wachter. Sein Werk solle auch als Anregung zur Identitätsbildung verstanden werden: „Keine Identität kann sein ohne den Blick auf andere Kulturen. Ich kann die meine als Österreicher nur begreifen, wenn ich mich mit anderen, oft polar entgegengesetzten Kulturen auseinandersetze.“
Theresa Steininger









